Datum: 30.01.09 20:47
Kategorie: Diaspora-Afrika

Von: Süddeutsche Zeitung

Dr. Denis Mukwege ist Afrikaner des Jahres 2008

Dr. Denis Mukwege

Denis Mukwege Frauenarzt im Kongo und Afrikaner des Jahres

Er hätte in Frankreich bleiben können, wo er studiert hat. Als Gynäkologe konnte Denis Mukwege (Bild) dort ein gutes Gehalt erwarten, und seine Familie wäre in Sicherheit gewesen - weit weg von diesem furchtbaren Krieg. Aber er ist zurückgekehrt. "Im Ostkongo ist mein Platz", sagt der Arzt. Dort ist er groß geworden, dort wird er gebraucht.

In Bukavu, am Ufer des malerischen Kivusees, hat Chefarzt Mukwege das Panzi-Hospital aufgebaut. Tausende Opfer sexueller Gewalt haben in der Spezialklinik schon Zuflucht und medizinische Hilfe gefunden. 300 Frauen und Kinder kommen jeden Monat hierher, vielen von ihnen hat Mukwege mit seinem Ärzteteam das Leben gerettet. Sie alle sind im Krieg vergewaltigt oder verstümmelt worden, oft haben sie lebensgefährliche Verletzungen erlitten. "Vergewaltigung ist eine Strategie des Krieges", sagt der Frauenarzt, "Sex wird als Waffe eingesetzt." Alle bewaffneten Gruppen tun dies im Kongo. Und niemand stoppt oder bestraft die Täter.

Doch mitten in diesem Krieg gibt es stille Helden wie Denis Mukwege, die jeden Tag an ihre Grenzen gehen. Für seinen Einsatz wird der kongolesische Mediziner nun mit zwei Preisen geehrt, in Schweden wird er Ende des Monats den Olof-Palme-Preis entgegennehmen. Und die nigerianische Zeitung Daily Trust hat ihn gerade zum "Afrikaner des Jahres" ernannt. Das Schicksal der geschundenen Frauen im Kongo rückt damit wieder in den Blickpunkt - doch ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Der Ostkongo ist noch immer ein gesetzloses Gebiet, das keinen Frieden findet. Die genauen Opfer-Zahlen kennt niemand. Doch es ist zu vermuten, dass schon mehr als 100 000 Mädchen und Frauen seit Beginn der Kämpfe vergewaltigt wurden. Manche der Opfer waren nur wenige Monate alt.

Wenn der 53-jährige Mukwege nach einem langen Arbeitstag auf seinem Stuhl zusammensackt, kann man die Anstrengung in seinem Gesicht lesen - und auch die Verzweiflung, die ihn immer wieder packt. "Jemand muss diesen Wahnsinn doch einmal stoppen", beschwor er schon vor zwei Jahren die Weltgemeinschaft. Doch die Staaten haben bislang keine Mittel gefunden, um die Bevölkerung vor den Milizen zu schützen.

Jede dritte Frau, die Mukwege behandelt, muss operiert werden, manche mehrmals. Viele sind noch Kinder. Verletzungen durch Messer und Eisenstangen muss er behandeln, auch Schusswunden. "Das alles übersteigt die Vorstellungskraft", sagt Mukwege, der selbst vier Töchter hat und sich jeden Abend sorgt, ob sie heil nach Hause kommen. Schon als Kind war er oft mit seinem Vater ins Hospital gegangen. Der Vater war Priester und betete am Bett für die Patienten. Der Junge spürte bald, dass er mehr tun wollte als beten. Er wollte helfen und heilen. Deshalb wurde er Arzt.

Aber wie lange kann das einer aushalten im Kongo? Manchmal muss Mukwege weinen, wenn er alleine im Büro sitzt. Dann überfällt ihn das Gefühl, dass er morgen packen und gehen müsse. In solchen Momenten ruft er schnell seine Töchter an, um ihre Stimmen zu hören. Das, sagt er, gebe ihm die Kraft weiterzumachen. Arne Perras

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Über Dr. Denis Mukwege


    * Geboren 1. März 1955
    * 3. von neuen Kindern
    * Vater ist pensionierter Pastor einer Pfingstkirchen in Bukavu.
    * Verheirated mit Kaboyi Mapendo Madeleine und Vater von fünf Kindern  (Alain, Patricia, Sylvie, Lisa, Denise).







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