Datum: 09.02.10 12:16
Kategorie: Diaspora-Afrika, Welt

Von: Mathias Ntep

Vor 20 Jahren wurde Nelson Mandela befreit - Erinnerungen, Teil 2 - Mathias Ntep

Der Freilassungstag des angesehenen Anführers des Rassentrennungskampfes und ersten schwarzen Staatspräsidenten Südafrikas Nelson Mandela jährt sich an diesem 11. Februar 2010 zum 20. Mal.  Denn am 11. Februar 1990 wurde der „Unbezähmbare“ nach 27 Jahren Zuchthaus in die Freiheit entlassen. 

Als Mandela mit erhobener geballter Faust und in Begleitung von seiner damaligen Frau Winnie Mandela aus dem Gefängnis herauskam, begriff der Mensch auf der Straße in Afrika, dass dem Apartheid-Regime das Totengeläut geschlagen hatte und eine neue südafrikanische Gesellschaft aus den Ruinen entstehen würde. Der Feldzug der südafrikanischen Rassentrennungsgegner überall auf der Welt hatte sich gelohnt. 

Ich kann mich einigermaßen an den „Verein“ von manchen afrikanischen Studenten in Europa mit einem gewissen Onambele aus Kamerun als Leiter; diese Bewegung hatte Frederik Willem de Klerk einem Brief geschrieben und denselben darin gebeten, Nelson Mandela freizulassen, wollte der Nachfolger Bothas, welcher 1989 abdanken musste,  den „Mann des 20. Jahrhunderts“ werden. Daher darf die Rolle Frederik Willem de Klerks im Zusammenhang mit der Abschaffung des Apartheid-Regimes in Südafrika nie verharmlost werden.  

Die Apartheid-Politik ( auch als Rassentrennungspolitik bezeichnet), die von Daniel François Malan  offiziell 1948 institutionalisiert wurde, höhlte Frederik Willem de Klerk 1990 aus -- wiewohl die beiden derselben „Nationalen Partei“ angehörten.  Im Jahre 1994 wurde die Apartheid-Politik gänzlich abgeschafft.  

Als die Kunde hinsichtlich dieser Freilassung ruchbar wurde, verbreitete sie sich wie ein Lauffeuer und stand im Nu im Mittelpunkt des Klatsches – auch im Mittelafrika, insbesondere am  Golf von Guinea, wo ich damals das Gymnasium besuchte. Später im Sommer oder während der Trockenzeit desselben Jahres, d.h. des Jahres 1990, lernte ich eine weiße Familie kennen, deren Haupt sich gelegentlich in Südafrika aufhielt und arbeitete. Der Mann eröffnete mir einmal bei einem Plausch, dass manche Aspekte der Rassentrennungspolitik in Südafrika nach seinem Dafürhalten nicht verwerflich gewesen waren, zumal da die Kultur der weißen Südafrikaner von der Lebensweise der schwarzen Südafrikaner gewissermaßen abwich. 

Nur hatte Pieter Willem Botha, der Vorgänger Frederik Willem de Klerks, keine rassistischen, kulturellen und ideologischen Bedenken, mit manchen Schwarzen Schwarzafrikas wie Mobutu aus Zaire – der heutigen Demokratischen Republik Kongo  -- und Felix Houphouët Boigny der Elfenbeinküste umzugehen. Auch der hypothetische Beweggrund, dass sich die Zusammenarbeit der drei gegen die Ausdehnung des Kommunismus in Afrika richtete, kann letztlich nicht stichhalten, da ihre Auffassung des kommunistischen Feindes eher schwammig war. Dieses Kooperationsblendwerk hielten viele Beobachter damals eher als eine Absonderlichkeit. 

Zwar bewirkte Mobutu die Lockerung der Lebensbedingungen Mandelas in der Haftanstalt, aber die obigen Staatspräsidenten Zaires und der Elfenbeinküste handelten den zu der Zeit geltenden Sanktionen gegen das Apartheid-Regime zuwider. Deswegen erachten manche, dass Mobutu und Houphouët-Boigny weniger als Frederik de Klerk an der Demontage des Unrechtsregimes der Rassentrennung mitwirkten.  
 

Als ich als Gymnasiast und Halbwüchsiger „Cry, The Beloved Country“ von Alan Paton freiwillig, persönlich und privat  im zweiten Jahrfünft der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts las, wurde ich von der sachlichen Erzählweise des südafrikanischen Schriftstellers frappiert.  Patons Roman erschien im Jahre 1948, kurz vor der Einführung des Apartheid-Regimes. Patons Erzählung stellt die Verschiedenheit der Lebensweisen, die zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika vor der Institutionalisierung der Apartheid-Politik später im  selben Jahr 1948 bestand, dar, was auch zu Konflikten führte.  

Paton schildert eine Gesellschaft, in der sich Weiße von Schwarzen bedroht fühlen und Schwarze den Zerfall ihrer überlieferten Lebensweise erleben, was die letzteren zur Landflucht und zu einer bestimmten Orientierungslosigkeit in der Metropole Johannesburg treibt.  

Die „letzten“ Äußerungen des Zulu-Häuptlings und Kriegers Chaka kamen in den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts dann und wann zur Sprache – auch im Geschichtsunterricht. Manche Lehrer erklärten, dass der Zulu-Krieger den Henkern, die ihn zu ermorden planten, mitgeteilt hatte, der weiße Mann würde die Einheimischen Südafrikas nach dieser Ermordung bezwingen und knechten. Die Eroberung Südafrikas durch europäische Siedler und die Einführung der Apartheid-Politik wurden als Verwirklichung der Voraussage Chakas gedeutet.  

Unterm Strich können interkulturelle Missverständnisse und Hindernisse in einer multikulturellen Gesellschaft nur durch die Bemühung jedes Beteiligten, sich in die Lage des Nächsten oder des Mitmenschen zu versetzen, überwunden bzw. bewältigt werden.

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Teil 1 - Simon INOU







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