Datum: 23.01.09 09:30
Kategorie: Diaspora-EU

Von: Alev Deniz

Schwarze Türken und die nationale Identität in der Türkei


Die historischen Wurzeln der Schwarzen in der Türkei reichen 300 Jahre zurück. Damals wurden sie als Sklaven für die Tätigkeiten auf Farmen aus dem Sudan, Libyen, Tansania und Äthiopien ins Osmanische Reich deportiert. Laut türkischen Medien (Hürriyet, Focus) lebten vor 15 Jahren noch über 30.000 Schwarze in der Ägais in der Westtürkei, die inzwischen überwiegend nach Libyen ausgewandert sind. Heute leben schätzungsweise noch ca. 5.000 schwarze Türken in den bekanntesten 17 Dörfern in der Ägais. 



Es existieren keine offiziellen Statistiken über die Schwarzen in der Türkei, aber auch wissenschaftliche Studien sind rar. Allgemein lässt sich sagen, dass die schwarzen Türken verarmt sind und keine gute Bildung genießen. Sie werden nur in bestimmten Bereichen wie im Fußball oder Entertainment im öffentlichen Leben wahrgenommen. Die Geschichte der Afro-Türken wird in der türkischen Gesellschaft ausgeblendet.



Wie kommt es dazu? Hier wird die Auffassung vertreten, dass die Herausbildung der türkischen nationalen Identität eine entscheidende Rolle für die heutigen Verhaltensmuster gegenüber Minderheiten bzw. für die gegenwärtige Leugnung und Tabuisierung, insbesondere gegenüber Schwarzen, spielte. Es ist daher unerlässlich, dass ich zuerst näher auf die Besonderheiten des Ursprungs der nationalen Identität und einige damit zusammenhängende Faktoren eingehe. Diese Besonderheiten spiegeln die allgemeine Mentalität und die Ethik wider. Türkischer Nationalismus und türkisches Nationalbewusstsein haben sich historisch erst sehr spät entwickelt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Einfluss des Islam und dem kosmopolitischen Charakter des Osmanischen Reiches zu. 



Die häufige Behauptung, dass die heutigen Schwarzen in der Türkei Türken sind und kein Interesse an ihren afrikanischen Wurzeln hätten bzw. ihre ethnische Herkunft vergessen hätten, lässt sich als ein Mythos der republikanischen Ära verstehen und hängt mit deren Assimilationsideologie und -politik zusammen. Im Gegenteil gibt es viele historische Belege für ein aufrecht erhaltenes ethnisches Bewusstsein und für eine entsprechende Parteilichkeit, die im Osmanischen Reich offensichtlich als ein normales Verhalten und Gefühl gewertet wurde. Gerade Aufkommen der Jungtürken im Militär kann darauf zurück geführt werden. Dieser Mythos steht in ursächlichem und interdependentem Zusammenhang mit der mangelhaften sozialen und regionalen Integration der Minderheiten und den damit verbundenen Legitimationsdefiziten in der Türkei. 



In der meisten wissenschaftlichen Literatur über den Sklavenhandel im Osmanischen Reich spielen die schwarzen Sklaven sekundär eine Rolle. Einer der wesentlichen Aspekte, der in der historischen Diskussion zumeist unterschlagen wird, ist die starke römische Prägung des Osmanischen Reiches (Roma ottomana) bis hinzu konkreten Herrschaftspraxis des Osmanischen Reiches in Südosteuropa. Diese kann auch an der Sklavenhaltung dokumentiert werden. Häufig wird der Unterschied zum transatlantischen Sklavenhandel betont und die Integration in den Haushalten und der gute Umgang mit den Sklaven gegenüber der „grausame“ Behandlung im Westen hervorgehoben. Zweitens existierte im Sklavensystem des Osmanischen Reiches schon eine Trennung nach der „Hautfarbe“ bzw. diese war ein soziales Ausschlusskriterium. Dies kann etwa anhand der Sklaven-Steuer belegt werden: Sera-i zenciye, eine spezielle Steuer, galt nur für schwarze Sklaven. Ambivalent wirkt, dass es bei der Freilassung einen anderen Unterschied gibt: Nach neun Jahren für weisse und sieben Jahren für schwarze Sklaven bestand die Möglichkeit, freigelassen zu werden. 



