Datum: 25.04.09 23:07
Kategorie: Diaspora-Afrika

Von: Deutsches Ärzteblatt/Annette Tuffs

Der Südafrikaner Hamilton Naki ist der Vater der Herztransplantation

Hamilton Naki, (c)hidden-heart.com

Dokumentarfilm „Hidden Heart“: Die wahre Geschichte der ersten Herztransplantation

Späte Anerkennung von Hamilton Naki neben Christiaan Barnard

Am 3. Dezember 1967 schrieb der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard in Kapstadt Medizingeschichte: Er transplantierte dem 55-jährigen Louis Washkansky erstmals ein Spenderherz. Jahrzehntelang, bis zu seinem Tod 2001, wurde der ambitionierte Chirurg und Lebemann für seine revolutionäre Operation in aller Welt gefeiert. 

Die Herztransplantation ist inzwischen zur Routine geworden; in die Beurteilung der historischen Ereignisse ist mehr Nüchternheit und Realitätsbezug eingekehrt. So werden heute Barnards US-amerikanische Kollegen, allen voran Norman Shumway, oft in einem Atemzug genannt, da sie die wichtigsten Vorarbeiten geleistet hatten und im Rennen um die erste Herztransplantation quasi von rechts überholt worden waren.

Doch 2003 wurden erstmals Fakten bekannt, in deren Licht die Geschichte der ersten Herztransplantation ganz neu geschrieben werden muss: Der schwarze Südafrikaner Hamilton Naki, als Gärtner und Mitarbeiter im Tierlabor des Groote-Schuur-Hospitals in Kapstadt be-schäftigt, war nicht nur an der ersten Herztransplantation maßgeblich beteiligt, sondern hatte jahrzehntelang Chirurgen ausgebildet, die aus aller Welt zur Ausbildung nach Kapstadt gepilgert waren. Wie konnte dies so lange verborgen bleiben?

Der spannende Dokumentarfilm „Hidden Heart“, der am 23. Oktober 2008 auch in deutschen Kinos zu sehen war, gab eine eindeutige Antwort: Die verbrecherische Rassentrennung, die Apartheid, hat dem einen zu Weltruhm verholfen und dem anderen den verdienten Ruhm vorenthalten. Der Film gibt ausführlich Auskunft über die beiden Männer, die gemeinsam, aber mit so unterschiedlicher Rollenverteilung, Kapstadt zu medizinischem Weltruhm geführt haben. Zwischen historischen Bildern und nachgestellten Einblendungen kommen Verwand-te und Freunde, Zeitzeugen von Barnard und Naki zu Wort.

So wird der Lebensweg des jungen Barnards nachgezeichnet, der sich aus ärmlichen, religiös geprägten Verhältnissen zum vielversprechenden Chirurgen emporarbeiten kann. Dem begabten Landjungen Naki dagegen bleibt eine Ausbildung verwehrt. Er geht nach Kapstadt, wo er zunächst als Klinikgärtner Geld für seine Familie verdienen kann. Schnell werden seine Geschicklichkeit und sein rasches Lernvermögen erkannt, und er übernimmt die Leitung der Tierversuche für die chirurgische Klinik. In den Operationssaal des Krankenhauses und in die Nähe der weißen Patienten darf er freilich nicht.

Hat er dennoch an der ersten Herztransplantation teilgenommen, wird er in einem Fernsehinterview gefragt? Ja, er habe teilgenommen, sagte er, denn er habe alle Ärzte trainiert, die schließlich das Herz des Spenders entnommen hätten. Seine tragende Rolle im Herztransplantationsprogramm, später als ausführender Arm seines Chefs Barnard, der wegen seines Rheumas nicht mehr operieren konnte, wird von allen bestätigt, seiner Familie und seinem engsten Freund, einer Herzchirurgin und schließlich von Barnard selbst, der sich kurz vor seinem Tod freimütig dazu geäußert hat. Naki wird kurz vor seinem Tod 2005 vom südafrikanischen Staat offiziell ausgezeichnet und erhält die Ehrendoktorwürde der Universität Kapstadt. Noch eine späte Genugtuung: Seine Tochter arbeitet als Radiologin am Groote-Schuur-Hospital. 2005 stirbt er im Alter von 79 Jahren. 

Die Einstellung Barnards gegenüber der Apartheid ist ambivalent. „Wir sind Chirurgen und sehen das Innere des Menschen; das ist bei allen gleich“, sagt er in den Siebzigerjahren öffentlich, und doch ist nicht er es, der nach der Abschaffung der Apartheid Hamilton Naki zur verdienten Anerkennung verhilft. Zu sehr ist er dem System verpflichtet, das ihn als unbelasteten Botschafter für seine Reisen in alle Welt bezahlt, zu sehr ist er mit dem Verblassen seines eigenen Ruhms und den Niederlagen im Privatleben beschäftigt. Barnard stirbt 2001 vereinsamt. Der Film ist ein erschütterndes Zeitzeugnis über zwei sehr unterschiedliche Menschen in einem erbarmungslosen politischen System. 

----------

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

-----------

 







Kommentare

Keine Einträge

Kommentarformular

öster News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz
21. Mai
2019mehr
Dienstag

Suchen & Finden



Letzte Kommentare

Keine Einträge

designed and implemented by BILCOM