Kategorie: Kids & Jugend-Vorbilder

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Monk!
Thelonious Monk war ein großer Individualist, ein bedeutender Innovator des Modern Jazz, ein ernster Mann, zärtlich-verspielt, mit großartigem Humor.
Reduktion auf das Wesentliche
Wahrscheinlich war er - wie seine Musik - ein bisschen "ver-rückt". Als Sechsjähriger begann er, Klavier zu spielen. Als Kind begleitete er, jeden Sonntag, den Gesang seiner Mutter in der "First Baptist Church" in Harlem am Harmonium. Mit 16 durfte er nicht mehr an den wöchentlichen Klavierwettbewerben im berühmten "Apollo Theater" teilnehmen - er hatte sie nach Meinung der Veranstalter bereits zu oft gewonnen. Mit 17 verließ er die Schule, um etwas zum Haushaltseinkommen der Mutter beizusteuern, und wurde Pianist einer tourenden Gospeltruppe. Eine prägende Erfahrung, in mehrfacher Hinsicht.
"Diese musikalisch-geistlichen Übungen bedeuteten: regelmäßige Arbeit mit dem Instrument, das Lernen der Themen, die Schulung des Gehörs, Einübung in die Funktion als Begleiter, lange Improvisationen in den Augenblicken der Ekstase, das Jonglieren mit dem Call-and-Response-Prinzip, das Erzeugen des fortlaufenden Swing, die Meisterschaft in und das progressive Überschreiten der üblichen Spielweise", so Jacques Ponzio im Buch "Blue Monk".
Überschreiten der üblichen Spielweisen
Das daraus möglich gewordene "progressive Überschreiten der üblichen Spielweise" hatte, so Thelonious Monk, einen banalen Grund: "Ich war die ganzen Kirchenmusikakkorde so leid, dass ich unbedingt etwas anderes hören musste. Deshalb erfand ich neue Melodien mit neuartigen Akkorden über Rhythmen, die mir einfach so in den Sinn kamen."
Monk wird mit Anfang zwanzig Hauspianist in "Minton's Playhouse" in Harlem, das ist ein Club, der wie ein Musiklabor wirkt. Bei den Jam-Sessions experimentierten junge Musiker wie Charlie Parker oder Dizzy Gillespie mit Strukturen, die sie über den dominierenden Swing hinausbringen sollten, zum Bebop und damit zum Modern Jazz.
Dekonstruktivismus
Monks Anteil an diesen erfolgreichen Musikexperimenten war den Teilnehmern klar, wurde von der Musikgeschichte aber erst post festum anerkannt. Sein Stil war einfach zu individualistisch, sein Dekonstruktivismus seiner Zeit voraus. Mit Mitte zwanzig hatte er bereits viele seiner berühmten Stücke komponiert, die aber erst Jahre oder Jahrzehnte später berühmt wurden: "Round Midnight" und "Straight", "No Chaser" und "Well, You Needn't".
Von Monk kann man die Reduktion auf das Wesentliche lernen. Zwei, drei Töne erzählen oft mehr als ganze Sechzehntelkaskaden. Monk hatte eine spezielle Art zu spielen, er verwendete sehr enge Intervalle, die dem Klang viel Spannung geben. Er krümmte seine Finger kaum, sondern hielt sie meist flach, parallel zu den Tasten.
Klavier als Schlaginstrument
"Es ist sehr schwierig, so wie Monk zu klingen", meint Heribert Kohlich von der Wiener Musikuniversität, "weil man sich von den ästhetischen Vorstellungen des Instruments lösen und das Klavier tatsächlich als eine Art Schlaginstrument betrachten muss."
Es war kein westlicher Schönklang, den Monk erzielen wollte, daher all die rhythmischen Verschiebungen, Unregelmäßigkeiten, der sperrige und irritierende Charakter manch seiner Kompositionen. Monk spielte jene Dinge, die er innerlich hörte. Er war ein introvertierter Exzentriker, ein treuer (Familien-)Mensch, ein verlässlicher Freund. Und natürlich: Er hatte Humor.
Wer ihn musikalisch am meisten beeinflusst habe, wurde Monk einmal gefragt. Seine Antwort: "Na, ich selbst natürlich."