Bei näherer Betrachtung lässt sich aber vermuten, dass der Grund hier darin liegt, welche Bereiche die schwarzen und die weißen Sklaven –damit auch Zugang zum Macht- zugewiesen bekamen: Öffentliche Sklavenarbeit, Militär bzw. Sklavenbeamtentum oder Harem. Während schwarze Sklaven überwiegend in den Farmen oder Haushalten untergebracht worden sind, waren gerade im Militär und im Harem helle Haut und gute Bildung förderlich. Insbesondere wird im Militär als grosse Wertschätzung für die soziale Integration, dass die Sicherheit des Reiches an die Sklaven anvertraut war, betont. Ausserdem die Freilassung der Sklaven, nach dem islamischen Glauben, war als Tugend definiert und bewirkte lebenslange Loyalität und Dankbarkeit der Befreiten. Andererseits erlangten auch schwarze Eunuchen, die man für so hässlich hielt, dass sie für keine Frau eine Versuchung darstellen konnten, in bestimmten historischen Phasen wichtige Machtpositionen. In den meisten historischen Darstellungen kommen diese Aspekte zu kurz, ebenso wie die Tatsache, dass Sklaven bzw. Personen sklavischen Ursprungs die osmanische Führungselite bildeten. 



Was hat nun die Geschichte der Sklaverei im Osmanischen Reich mit der Nationalstaats- bzw. Identitätsbildung zu tun? Das Osmanische Reich war insgesamt ein militär-bürokratisch organisierter Feudalstaat, der im Zuge der Modernisierungsschübe des 18. bis beginnenden 20. Jahrhunderts westliche Gesellschaftsmuster - einschließlich des Nationalismus und der Nationalstaatsidee - implantierte. Die von oben diktierte Modernisierung konzentrierte sich auf der Sicherung der staatlichen Herrschaft, die sowohl im Osmanischen Reich als auch in der türkischen Republik eine große Rolle gespielt hat. 



Die Auswirkungen dieser „Modernisierung von oben“ sind vielfältig: Erstens führte sie zu einem sozialen Aufstieg der Jungtürken beim Militär –wo überwiegend weiße Sklaven eingezogen wuerden-. Aufgrund seiner späten Entwicklung war der türkische Nationalismus stark von Sozialdarwinismus und Rassenideologien beeinflusst. Die Ideen des „Panturanismus“, die in der Phase der Nationalstaatsbildung zunehmend die Jungtürkische Ideologie prägten, stellten eine Übernahme westlicher Ideologeme dar. Sie folgten den rassistischen Vorstellungen des französischen Historikers Léon Calum und verbanden sich mit dem biologischen Rassismus im 19. Jahrhundert im Osmanischen Reich. Zweitens machte dieser geistige Hintergrund des türkischem Nationalismus, verbunden mit einem dringenden Nachholbedürfnis, diesen Nationalismus aggressiv (Siehe Völkermord an Armeniern). Drittens erzeugte er eine gesellschaftliche Dichotomie, die sozial und regional legitimiert wurde: Elitäre Jungtürken wurden als Modernisten den Antimodernisten gegenübergestellt, die durch die Modernisierungsprozesse einen sozialen Abstieg erlitten hatten. Interessant ist, dass diese soziale Hierarchie in den Bezeichnungen „weiße“ und „schwarze“ Türken nach wie vor ihren Ausdruck findet. Die Mittelschicht in den Kleinstädten, die aus Anatolien in die Vororte der Grosstädte gezogen sind, wird auch "schwarze Türken", also Antimodernisten, genannt (gegenüber den "weissen Türken", d.h. der städtischen Elite).



Viertens ergibt sich, dass vor allem mit Hilfe von Panturanismus (und Panislamismus) ein starker kollektiver Narzismus entwickelt wurde. Infolge dessen gibt es einen noch immer anhaltenden Mangel an Geschichtsbewusstsein in der türkischen Gesellschaft. Eine sensationsbezogene Medienberichterstattung über die Afro-Türken - als Enkelkinder der Sklaven - etwa blendet auch den 300-jährigen Rassismus der schon im osmanischen Reich existierte, aus. Das ist auch der Grund für die immer noch anhaltende gesellschaftliche und ökonomische Marginalisierung der Afro-Türken. Die bisherige historisch-soziologische wie auch die politologische Arbeit zu diesem Thema lässt noch viele Fragen offen. Dieses Papier möchte einen Beitrag zur Spurensuche in der Geschichte leisten.

 

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Textquelle: Universität Mainz/Black European Studies (BEST)

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Kommentare
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Selcuk Erman aus Berlin

Samstag, 14-02-09 00:55

"Zweitens machte dieser geistige Hintergrund des türkischem Nationalismus, verbunden mit einem dringenden Nachholbedürfnis, diesen Nationalismus aggressiv (Siehe Völkermord an Armeniern)."

PLAGIAT! Diese Meinungsäußerung hat die Autorin Alev Deniz nahezu 1 zu 1 von Taner Akcams "Armenien und der Völkermord - Die Istanbuler Prozesse und die türkische Nationalbewegung" abgeschrieben - Taner Akcam, vermutlich armenischstämmiger Ex-Türkei-Bürger aus Ardahan in der Nähe von Armenien, ist ein ehemaliger kommunistischer Rebell gegen den türkischen Staat.

