Kategorie: Diaspora-EU

Ceuta und Melilla. Oktober 2005. Als Nachrichtensender Bilder von blutverschmierten Handschuhen, die im Stacheldraht hängen geblieben waren, von jungen Afrikanern, die benommen durch die Wüste stolperten, und - auch das durfte nicht fehlen - von einigen guten Seelen, die in den Auffangzentren Brot verteilten ausgestrahlt wurden, war Corinna Milborn seit Monaten unterwegs. Sie wollte selbst über Migration als komplexes Phänomen in einem Buch berichten.
Daraus entstand ein Werk das sehr spannend zu lesen ist. Milborn schafft es in ihrem Buch "GESTÜRMTE FESTUNG EUROPA. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. DAS SCHWARZBUCH" Migranten in ihrer Herkunftsländer sowie in ihren Wahlheimat (in diesem Fall Europa) zu verstehen. Corinna Milborn ist gereist, viel gereist um das globale Phänomen Migration zu verstehen.
In ihrem Buch treten Menschenschicksale auf, die ein nicht menschliches Gesicht der EU Migrationspolitik schildern. Für Milborn sind nicht nur alle Arten von Politik betreffend MigrantInnen in der EU gescheitert (Integration, Multikulturalismus, Assimilation..) sondern auch die EU Entwicklungspolitik. Für sie schafft die EU Entwicklungshilfe mehr Probleme, als sie löst. Mit Geduld hat Milborn am Feld recherchiert, besonders in den afrikanischen Ländern, die als Migrantenreservoirs für die EU gelten. Aber auch in Frankreich, Spanien, Grossbritanien, Österreich. Auf 280 Seiten in 10 Kapiteln versucht die Autorin deskriptiv und analytisch das Problem Migration in- und ausserhalb der EU zu verstehen. Dieses Buch ist bis jetzt das einzige, das MigrantInnen von Herkunftsland bis ins Aufnahmeland begleitet und zu verstehen versucht. Afrikanet.info hat das Buch gelesen und fasst es in elf Thesen zusammen.
- These 1: Europa braucht MigrantInnen
In ganz Europa gibt es ganze Branchen die ohne illegale Beschäftigung zusammenbrechen würden. Die Agrarwirtschaft, das Gastgewerbe, das Baugewerbe. Nicht zu vergessen wäre auch die Reklame und Zeitungsgewerbe
- These 2: Europa ist ein Einwanderungskontinent und wird es bleiben
Europa ist seit den 50er Jahren ein Einwanderungskontinent (S. 9). 56 Millionen Einwanderer leben in den EU Staaten. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter nimmt in der EU ab und kann nur durch Einwanderung gedeckt werden. Siehe: Grünbuch der EU-Kommission.
- These 3: Europa betrachtet Migration als Sicherheitsgefährdung
Migration wird in Europa nur unter dem Aspekt der Sicherheit betrachtet. Was zu einem Mauerbau an den EU Grenzen führt. Die EU hat eine Reihe von Schutzmassnahmen entwickelt, die vor allem mit Sicherheit zu tun haben. Programme wie ARGO, GALILEO, EURODAC, CIREFI und SIVE u.a. dienen zum Schutz der EU Grenzen....
- These 4: Der EU Arbeitsmark braucht MigrantInnen
MigrantInnen kommen nach Europa, weil sie Arbeit suchen. Besser gesagt weil sie nach Arbeit jagen. Der globale Kapitalismus erzeugt weltweite Armut.
- These 5: Rassismus als Hauptgrund der Ausschliessung
Die Präsenz von MigrantInnen wird in der EU nicht wahrgenommen. Es entsteht Ghettoisierung aufgrund von Ausschlussmechanismen wie institutionellem Rassismus, die einen Nährboden von Krawalle, Islamismus etc ..darstellen.
- These 6: Ausgeschlossene Europäer gefährden die Sicherheit Europas
Krawallen in Frankreich, Terrorismus in den U-bahnen in Grossbritanien sowie Spanien sind nicht Werke von MigrantInnen sondern von EU-Bürgern die seit zwei bis drei Generationen in der EU leben und die ausgeschlossen werden.
- These 7: Alle Modelle der Akzeptanz von MigrantInnen in Europa haben versagt
In der EU haben alle Arten von Politik betreffen MigrantInnen versagt. Multikulturalismus (England), Assimilation (Frankrein) und Integration (Österreich, Deutschland) gelingt es nicht Menschen anderer Herkunft in Europa zu akzeptieren.
- These 8: Migrantinnen in Europa leiden am meisten
Von allen MigrantInnen Gruppen und Subgruppen leiden die Frauen am meisten. Warum? Aufgrund ihres Geschlechtes aber auch oft aufgrund ihrer Hautfarbe.
- These 9: MigrantInnen helfen Herkunfts- sowie Aufnahmeländern
MigrantInnen leisten finanziell, kulturell und gesellschaftlich viel für ihre Herkunftsländer sowie für ihre Aufnahmeländer. Jeder Migrant schafft, indem er aus dem Ausland Geld schickt, vier Arbeitsplätze zu Hause. Wenn er zurückkehrt, fällt die Hälfte davon weg. "Der Migrant in der Fremde ist besser als der Migrant, der zurückkehrt.
- These 10: Die EU Entwicklungspolitik wird nicht zugunsten der Aufnahmeländer konzipiert
- These 11: Immer mehr Menschen aus anderen Kontinenten z.B. aus Asien benutzen Afrika als Einreiseweg nach Europa
----Über das Buch----
Corinna Milborn
GESTÜRMTE FESTUNG EUROPA
Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto
DAS SCHWARZBUCH
Styria 2006
Mit Fotos von Reiner Riedler
ISBN 3-222-13205-4
Euro 19,90.
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