Datum: 22.11.08 22:06
Kategorie: Diaspora-Amerika

Von: KURIER ONLINE / Ingrid Steiner-Gashi

Obamas Miss America

Obamas Miss America

Ann Nixon Cooper, 106, wurde vom Wahlsieger als Beispiel für die ständige Weiterentwicklung Amerikas erwähnt. Sie freut sich.

Mit ihren 106 Jahren wird Ann Nixon Cooper bei der Angelobung Barack Obamas zum 44. Präsidenten der USA am 20. Jänner der wohl älteste Gast auf der Ehrentribüne sein. Zu erschöpft, zu müde, zu alt? "Oh, ich werde dort sein", lacht sie fröhlich in die Kameras des CNN -Teams und blickt an ihrem schmalen Körper im Rollstuhl hinab: "Was werde ich bloß anziehen?"

Seit der historischen Wahlnacht, die Barack Obama zum ersten schwarzen Präsidenten der USA kürte, ist Ann die berühmteste 106-Jährige der Welt. Obama machte die schwarze, vielfache Ur-Urgroßmutter in seiner Siegesrede zu einem nationalen Symbol. Anhand ihrer Biografie buchstabierte er Fortschritt und Schande, Aufstieg und Sündenfälle der USA durch. "Sie ist gerade mal eine Generation nach dem Ende der Sklaverei geboren worden", sagte der Wahlsieger. "Zu einer Zeit, wo keine Autos auf den Straßen und keine Flugzeuge am Himmel waren. Als jemand wie sie aus zwei Gründen nicht wählen durfte: Weil sie eine Frau war und wegen ihrer Hautfarbe.

 

Die Angst besiegt

Die Ehefrau eines angesehenen Zahnarztes und Mutter von vier Kindern war 63, als sie zum ersten Mal gewählt hat. Wen, das hat sie vergessen. Viele US-Präsidenten hat sie kommen und gehen sehen, einige hat sie überlebt. Und jetzt ein schwarzer Präsident? "Die Dinge haben sich wirklich geändert, und ich freue mich auf noch mehr Änderungen. Der erste schwarze Präsident hat über die Angst gesiegt", sinniert sie vor sich hin. "Wissen Sie, das ist wirklich etwas, worauf man stolz sein kann." Und dann, nach einem kurzen Seufzer: "Wenn mein Mann das noch hätte erleben können."


Dass Barack Obama, "dieser junge Mann", wie Ann Nixon Cooper ihn zu nennen pflegt, sie in seiner Rede erwähnen würde, hatte sie erst kurz zuvor erfahren. Ganz gegen ihre Gewohnheit war die 106-Jährige am 4. November bis spät nachts aufgeblieben, um zusammen mit Hunderten Millionen TV-Zusehern weltweit zu hören, "von einer Frau, die in Atlanta ihre Stimme abgegeben hat". Nach der Rede schlief sie sofort ein.

Seither belagern Heerscharen von Reportern die Veranda ihres eleganten Bürgerhauses. Passanten wollen vorbeischauen und der neuen Berühmtheit die Hand schütteln.

 

Keine Unbekannte

Aber eine Unbekannte war Ann Nixon Cooper in Atlanta nie. Zusammen mit ihrem Mann war das jung verheiratete Waisenkind aus Tennessee 1920 nach Atlanta gekommen. Das Haus der Coopers war stets ein offenes, für schwarze Künstler, Denker und Bürgerrechtler. "Bei uns war immer etwas los", erinnert sie sich, "und es war immer auch lustig."

Der legendäre Jazzmusiker Nat King Cole zählte etwa zu den ständigen Gästen der umtriebigen Coopers ebenso wie der kleine Martin Luther King, der Sohn von einer von Anns besten Freundinnen, der Lehrerin Alberta Christine Williams King.
"Ich denke an all das, was sie in ihrem Jahrhundert in Amerika gesehen hat", sagte Obama in seiner Rede, "an die Schmerzen und an die Hoffnung. Den Kampf und den Fortschritt, und an die Zeiten, als uns gesagt wurde, dass es nicht geht."

Ann Nixon Cooper war 66, als Martin Luther King erschossen wurde. Da hatte sie schon unzählige Stunden darauf verwendet, freiwillig und ohne Bezahlung schwarze Kinder im Lesen und Schreiben zu fördern, zu helfen, wo immer es von Nöten war, um die unterdrückte schwarze Gemeinde Atlantas zu stärken.

Noch heute erinnert sie sich an die bedrückenden Verhältnisse, als wäre es gestern gewesen. Als sie in einem Bus Platz nahm, wohl zu weit vorne und ein Weißer sie anschnauzte: "Sitzen Sie gefälligst hinten." Und sie antwortete: "Sie und auch sonst keiner wird mich hier herumkommandieren!"

Drei ihrer vier Kinder sind mittlerweile bereits gestorben, einzig ihre 83-jährige Tochter lebt noch. Über die Menge ihrer 14 Enkel sowie zahllosen Urenkel und Ururenkel hat Ann keinen Überblick mehr.

In einem CNN -Interview kurz vor den Wahlen hatte sie in die Kamera gekichert: "Ich hatte bisher keine Zeit zum Sterben. Ich will noch einen schwarzen Präsidenten erleben."

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 Quelle: KURIER ONLINE

 







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