Datum: 27.10.10 10:36
Kategorie: Kolumnen, Diaspora-EU

Von: Prof. Dr. Louis Henri Seukwa

Louis Henri Seukwa: Partnerschaft mit Afrika auf Augenhöhe

Prof. Louis Henri Seukwa

„Voraussetzungen für eine nachhaltige Partnerschaft auf Augenhöhe“

Von Prof. Dr. Louis Henri Seukwa. Fakultät Wirtschaft und Soziales der HAW- Hamburg

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Im Rahmen der Veranstaltung  „Afrika – Nachhaltige Partnerschaft auf Augenhöhe? Anforderungen an Wirtschaft und Politik“ am 3. November 2009 hielt Prof.Dr. Louis Henri Seukwa diese Inputsrede, die wir hier zur ganze publizieren. Prof. Seukwa denkt die EU Partnerschaft mit Afrika um und wirft neue Wege für einen kritischen und respektvollen Umgang in Beziehungen zwischen Europäern und Afrikanern sowie zwischen die EU und Afrika. 

Die Redaktion von Afrikanet.info

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wurde gebeten in maximal 10 Min. die Voraussetzungen für eine nachhaltige Partnerschaft auf Augenhöhe zu erörtern.  Da Gegenstand und Form einer Partnerschaft vielfältig sind (wie Liebesbeziehungen, Wirtschaftsbeziehungen, etc…), werde ich mich hier vom Titel der Veranstaltung ausgehend ausschließlich mit den Voraussetzungen für eine nachhaltige Partnerschaft auf Augenhöhe bezogen auf den hier postulierten Partner „Afrika“ beschränken. 

Dabei möchte ich den Begriff Partnerschaft als zentrale Kategorie des Titels ernst nehmen um mich an die Aufgabe heranzutasten. 

  1.  Was ist eine Partnerschaft? 

Eine Partnerschaft kann im weiteren Sinne als eine gleichwertige Gemeinschaft von Menschen oder auch Gruppen -seien sie politischer, sozialer, ökonomischer, oder religiöser Natur - verstanden werden,  die sich zur Vertretung gemeinsamer-  oder eigener Interessen freiwillig zusammenschließen.

Ausgehend von dieser Definition können wir zwei Hauptcharakteristika der Partnerschaft erkennen die zugleich als notwendige Voraussetzungen für eine Partnerschaft gelten nämlich:  

  1.  Die Freiwilligkeit d.h. Autonomie in der Entscheidung eine Partnerschaft einzugehen oder nicht 
  2.  Die Gleichwertigkeit der involvierten Partner d.h. die symmetrische also gegenseitige Wertschätzung basierend auf der Qualität und Quantität des Beitrags des jeweiligen Partners, um aus der Partnerschaft einen Mehrwert zu erzielen, der von dem einzelnen Partner getrennt, nicht oder nur schwer erreicht werden kann. 

Diese Charakteristika der Partnerschaft weisen darauf hin, dass eine Partnerschaft per Definition also grundsätzlich immer auf Augenhöhe stattfindet, denn sie ist ein Zweckbündnis um Schwäche durch ein gegenseitiges geben und nehmen zu kompensieren sowie Stärke zu optimieren, was die Erkennung und Anerkennung solcher Schwäche und Stärke bei jedem der involvierten Partner voraussetzt. 

1) Verräterische  oder programmatische Tautologie ?

 Von diesem Standpunkt aus  ist die Formulierung „Partnerschaft auf Augenhöhe“ im Titel der Veranstaltung tautologisch d.h. eine überflüssige Wiederholung. Diese Wiederholung scheint mir jedoch  in einem Zusammenhang, in dem es um die Partnerschaft zwischen Deutschland und „Afrika“ geht, bedeutungsvoll zu sein. Anders formuliert, ist die Wiederholung hier ein Indiz dafür, dass es  zwischen beiden Protagonisten Partnerschaften gab und gibt, die nicht auf Augenhöhe stattfinden. Der Titel der Veranstaltung ist in dieser Hinsicht verräterisch; die Wiederholung „Partnerschaft auf Augenhöhe“ kann hier aber auch als programmatisch betrachtet werden; nämlich als ein Wunsch künftig partnerschaftlich mit “Afrika“ umzugehen.  Wie man auch die Tautologie „Partnerschaft auf Augenhöhe“ im Titel der Veranstaltung interpretiert, als verräterisch oder als programmatisch, gilt in jedem Fall festzuhalten, dass bezogen auf „Afrika“ eine Partnerschaft mit Deutschland heutzutage im besten Fall eine Wunschvorstellung ist.  

2) Das Problem

Warum ist nun eine Partnerschaft, wie eben definiert zwischen Deutschland und „Afrika“ schwer vorstellbar? 

