Kategorie: Diaspora-Afrika

Nairobi (dpa) - Verzweifelt blickt Janet in den Spiegel:Dicke rote Wülste und Blasen übersäen das einst hübsche Gesicht der 19-jährigen Kenianerin. "ich wollte weisse Haut", sagt sie, "und jetzt habe ich gar keine mehr." Der Traum von "Hellsein" endet für viele Afrikanerinnen in düsterer Realität. Um bessere Chancen auf einen Mann zu haben, greifen sie zu Hautbleichmitteln. Doch die giftigen Chemie-Mixturen zerstören nicht nur Haut und Organe, sie können sogar tödlich sein. Immer mehr Länder verbieten die Cremes daher. Importe aus Europa finden aber nach wie vor reissenden Absatz.
"Ich habe mein Gesicht verloren", sagt Janet verschämt. Immer wieder schmierte sie sich Pasten mit verlockende Namen wie "Hell und schön" oder "Prinzessin" ins Gesicht, um so auszusehen, wie die hellen Schönheiten auf der Verpackungen. "Meine Freundinnen überredeten mich", sagt Janet. "ich sah, wie schön ihre Haut wurde und machte es ihnen nach. Erst wurde ich auch heller. Aber nach zwei Wochen bekam ich überall schwarze Flecken. Es brannte fürchterlich."
Viele Junge Frauen wie Janet warten tagtäglich im Wartezimmer der Hautärztin Melanie Miyanji in Aga Khan Krankenhaus der kenianischen Hauptstadt Nairobi. "Sie sind von der Idee eines Schönheitsideals vergiftet worden und vergiften sich dann selbst", sagt die engagierte Gegnerin der Hautbleichmittel. Die Tinkturen und Cremes enthalten in der Regel hochgiftige Substanzen wie Quecksilber oder Hydrochinon, die in Europa längst aus Kosmetika verbannt sind.
Das kann tödlich sein
"Die Chemikalien bremsen die Produktion von Melanin, einem Pigment, das die Haut vor Sonne schützt und gerade in unseren Breitengraden so wichtig ist", sagt die Dermatologin. "Die Haut wird schwach. Adern treten an die Oberfläche, und paradoxerweise dunkelt die Haut dann und wird stellenweise schwärzer als vorher." Durch angegriffenen Blutgefässe und Drüsen gelangen die giftige Substanzen in die Organe. "Das kann tödlich enden, zum Beispiel mit Hautkrebs oder Nierenversagen", weiß die Ärztin.
In vielen afrikanischen Ländern wie zum Beispiel Kenia, Südafrika, Senegal und Kamerun sind derartige Mixturen offiziell verboten. Doch nach wie vor überschwemmen selbstgemischte Wunderpasten oder Importe aus Europa den Markt. "Und das wird solange so bleiben wie das Motto heißt:Hell ist schön."
Miyanji wie auch andere aufgeklärte Afrikanerinnen machen übernommene Fehlinterpretationen aus der Kolonialzeit und der westlichen Welt für die Bleichmanie verantwortlich: "Der weisse Mann wurde seit jeher bevorzugt. Die Leute glauben daher, dass hellere Haut ihnen bessere Jobs und auch bessere Partner garantiert", sagt ihre Kollegin Phillipa Musoke aus einer Klinik in Ugandas Hauptstadt Kampala. "Wenn Frauen andere Frauen mit hellerer Haut in höheren Positionen sehen, dann greifen viele zu Bleichmitteln, um auch eine Chance zu haben", sagt sie.
Höherer Brautpreis
In vielen Ländern von Uganda über Tansania bis Nigeria bleichen junge Frauen ihre Haut, um ihren Brautpreis zu erhöhen. Ergänzend dazu klemmen viele Mütter in Westafrika ihren Babys die Nasen ein, in der Hoffnung, dass sie später schlanker und europäischer aussehen.
Auch der kenianische Werbefachman Sameer Ambegaonkar schwört auf das "50:50-Konzept", wie er jüngst in einem Zeitungsinterview gestand: "Ein Elternteil weiss, der andere Schwarz. Wenn so ein Mädchen eine Bar betritt, recken alle Männer die Hälse nach ihr. Alle Frauen wollen doch so aussehen." Gerade das ist es jedoch, was Hautärztin Miyanji ihren Klientinnen auszureden versucht: "Wenn eine zu mir kommt, weil sie heller werden will, dann sage ich ihr: Du bist schwarz und du bleibst es, denn das ist dein Erbe. Ein schönes Erbe. Black is beautiful."