Scheinbar entdeckte Akcam die Armenierdeportation, die 1915 innerhalb der damaligen türkischen Grenzen stattfand, als vielversprechendes Themengebiet, mit dem er es seinem Feindbild Türkei ordentlich geben konnte oder aber mit dem er es einfach nur zu "Ruhm" bringen konnte, als "erster Türke, der den Völkermord an den Armeniern "zugab"".

Akcam hat zwei einfache Bücher zur Thematik geschrieben. Man muss Akcam aber zugute halten, dass er aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Nachweise über eine jungtürkische Genozidabsicht an den Armeniern 1915 in seinen Büchern kein endgültiges Urteil über die Genozidfrage fällt, sondern offen zugibt, dass er einen Genozid lediglich für wahrscheinlich hält.

Im obigen Zitat von Akcam, das von der Autorin Alev Deniz hier plagiiert wurde, haben wir es nicht mit einer wissenschaftlich belegbaren These zu tun sondern mit einer Meinungsäußerung Akcams. Akcam schuldet in seinem Buch "Die Istanbuler Prozesse und die türkische Nationalbewegung" einen Nachweis für seine Meinung, damit sie zu einer These werden könnte: er verweist nicht auf andere wissenschaftliche Arbeiten oder historische Quellen.

Alev Deniz übernimmt den Gedankengang Akcams und so verbreiten sich wissenschaftlich unfundierte Gerüchte über die Türkei. Die Art, wie im Westen die Populärwissenschaft oder der Volks-Journalismus über die Türkei manchmal funktioniert eben durch Abschreiben voneinander, durch Abschreiben von insbesondere die Türkei angreifender Texte - sie funktioniert teilweise in krassem Gegensatz zur authentischen Wissenschaft im Westen über die Türkei-, ist eine Schande. Jetzt scheinen diese Abschreiber auch die Afro-Türken zur Aufhetzung gegen den türkischen Staat entdeckt zu haben. Auch diese Methode wird nichts nützen.

Ich möchte nicht wissen, aus welchen anderen Büchern die Autorin für ihre vermutliche Seminarbeit noch gespickt hat - von ihrem schlechten Deutsch ganz zu schweigen.

 
Ferdi Öztürk aus Paderborn

Montag, 26-01-09 12:56

Helal olsun, türk kardes...

Es stimmt schon, es kommt nicht darauf an ob er eine andere Hautfarbe als ich hat.

Er ist und bleibt trotzdem Türke und wird von mir auch deshalb nicht mit anderen Augen gesehen.

So viele Türken und türkischstämmige auf dieser Erde - alle verbindet der Glaube und die Sehnsucht nach ihrer Herkunft.

Türke sein hieß schon immer ehrenvoll zu sein.
Und das haben wir schon vor den Amis erfunden: Wer Türke sein will, der kann auch Türke werden.

Ne mutlu Türküm diyene.

Kara kardesim, ich bin total neugierig auf Dich... lass mal von dir hören foerdigmailcom

 
Resul Öztürk aus München

Samstag, 24-01-09 09:54

Sie Schreiben "300 jährigen Rassismus der schon im osmanischen Reich existierte" und (Siehe Völkermord an Armeniern),
Wenn damals bei Osmanischen Reich Völkermord und Rassismus getrieben wurde, warum haben die viele Verschiede Völker hunderte Jahre lang unter Osmanische herschafft friedlich zusammen gelebt und danach haben alle Ihren eigenen Statt gegründet?
Wenn dies so wäre wie Sie hier Schildern dann sollten heute viele Länder in Afrika, Nahenosten und auf dem Balkan nicht existieren.

 
schwarzer austürkei aus berlin

Freitag, 23-01-09 21:30

Vollkommener UNSINN,

ich bin ein farbiger Türke!

Die Farbigen wurden wie Sie schon beschrieben haben versklavt allerdings nur von den EUROPÄERN und NICHT von den Türken!!!

Wir farbigen, wurden weder in das Osmanische Reich deportiert noch wurden Farbige im türkischen Reich jemals versklavt im Gegenteil, viele farbige, so auch meine Vorfahren hatten die Möglichkeit sich im Osmanischen Reich sowie in der Türkischen Republik frei zu bewegen, frei ihren Glauben auszuleben, sich zu bilden, zu arbeiten und auch zu handeln!!! Wir hatten sozusagen eine sehr gute Zukunftsperspektive!!! Dazu wurden wir farbigen nie ausgegrenzt im Gegenteil, wir wurden als Menschen herzlich aufgenommen und konnten uns problemlos integrieren! Das ist auch der Grund, warum farbige seit mehr als 300 Jahren! In der Türkei leben und sogar teilweise eigene Ländereien besitzen!

Das was sie schildern, ist vollkommener Unsinn und bleibt nach wie vor den EUROPÄERN vorbehalten!!!

Grüße von einem SCHWARZEN, dessen Vorfahren seit 460 Jahren vollkommen zufrieden in Anatolien leben konnten!!!

 
 
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