Datum: 14.02.12 11:41
Kategorie: Deutschland-Gesellschaft, Diaspora-Afrika

Von: Dr. Pierrette Herzberger-Fofana

6. Februar: Internationaler Tag für null Toleranz für weibliche Exzision

Auf Initiative des Inter-Afrikanischen Komitees: Comité inter-Africain/Inter African Committee (CI-AF/IAC) proklamierte die UNO den 6. Februar als Aktionstag „Null Toleranz gegenüber weiblicher Beschneidung oder Genitalverstümmelung" (FGM/MGF: Femal Genital Mutlilation/Mutilations Genitales Féminines.)

Weibliche Beschneidung ist aber nicht nur ein Problem ferner Ländern, sondern auch in Europa werden Mädchen ohne medizinische Indikation beschnitten oder an ihren Genitalien verstümmelt, so wie wir es in Deutschland  auch vermuten. Viele Migrantinnen  aus der sub-Sahara halten dennoch an den heimatlichen Riten einer Genitalverstümmelung fest.

Daher begrüßt FORWARD-Germany den gemeinsamen Schritt aller afrikanischen Länder beim letzten OAU Gipfel im Sommer 2011. Die Staatschefs verabschiedeten eine  Charta anlässlich der alljährlichen  Konferenz der Afrikanischen Union in Malabo in Äquatorialguinea. Diese Charta erkennt ausdrücklich die FGM als Menschenrechtsverletzung an  und spricht sich für ein generelles Verbot in allen afrikanischen Ländern aus.

Bis heute haben 20 von den 28 betroffenen afrikanischen Ländern, Gesetze verabschiedet, um diesen traditionellen Brauch abzuschaffen. Das Gesetz bedeutet nicht eine sofortige Mentalitätsanderung der lokalen Bevölkerung  aber es wird die Arbeit der engagierten Aktivistinnen wesentlich erleichtern.

 Wenn in den letzten beiden Jahren Fortschritte in der Präventionsarbeit erzielt wurden, dürfen wir nicht verkennen, dass der Weg noch lang ist,  bis alle betroffenen Volksgruppen in Afrika, Asien (Indonesien) und in den arabischen Ländern wie Jemen, Südirak  und MigrantInnen in der Diaspora auf dieses Ritual freiwillig verzichten. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die letzte Gesprächsrunde im Auswärtigen Amt sowie die Fachsitzung im  Januar dieses Jahres in Mainz im Justizministerium- an der wir teilgenommen haben, Hoffnungsschimmer erwecken. Die Bundesregierung beabsichtigt sich verstärkt in den afrikanischen Ländern zu engagieren, um alle dortigen Kräfte bei ihren Bemühungen tatkräftig zu unterstützen. Aber die Mädchen aus Einwandererfamilien in Deutschland haben auch das Recht unversehrt aufzuwachsen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie Opfer einer solchen Menschenrechtsverletzung hierzulande oder während des heimatlichen Urlaubs Opfer infolge einer tradierten Sitte werden, ohne ihnen den nötigen Schutz zu gewähren. Daher ist es unabdingbar, hierzulande eine feste gesetzliche Regelung zu treffen.  Die Bundesregierung scheint sich langsam Richtung eines eigenständigen Gesetzes für die bedrohten Mädchen und Frauen  zu bewegen. In Deutschland ist die FGM/MGF nach dem Zuwanderungsgesetz strafbar.
Auch wenn die FGM/MGF lange Zeit in den meisten afrikanischen Ländern als positive soziale Norm angesehen wurde, ist es heutzutage wissenschaftlich erwiesen, dass dieser gesundheitsgefährdende Brauch schlicht schlimme Folgen hat und sogar schwere körperliche und seelische Schäden mit sich bringt.
Im Sinne einer völligen Integration der Mädchen und Frauen, die in Deutschland leben, fordern wir die Bundesregierung auf  - im Einklang mit dem deutschen Netzwerk „Integra  Deutsches Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung“- einen Nationalen Aktionsplan zu verabschieden, wie  er in den anderen europäischen  Ländern wie z.B. Frankreich bereits seit Jahren  existiert und angewandt wird. Ferner fordern wir die Umsetzung des Bundestagbeschlusses (BT16/9420, S.6) sowie Maßnahmen, die die Präventionsarbeit zum Schutz gefährdeter Mädchen gewährleisten. Darüber hinaus plädieren wir für eine angemessene Sensibilisierung der Bevölkerung, bundesweite Beratungsstellen möglichst in den jeweiligen Muttersprachen, um nachhaltige Erfolge zu erzielen, die Fortbildung  von Fachkräften und die Erhebung von wissenschaftlichen fundierten  Daten. Der rote Stift darf hier nicht angesetzt werden, wenn es um die Gesundheit von tausenden von  Bürgerinnen unseres Landes geht.  
Wir, von FORWARD-Germany, unterstützen alle  Menschen  auf der ganzen Welt, die mit Respekt vor anderen Kulturen zur Abschaffung der FGM beitragen. Wir  wollen gemeinsam dass, das Jahr 2015 das Ende der Genitalverstümmlung  (FGM/MGF)  auf der ganzen Welt markiert.  

                        Dr. Pierrette Herzberger-Fofana
                        Stadträtin.2.Vorsitzende von FORWARD-Germany                         e.V.
                                                            www.forward-germany.de
                         Pierrette.Herzberger-Fofana@sz.uni-erlangen.de                                         drpherzbergerfofana@hotmail


*OAU/OUA : Organisation der Afrikanischen Union-Organisation de l’Union Africaine Union ist ein Zusammenschluss von anfangs 53 afrikanischen Staaten  und entspricht etwa der europäischen Union
Quelle
Pierrette Herzberger-Fofana« Internationaler Tag „Null Toleranz gegenüber Genitalverstümmelung»7.2.2010http://www.afrikanet.info/menu/diaspora/datum/2010/02/27/internationaler-tag-null-toleranz-gegenueber-genitalverstuemmelung/?type=98&cHash=0342585208
Dr. Pierrette Herzberger-Fofana erhält den «Helene Weber »Preis.Berlin 5.5.2009
 http://www.afrikanet.info/menu/news/datum/2009/05/08/berlin-dr-pierrette-herzberger-fofana-erhaelt-auszeichnung/

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Dr. Pierrette Herzberger-Fofana, berichtet von ihrer Arbeit über ein Jahrtausende altes Ritual. Sie ist Stadträtin in Erlangen, Gymnasiallehrerin für französisch  und die  2. Vorsitzende des Vereins FORWARD-Germany e.V. Aktion gegen ritualisierte Gewalt. Dieser Verein wurde  1998 von internationalen Menschenrechtsaktivistinenn in Frankfurt am Main gegründet.







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