Datum: 03.12.09 16:18
Kategorie: Frauen-Aktiv, Österreich-Gesellschaft

Von: simon INOU/Weltnachrichten 4.2009

Beatrice Achaleke: "Diversity ist mehr als Anpassung"

Béatrice Achaleke - (c)WDLS

Der renommierte World Diversity Innovation Award ging heuer an Béatrice Achaleke. Ihr Black European Women’s Council vertritt die Stimmen einer aufstrebenden ethnischen Minderheit in 22 EU-Ländern. Simon Inou interviewte die außergewöhnliche Österreicherin aus Kamerun.

Simon Inou: Interkulturpreis 2006, Sozialmarie 2007, Men- tora, African Diva, MiA Award und Bundesehrenzeichen 2008, Miriam Makeba 2009. Jetzt der World Diversity Innovation Award. Was haben Sie davon?

Béatrice Achaleke: Mir wäre eine gleichberechtigte Gesellschaft lieber als Preise; die gibt es aber leider nicht. Fakt ist, dass Menschen wie ich in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft nur dann wahrgenommen, gehört und respektiert werden, wenn ihre hart erworbenen Leistungen öffentliche Anerkennung bekommen. Jeder Preis bringt Öffentlichkeit und Respekt und ermöglicht die Platzierung meiner Anliegen in bestimmten Kreisen. Für die Debatte um Chancengerechtigkeit ist das sehr wichtig – und für mich bedeutet das auch eine kleine Entschädigung für die mühsame und selbstausbeuterische Arbeit. Das gibt Mut und Kraft zum Weitermachen.

Inou: Die Österreichische Botschaft in Washington D.C. – und nicht die von Kamerun – hat Ihnen zum World Diversity Award gratuliert. Wie war Ihr Gefühl dabei? 

Achaleke: Toll! Diesen Preis habe ich ja nicht als Kamerunerin, sondern als Österreicherin bekommen. Mit meiner Arbeit in vielen internationalen Kreisen und Gremien vertrete ich Österreich nach außen. Das bedeutet einen enormen Mehrwert für dieses Land. Ich bin Österreicherin aus Kamerun, und Österreich steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Meine beiden Identitäten in meiner Selbstdefinition und Arbeit zu betonen ist bereichernd.

 

Inou: Sie sind seit 14 Jahren hier zu Hause. Was gefällt Ihnen an Österreich? 

Achaleke: Die Herausforderungen, mit denen ich konfrontiert bin. Frau muss täglich Tausende Hürden überwinden, um an etwas heranzukommen. Dabei lerne ich viel und entdecke mich und meine Grenzen immer wieder neu. Ich kenne inzwischen den feinen Unterschied zwischen meinen eigenen und den von der Gesellschaft zugeteilten Einschränkungen, und jedes Mal, wenn ich diese auferlegten Hürden überwinden kann, ist das wie ein kleines Fest.

Inou: Gibt es einen Unterschied zwischen Diversity und Integration? 

Achaleke: Integration steht meist unter dem einseitigen Motto: „Die zu uns kommen, müssen sich anpassen“. Diversity umfasst aber viel mehr: Alter, Behinderung, sexuelle Orientierung, Religion usw. Ethnizität oder Migration ist nur ein Teil davon. Wichtig ist die Bereitschaft, potenzielle Fähigkeiten wahrzunehmen. Diversität sieht Unterschiede nicht als Problem, sondern als Chancen, die entdeckt, eingesetzt und gefördert gehören.

Simon Inou

Journalist und Geschäftsführer von M-Media, einer Medienorganisation von MigrantInnen

 

Über Béatrice Achaleke

1970: geboren in Kamerun 

1995: eingewandert nach Österreich 

2003: Gründung der ersten Organisation von und für schwarze Frauen in Österreich 

2007: 1. Kongress schwarzer europäischer Frauen in Wien 

2008: Launch des Black European Women’s Council in Brüssel 

2009: World Diversity Innovation Award, iniitiert vom World Diversity Leadership Council

Web: www.wdls.eu , www.blackwomencenter.org ,www.bewnet.eu 

 

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Quelle: Weltnachrichten 4.2009, S.10

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