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Remapping Mozart - Geschichte schwarzer Menschen in Österreich PDF Print E-mail
Written by Simon INOU   
Sunday, 12 March 2006
"Die Geschichte schwarzer Menschen
in Österreich gehört neu geschrieben"


Die Geschichte Mozarts wird heute  aus der Position der Mehrheit und der Mächtigen rezipiert. Wie könnte eine Geschichte von Mozart aus der Perspektive der Ohnmächtigen ausschauen?  Das Projekt "Verborgene Geschichte/n - remapping Mozart" hat sich mit diesem Blick vertraut gemacht.

Daraus entstanden neue Themenfelder, Perspektiven und Überraschungen worüber zu denen noch vertiefende Recherche eingeleitet folgen werden, um Mozart und Österreich besser verstehen zu können. Wie lebten schwarze Menschen zur Zeit Mozarts? Wie wurden sie wahrgenommen? Afrikanet.info hat Claudia Unterweger (Bild Oben) und Belinda Kazeem, Mitglieder der "Recherchegruppe zur schwarzen österreichischen Geschichte" getroffen. Lesen Sie....


Afrikanet.info: Sie arbeiten an dem Projekt "Verborgene/n Geschichten - Remapping Mozart". Worum geht´s?


Claudia Unterweger: Remapping Mozart ist ein wissenschaftliches/künstlerisches Projekt vom Wiener Mozartjahr 2006. Sein Anliegen ist es, Mozart aus der Perspektive der nicht herrschenden Meinung zu betrachten. Eine Art Gegengeschichtschreibung. Ausgehend von Mozarts Leben und Zeit und deren Rezeption werden verdrängte Geschichte herausgearbeitet. Es geht in diesem Projekt auch um andere MigrantInnen, die hier sind.

Afrikanet.info: Es ist auch um Begriffe in eurer Gruppe gegangen. Wie hab ihr euch ernannt?

Belinda Kazeem: Schwarze Recherche Gruppe

Afrikanet.info: Wie wurde die Gruppe koordiniert und welche Schwerpunkte hat es gegeben?

Kazeem(Bild rechts): Am Anfang dieses Projekts im Juni 2005 standen noch nicht geordnete Ideen. Araba Johnston hat die Gruppe gebildet und geleitet. Mehr als 10 Personen afrikanischer Herkunft sind zusammengekommen um über ihre Geschichte in Österreich zu recherchieren. Am Anfang hat jede gewusst, das es Angelo Soliman gibt. Aber im Laufe der Arbeit haben wir viel  entdeckt.

Afrikanet: Worüber habt ihr beide gearbeitet?

Kazeem: Ich habe gearbeitet und arbeite über die Repräsentation von schwarzen Frauen auf deustchen und österreichischen Bühnen im 18. Jahrhundert. Ich habe mich auf die Theaterstücke betreffend schwarze Frauen konzentriert. Theaterstücke wo schwarze Frauen als Rolle miteinbezogen sind. Es geht um Film, Medienkritik und Analyse.

Unterweger: Ich habe mich mit die Lebensrealitäten von schwarzen Männer und  Frauen im 18. Jhdt. in Wien und in den Überseen Kolonien beschäftigt. Wir haben uns auf die schwarze Geschichte zur Zeit Mozart konzentriert.

Afrikanet.info: Wie wurden diese Menschen wahrgenommen?

Unterweger: Zu dieser Zeit waren
schwarze Menschen als Individuen damals nicht sichtbar, sondern nur als exotische Objekte wahrgenommen. Es gibt fast nichts in den damaligen Zeitungen über sie. Die Geschichte ist sehr lückenhaft. Weil sie immer von Mächtigen geschrieben wird und die Mächtigen damals behandelten schwarze Menschen sowie heute.  Sie existierten nur als kuriose und exotische Objekte. Es gibt verschiedene Arbeiten diesbezüglich, eine Reihung von Biographien und wir haben uns auf die Zeit Mozarts konzentriert. Zu dieser Zeit wurden schwarze Menschen aus einer sehr exotizierenden Perspektive betrachtet. Manche wurden damals auch als M* bezeichnet. Das M* Wort sowie das N* Wort waren die Standardbezeichnung. In vielen wissenschaftlichen Arbeiten über das Thema schwarze Menschen zur Zeit Mozarts in Österreich werden unreflektierte Ausdrücke verwendet.

Kazeem:
Menschen aus Indien haben damals auch als M* gegolten.

Afrikanet.info: Unreflektiert ja. Aber es ist auch wichtig die Archive zu öffnen und zu zeigen wie es damals war und ich glaube die Reflektion aller dieser wissenschaftlichen Arbeiten macht ihr jetzt. Aber wie fühlt man sich wenn man über die eigene Geschichte recherchiert und arbeitet?

Belinda Kazeem: Auf der einen Seite ist es schmerzhaft zu wissen was alles passiert ist, was bis heute nicht wirklich dokumentiert ist. Auf der anderen Seite hat uns diese Recherche stark gemacht. Weil wir bemerkt haben, dass es  schon eine lange Geschichte auch zur Darstellung Menschen afrikanischer Herkunft in Österreich gibt und wie sich das alles entwickelt hat. Für Österreich sehen wir uns als Pionierinnen aber in anderen Ländern wie GB oder Frankreich gibt es diesbezüglich eine sehr lange Tradition. Wir schauen uns oft in diesen Ländern um, um uns inspirieren zu lassen.

Claudia Unterweger: Diese Fremddarstellungen sind auch Teil unserer eigenen Geschichte in diesem Land und ich bemerke, dass viele bewusst oder unbewusst mit diesen Darstellungen sozialisiert sind. Und es hat uns sehr interessiert zu wissen warum sie so dargestellt waren. Wir haben uns auch auf die Lücken konzentriert. Wie waren die Lebensrealitäten damals? Gab es schon Formen von Widerständen? Dieser Teil ist so wenig dokumentiert worden, weil eben "Objekte" sich nicht widersetzen....

