Datum: 09.01.09 18:50
Kategorie: Welt

Von: Habibou Bangré/Afrik.com

Wenn Schönheitschirurgie Opfern von Genitalverstümmelung (FGM) hilft

Logo Anti FGM

Dr. Madzou (c)afrik.com

Dr. Sebastien Madzou (Bild rechts) stammt aus dem Kongo, Zentral Afrika. In Frankreich studierte er Medizin und spezialisierte sich als Gynäkologe. Zwischen Februar und Anfang Oktober 2006 arbeitete er in Burkina Faso. Sein Fachgebiet ist die Rehabilitation von Frauen, deren Klitoris verstümmelt wurde. Er arbeitet nach der Methoden des französischen Urologen Dr. Pierre Foldès. Schönheitschirurgie der besonderen Art. Ein Interview von Afrik.com

130 Millionen Frauen sind nach Schätzungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) von Genital Verstümmelung (FGM) betroffen. Und jedes Jahr kommen etwa 2 Millionen dazu. Das sind täglich 6.000 Mädchen. In Deutschland gibt es nach Schätzungen 20.000 betroffene Frauen. In Österreich waren es im Jahre 2002 ca. 8000  und In der Schweiz leben schätzungsweise 6000 bis 7000 betroffene Frauen. Grösstenteils aus afrikanischen Ländern. Seit 25 Jahren arbeitet der Urologe Dr. Pierre Foldès, ein französischer Arzt daran, einer derart zerstörten Klitoris wieder Leben und Sensibilität zu schenken. Viele afrikanische Ärzte machen mit und retten tausende afrikanische Frauen. Ein Interview von Afrik.com mit Dr. Sebastien Madzou, dem "Retter" der Lust.

Afrik.com: Wie viele Frauen wurden schon operiert?

Sebastien Madzou: Zwei Dutzend. Weiters habe ich an die 25 KollegInnen ausgebildet.

Wie haben die Patientinnen von Ihnen gehört?

Durch Mundpropaganda. Nur der Preis ist hoch (25 000 FCFA=38 Euro). Mit 38 Euro sind die Anästhesie, die Operation sowie die Medikamente inkludiert. Normalerweise kostet die Operation 76 000 FCFA (115 Euros) und sogar mehr in anderen Privatkliniken. Viele Frauen sind bereit dieses Geld auszugeben statt ein Flugticket und Visumkosten für Frankreich zu bezahlen. Was mehr kosten würde. Ich habe schon Klientinnen aus Belgien sowie den USA, die sich operiert haben ließen, als sie auf Urlaub waren.

Wie alt sind die Patientinnen?

Sie kommen aus allen sozialen Schichten und allen Altersgruppen.

Genieren sich die Patientinnen, weil Sie einen Mann sind?

Nein. Viele mögen Männer weil sie finden, dass sie zärtlich sind (lacht). 

Unterstützen Ehemänner ihre Frauen?

Manchmal ja. Sie ermutigen sogar ihre Frauen sich operieren zu lassen. Ehemänner sind selten dagegen. Im allgemeinen kommen sie immer zu zweit. Ehemänner sind sehr neugierig auf die Zeit nach der OP. Die Männer wollen, dass ihrer Frauen eine vollkommene Sexualität wieder finden, die das Paar glücklicher machen kann.

Was geschieht nach der OP?

In 80% der Fälle sind die Frauen zufrieden. Zuerst das anatomische Ergebnis weil sie sich anderen Frauen ähnlich fühlen wollen. Zweitens schätzen sie den funktionellen Aspekt des Klitoris. Nach Meinungen vieler gäbe es eine radikale Veränderung der Sensibilität und ihre  Sexualität entfaltet sich. 

Wie Sind Sie dazu gekommen, verstummelte Klitoris zu "reparieren"?

Neugier. Ich lese viele Frauenzeitschriften. Eines Tages las ich ein Interview des Arztes Dr. Foldes für das Französische Magazin Marie Claire. Ich dachte er ist witzig. Dann bin ich zu ihm gegangen, weil ich sehr sensibel auf das Problem der Genital Verstümmelung war. Auch wenn sie nicht im Kongo existiert. Ich wollte den Frauen helfen. Dr. Foldes hat mich gelehrt und ich lehre auch weiter.

Wie lange haben Sie gebraucht um die Technik zu beherrschen?

Ich bin Gynäkologe und es hat nicht lang gedauert. Die Technik ist nicht schwerer als der Kaiserschnitt. 

Wie haben Sie Gynäkologen aus Burkina Faso ausgebildet?

Ich habe Dr. Charlemagne Ouedraogo, einen ehemaligen Studienkollegen aus Tours. Er hat mich gebeten mit ihm nach Burkina Faso zu reisen. Dort habe ich 25 Gynäkologen ausgebildet darunter sechs Frauen. Das war im Februar dieses Jahres. Jedes Mal, wenn ich in der Klinik Suka operiert habe, war immer ein Gynäkologe anwesend. Er/Sie hat gesehen was ich es machte. 

Mit welchen Mitteln operieren Sie?

Mit einfachen Mitteln. Die OP selbst braucht viel Material. Aber hier arbeiten wir mit was wir haben.

Wie haben die Leute reagiert?

Es gibt noch immer manche Extremisten, die sagen man darf die Klitoris nie berühren. Wir bekommen mehr Unterstützung und sogar von  Staatschefs sowie Ministerien und vielen NGOs.

Da die OP viel Geld kostet, glauben Sie nicht, dass Sie sie kostenlos machen sollen?

Nein, auf keinen Fall. Die OP soll nicht banalisiert werden. Wir brauchen zumindest symbolische Kosten, damit die Leute das Gefühl haben es ist etwas Seriöses. Sie wissen so wie ich, dass etwas Kostenloses nicht immer funktioniert.

Quellen: Afrik.com, Alles auf Französisch, 

(c) Übersetzung Simon INOU, Afrikanet.info 

----------------------

Auf AFRIK.COM

Le clitoris retrouvé 

Un gynécologue congolais "répare" les excisions  

Ausgewählte Links:

Deutschland

Österreich

Schweiz







Kommentare

Keine Einträge

Kommentarformular

öster News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz
17. Mai
2012mehr
Donnerstag

Suchen & Finden



Letzte Kommentare

Keine Einträge

designed and implemented by BILCOM