Datum: 07.02.09 20:36
Kategorie: Welt

Von: Nachrichten

Michael Steele: Der Barack Obama der US Republikaner?

Michael Steel (c)wikipedia.de

Der Obama-Effekt zeigt jetzt auch beim politischen Gegner Wirkung: Erstmals in ihrer Geschichte haben auch die US-Republikaner einen schwarzen Politiker an die Spitze ihrer Partei gestellt. Mit der Wahl des Afro-Amerikaners Michael Steele wollen Amerikas Konservative nach acht Jahren Bush-Regierung einen völligen Neuanfang versuchen. Der 50-Jährige soll die Partei wieder zum großen Sieg führen. Vor allem soll er nicht-weiße Wähler umwerben: Bei der Wahl im November hatten nämlich mehr als 90 Prozent der Schwarzen und zwei Drittel aller Latinos den Republikanern ihre Stimme verweigert.


Michael Steele setzte sich in sechs Abstimmungsrunden gegen den bisherigen Amtsinhaber Mike Duncan und drei weitere Konkurrenten durch. Und das, obwohl Steele von vornherein als Außenseiter galt. Bislang gehörte er nicht einmal dem Parteivorstand der Republikaner an. „Hätte Obama nicht gewonnen,“ sagten viele Delegierte nach der Wahl ganz offen, „hätten wir nie einen Schwarzen gewählt.“


Steeles bisherige Karriere beschränkte sich auf seinen Heimatstaat Maryland. Dort diente der Jurist vier Jahre lang als Vize-Gouverneur. Im Jahr 2006 scheiterte er mit einer Kandidatur für den US-Senat: Der rhetorisch begabte Steele machte vor allem die Ablehnung der Bush-Regierung in der Bevölkerung für seine Niederlage verantwortlich. Das „R“ der Partei habe ihm geschadet „wie ein Brandzeichen auf der Stirn“, sagte Steele, der übrigens von Adoptiveltern erzogen wurde, die beide engagierte Demokraten sind.


Dass er die Partei jetzt umkrempeln will, machte er bereits in seiner Antrittsrede deutlich: Die Republikaner würden wahrgenommen „als eine Partei, die gefühllos ist und sich nicht um Minderheiten kümmert“, rechnete er mit seinen Parteikollegen ab und stimmte sie auf die neue Linie ein: „Wir müssen diese Partei wieder in jeden Winkel, in jede Gemeinde bringen.“ Steele gilt als stramm konservativ und ist als überzeugter Abtreibungsgegner auch für den evangelikalen Parteiflügel akzeptabel. Dass er nun zu den wichtigsten Politikern in den USA gehört, ist übrigens Zufall: Denn ursprünglich wollte Steele Priester werden. Nach drei Jahren Priesterseminar überlegte er es sich jedoch anders.


Dass Steele schwarz ist, spielt er genauso wie Obama herunter. Er sieht sich vielmehr als einen „Republikaner, der zufällig schwarz ist“. Über Obama sagt er: „Es wird eine Ehre sein, mich mit ihm direkt auseinanderzusetzen.“ Dabei strahlt er übers ganze Gesicht und man glaubt es ihm.







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