Datum: 01.08.02 14:18
Kategorie: Diaspora-Afrika

Von: Koura Bagassi

Vom Leben Homosexueller in Burkina Faso

Ouagadougou - Homosexuelle Menschen in Burkina Faso suchen ihren Platz in der Gesellschaft und leben zwischen Heimlichkeit und dem sozialen Ausschluss.Vor vier Jahren erhielten wir von unserem Korrespondenten in Burkina Faso diese Reportage. Die Situation hat sich für Homosexuelle in diesem westafrikanischen Land nicht verbessert. 

An einem Samstag im August 2002. Es ist 23.00, auf der Strasse Kwame N'Krumah, einer der schönsten Strassen Burkina Fasos im Herzen der Hauptstadt Ouagadougou. Ismael, Manager eines lokalen Unternehmens spaziert mit seinem Freund Arm in Arm durch das Viertel. Sie versuchen, die erstaunten Blicke der Passanten zu ignorieren.

Eine Praxis gegen die Moral

"Es ist mir egal, wie die Leute schauen. Das ist mein Privatleben sagt er. Mehr noch, Ismael und sein Freund nutzen diesen Abend, um ihre Homosexualitaet öffentlich zu zeigen. Es sind viele Menschen in den Strassen, die zu einem Festival hier im Stadtzentrum gekommen sind. Sie wissen, dass sie sich zu einem anderen Zeitpunkt oder in einer anderen Gegend der Stadt um vieles diskreter verhalten müssen. "Täglich erleben wir es, dass man uns beschimpft oder sogar bedroht" erzählt Ismael, der auch nicht mehr Einblick geben möchte in sein Privatleben.

Am Tag zuvor hatte die Polizei. zwei Französinnen festgenommen. Sie waren gerade angekommen, um ihren Urlaub in Burkina Faso zu verbringen, und wurden vor ihrem Hotel verhaftet, weil sie einander auf offener Strasse umarmt hatten. Das Gesetz Burkina Fasos verbietet die Homosexualität nicht. Aber die Hochzeit homosexueller Paare ist durch das Familienrecht untersagt. Genauer gesagt, wird Homosexualität in Burkina Faso im speziellen sowie in Afrika überhaupt als "Praxis die gegen die Moral steht", verurteilt.

"In den Augen sehr vieler Afrikaner ist es schlicht verboten, wenn Personen des gleichen Geschlechtes eine intime Beziehung eingehen," erinnert Frederic Ayereoue, Journalist bei der Tageszeitung "Le Pays". Entsprechend schwierig ist es, präzise Daten über die Zahl homosexueller Menschen im Lande zu erhalten. Denn die meisten leben aus Angst vor Marginalisierung und dem Ausschlus aus der Gesellschaft im Verborgenen. Aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, wiegt in Afrika besonders schwer.

"Wenn man verbannt wird aus den sozialen Netzen, dann heißt das, dass man zu nichts mehr nutze ist", unterstreicht der Soziologe Andre Ouedraogo. Für ihn ist der öffentliche Diskurs über Homosexualität bislang "ein rein städtisches Phänomen. In den Dörfern wagt noch niemand darüber laut zu sprechen."

In großen Städten wie Ougadougou sind die Homosexuellen in ihrem öffentlichen Auftreten auf einige Viertel beschränkt, die häufig von Touristen und anderen Menschen aus den Industrieländern frequentiert werden.

Toleranz in der Nähe von Tourismus und Prostitution

In einigen großen Hotels und bestimmen Bars hat sich in den letzten Jahren auch eine Szene homosexueller Prostitution entwickelt. In den 80er Jahren - während der Revolution - ging die Regierung sehr streng gegen Prostitution und Homosexualität vor. Damals verfolgte die Regierung hunderte von Prostituierten und verwies westliche Entwicklungshelfer, die der Homosexualität bezichtigt wurden, des Landes. Mehr als 10 Jahre nach der Rückkehr der Demokratie sind viele immer noch nicht bereit, ein Phänomen zu akzeptieren, von dem sie meinen, dass es den afrikanischen Werten entgegensteht.

"Ich kann das nicht für richtig halten, es ist gegen die Moral." betont die Lehrerin Aline Ouedraogo. "Ich glaube, dass homosexuelle Praktiken gegen den göttlichen Willen sind." Ayereoue, der Journalist, fügt hinzu: "Um nichts in der Welt würde ich einen Homosexuellen in meiner Umgebung akzeptieren."

Aber es gibt auch tolerantere Menschen wie Abdoulaye Tiemtore, Englischlehrer an einem Gymnasium in Ougadougou. "Hätte ich einen homosexuellen Bruder oder Freund, ich würde ihn nie verstoßen. Ich bin gegen das Phänomen der Homosexualität, aber ich werde es trotzdem tolerieren, denn jeder soll sein Leben planen dürfen, wie er es will."

Es wird also noch Jahre dauern, ehe homosexuelle Menschen in Burkina Faso mit der Heimlichkeit Schluss machen können. Traditionelle Wertvorstellungen leiten noch immer die Mentalität der meisten Burkinabé.







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