  1.  Aufgrund einer problematischen begrifflichen Homogenisierung Afrikas mit praktischen Folgen.

 Afrika geographisch politisch, soziologisch und kulturell betrachtet ist ein immenser, vielfältiger und komplexer Kontinent. „Afrika“ wird jedoch in unserem Sprachgebrauch pauschal, homogenisiert verwendet; was nicht nur ein Ausdruck von Ignoranz ist sondern vielmehr ein hegemonialer Anspruch, besser eine Missachtung vor dem Hintergrund einer Geschichte, nämlich der Kolonialgeschichte. Denn von Kairo bis Kapstadt, von der Kalahari Wüste bis zum äquatorialen Regenwald, was „Afrika“ gemeinsam ist, ist seine Kolonisierbarkeit. Afrika bildet in dieser Hinsicht eine Schicksalsgemeinschaft von Besiegten und Verlierern in einer entscheidenden historischen Begegnung mit den Europäern. Diese Tatsache ermöglicht und befugt heute noch den Siegern den  Besiegten unter den Allgemeinbegriff „Afrika“ zu subsumieren und mit ihm entsprechend umzugehen; d.h. je nach Interesselage mit mehr oder weniger demonstrativer Arroganz und Missachtung oder mit Paternalismus, Gnade und Helferattitüde des Siegers. 

  1.  Die postkoloniale Gouvernementalität: Wenn wir jetzt vor diesem Hintergrund unseren Blick nach Afrika wenden dann ist festzustellen, dass wir dort politisch, ökonomisch und strukturell in den meisten Ländern mit postkolonialen Verhältnissen zu tun haben. Dies sind Verhältnisse, die knapp formuliert durch eine chaotische Pluralität und nahezu anomische Zustände gekennzeichnet, und so für keine der schon erwähnten notwendigen Bedingungen für eine Partnerschaft günstig sind; denn weder die Bedingungen für Bürgerfreiheit und gesellschaftliche Partizipation, noch die Grundlage für eine Autonomie im Sinne von politischen, ökonomischen und kulturell selbständigen Staaten, die etwas Wertvolles und Begehrbares in einer Partnerschaft anbieten können, werden dadurch gefördert. 

3) Was bleibt?

Was bleibt sind asymmetrische Beziehungen, in der Gestalt eines merkwürdigen und moralisch verwerflichen Arrangements zwischen den europäischen Siegern und den afrikanischen postkolonialen Potentaten mit Segnung der internationalen Organisationen, wobei Partnerschaft mit der sog. „Entwicklungshilfe“ implizit oder explizit gleichgesetzt wird. 

Diese Gleichsetzung ist eine begriffliche Täuschung mit verheerenden praktischen Folgen für die arme Bevölkerung in vielen Afrikanischen  Ländern, deren  Verarmung  und strukturelle Abhängigkeit dadurch vorangetrieben wird. 

Die Gewinner sind -wie die circa 50-jährige Geschichte solcher  „Entwicklungspartnerschaften“ mit Afrika uns zeigt-, die postkolonialen afrikanischen Potentaten und die europäischen Partner. Die Talmi- Tyrannen Afrikas können sich dadurch ihrer Verpflichtung, endogene Lösungen zum Wohl der eigenen Bevölkerung zu finden, entziehen und ihre Staaten somit zu Bettlerstaaten verwandeln. Im gleichen Zug sichern die Afrikanischen Machthaber dem Europäischen Partner - sei dieser in Gestalt von klassischen Entwicklungshilfeorganisationen, der Politik oder Wirtschaftskonzernen  - unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit den Zugang zu wichtigen natürlichen und strategischen Ressourcen in ihren Ländern  und erkaufen sich dadurch auch mächtige Verbündete, die fortan zur Sicherung der eigenen Wirtschaftsinteressen großes Interesse am Machterhalt  der Afrikanischen Interessensvertreter haben.   

Die Geschichte lehrt uns, dass es in den internationalen Beziehungen nicht um Hilfe, Philanthropie und ähnliches geht sondern um eigene Interessen, die die Mächtigsten bekanntlich rücksichtslos zu vertreten vermögen.  In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welches Interesse Europa an einer Partnerschaft auf Augenhöhe, als Instrument zur Beendigung des Elends in Afrika haben kann?  Allein die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsperspektive scheint mir ein realistischer Ausweg aus der Logik des Egoismus einzelner mächtiger Staaten oder Staatsgemeinschaften zu bieten. Denn viele lokal auftretende Probleme wie Flüchtlingsströmungen, Klimawandel, Terrorismus etc. sind global verursacht und ihre nachhaltige Bewältigung auch nur global möglich.  Mit anderen Worten sitzt die Menschheit in einem Boot auf stürmischer See. Die Mächtigen mögen sich zurzeit noch sicher fühlen, weil sie sich auf der Brücke aufhalten, sinkt das Schiff, sind jedoch alle gleichermaßen verloren. Das Nachhaltigkeitsgebot lautet also: Wir werden gemeinsam als Partner die globalen Probleme bewältigen oder egoistisch individuell sterben.

Danke für das Zuhören

 







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