Afrikanet: Woher kamen diese schwarzen Menschen, die nach Österreich gekommen sind?

Claudia Unterweger: Es ist nicht einfach, es lässt sich nicht rekonstruieren. Auch über Soliman haben sich die Beweise noch nicht erhärtet, dass er aus Nigeria kam. Was ganz sicher ist, diese Kinder sind entführt und verschleppt worden unter brutalsten Umständen und im Zuge diese Verschleppung sind sie ihre Identität beraubt worden. Diese Tatsache erschwert die Konstruktion der Identitäten...

Belinda Kazeem: Diese verschleppten Kinder wurden an Europäer verschenkt. Auch nach dem Tod wurden sie wie Tiere behandelt. Angelo Soliman (redesign des Porträts, Bild Links) wurde enthäutet, ausgestopft und ausgestellt. Seine Tochter Josephine widersetzte sich dieser Art Menschen zu behandeln und wurde nie gehört. Wir bemerken, dass auch in der Forschung viele Missverständnisse und Fehler begangen wurden. Wie kann Monika Firla, die über den Soliman recherchierte und sogar nach eigener Aussage als Soliman-Spezialistin gilt, behaupten, dass er viele Freunde in der Wiener Gesellschaft hatte. Ich bin der Meinung, er wurde wie ein Möbelstück behandelt.


Afrikanet.info: Wie wird Österreich im Bezug auf diese Geschichte dargestellt?


Claudia Unterweger:
Die Art und Weise wie die Geschichte Solimans in Österreich erzählt wird, will immer die Idee eines toleranten Österreich bekräftigen und es als besonders tolerantes Land zu zeigen. Es wird im öffentlichen Diskurs gezeigt und argumentiert, dass es diesen ihm und anderen Schwarzen gut gegangen ist. Sonst hätten sie nie erreicht was sie erreicht haben. Aber das ist leider nicht der Fall,

Afrikanet.info: Die Geschichte Solimans gehört neu geschrieben....

Belinda Kazeem: Total. Es gibt nur romantisierende Bilder, die nicht mit der Behandlung dieses Mannes übereinstimmen.

Claudia Unterweger: Diese Geschichte ist auch nicht zu isolieren und als einzelne Geschichte darzustellen. Es gab schon damals Menschen afrikanischer Herkunft in Österreich. In Wien und an diversen Fürstenhöfen.

Afrikanet.info: Wissen Sie ob es Nachfahren von diesen Familien gibt?

Claudia Unterweger: Es lässt sich nicht zurückverfolgen. Ich habe davon nichts gehört und gelesen...

Afrikanet.info: Was wird nach dem Projekt geschehen?

Claudia: Es werden Multimediamaterialen produziert und für Bildungseinrichtungen zugänglich gemacht. Austellungen werden auch diesbezüglich konzipiert und gezeigt. Innerhalb der schwarzen Community in Österreich werden wir beginnen, auch diese Geschichten zu erzählen. Das ist die oberste Priorität. Die gesamte Öffentlichkeit wird auch informiert werden. Es ist auch Teil der österreichischen Geschichte, ob wir es wollen oder nicht.


Araba Johnston Arthur

Afrikanet: Wie war die Rezeption eurer Arbeit bei den Wissenschaftlern, die in diesem Bereich Beiträge geleistet haben?

Claudia Unterweger:
Im zuge der Vorbereitungen zu diesem projekt, ist es passiert, dass an der Universität Wien ein Professor der als  "Spezialist der schwarzen Österreichischen Geschichte" GILT, gemeint hat,   er kann mich nicht wirklich unterstützen, weil er über dasselbe Thema  arbeitet. Dieser Professor hat die Geschichte von Schwarzen Menschen in  Österreich vom 17. bis ins 20. Jahrhundert in nur ein einziges Buch gepackt. Er hat gemeint er kenne alle Quellen zu diesem Thema. Er meinte, es gäbe kaum noch neues zu diesem Thema zu finden oder zu berichten.


Belinda kazeem: Natürlich sind die Quellen eingeschränkt. Aber unser Zugang ist ein ganz anderer.

Afrikanet.info: ein letztes Wort?

Claudia Unterweger: Es ist das erste Mal in Österreich, dass schwarze Menschen für ihre eigene Geschichte wissenschaftliche Forschungen einleiten und als Subjekte handelt werden, als handelnde Personen. Manche Leute werden diesbezüglich nicht glücklich sein, aber es ist unsere Geschichte. Ich denke hier an das Establishment der weiss-europäischen Geschichtsforschung.

Afrikanet.info: Danke für das Interview

Claudia Unterweger: Danke auch

Belinda Kazeem: Danke



Einen Entwurf für eine neue Strasse in Wien  - Schwarze Recherche Gruppe

Mehr Informationen zu diesem Projekt:
http://www.remappingmozart.mur.at


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Claudia Unterweger
Radiomoderatorin auf FM4. Studium der Geschichte und Sciences Politiques. Derzeit Mitarbeiterin der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart, im Rahmen von Verborgene Geschichte/n - remapping Mozart.

Belinda Kazeem
Projektmitarbeiterin beim Verein Schwarze Frauen Community (SFC). Studium der Internationalen Entwicklung und Theater-,Film- und Medienwissenschaften. Derzeit Mitarbeiterin der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart, im Rahmen von Verborgene Geschichte/n - remapping Mozart.

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Anmerkungen: N* Wort steht für Neger und M* Wort für Mohr

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Last Updated ( Sunday, 19 March 2006 )
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