Datum: 15.12.09 09:55
Kategorie: Deutschland-Politik, Frauen-Porträt

Von: Stuttgarter Zeitung/Heinz Siebold

Freiburg: Sylvie Nantcha, die echte Schwarze der CDU

Sylvie Nantcha - (c)Privat

Wahlplakate

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Freiburg - Es ist ein wenig viel auf Sylvie Nantcha zugekommen in den vergangenen zwei Wochen, sie ist der Flut von Telefonanrufen, E-Mails und Briefen nicht mehr Herr geworden. Und die Tageszeitung mit den großen Buchstaben hat sie, na ja, vielleicht etwas überrumpelt und ist gleich bei ihr zu Hause angerückt. Das soll aber vorerst die letzte Homestory gewesen sein, sie will jetzt Privatsphäre und Politik doch lieber trennen. "Das ist nicht mein Stil", sagt Sylvie Nantcha, auch wenn sie nichts bereut. Die 35-jährige, dreifache Mutter ist binnen Tagen zum Medienliebling geworden und kämpft jetzt gegen die Folgen.

Wer um einen Termin nachfragt, muss ein wenig betteln. Und muss sich fragen, was man sie noch fragen kann. Sylvie Nantcha ist der neue Star der Freiburger CDU. Und nicht nur vor Ort: am 21. November wurde sie auf dem Parteitag in Friedrichshafen zur Beisitzerin im Landesvorstand gewählt. Die Frauen-Union hat sie vorgeschlagen, und die Delegierten eroberte sie im Sturm.

Lässig kokettierte sie mit dem, was sie am deutlichsten von anderen Bewerbern unterschied: "Die CDU Baden-Württemberg braucht eine richtige schwarze Kandidatin", rief die gebürtige Kamerunerin in den Saal. "Das war ein Wortspiel", lächelt Nantcha, denn eigentlich will sie gerade nicht auf ihre schwarze Hauptfarbe reduziert werden, will eben nicht die "Vorzeigeschwarze" sein. Der Parteitag wählte sie mit dem drittbesten Wahlergebnis, nur der ehemalige Finanzminister Gerhard Stratthaus und Umweltministerin Tanja Gönner bekamen mehr Stimmen.

Ganz einfach ist die Etikettierung für Sylvie Nantcha selber nicht: Afrodeutsche oder Deutschafrikanerin, das lässt sie gelten. Ihre Muttersprache ist Französisch, aber sie denkt und träumt mittlerweile deutsch. Die Hotelierstochter aus Kamerun lebt seit 18 Jahren in Freiburg, kam als 17-jähriges Mädchen nach Freiburg, wo sie an der Universität Romanistik und Germanistik studierte. Sie blieb der Liebe wegen und legte beruflich und privat ein hohes Tempo vor. Sie promovierte, baute als Koordinatorin an der Universität eine Internationale Graduiertenakademie (IGA) auf, entwickelte ein Betreuungskonzept für internationale Doktoranden und Studierende und gründete einen interkulturellen deutsch-afrikanischen Verein. Nebenbei wurde sie Mutter von Giovanni (10), Miriam (8) und Marcel-Ange (6 Jahre). Ihr Mann, der ebenfalls aus Kamerun stammt, arbeitet als Unternehmensberater.

Orientierung bei allen Entscheidungen 

Mitglied der CDU ist sie erst seit einem Jahr. Im Bibelkreis ihres Stadtteils wurde sie gefragt, ob sie sich vorstellten könne, für die C-Partei zum Freiburger Gemeinderat zu kandidieren. Sie konnte, denn "christlich" ist für Sylvie Nantcha eine "Orientierung bei allen Entscheidungen". Solidarität, Verantwortung für sich selbst und für andere, das leitet Nantcha aus dem reichhaltigen Fundus christlicher Grundwerte ab. Ihre politische Heimat hat sie daher bei den Christdemokraten gefunden, Grüne und Sozialdemokraten kamen von vorneherein nicht infrage.

Seit diesem Herbst ist Sylvie Nantcha erste schwarze Gemeinderätin in Freiburg und jetzt also auch die erste schwarze CDU-Landesbeisitzerin. Als hätte die CDU auf eine wie sie nur gewartet. In einer grün-alternativen und von multikultureller Betroffenheit geprägten Stadt wie Freiburg ist sie ein Glücksfall für eine Partei, die mit ihren Kandidatinnen und Kandidaten bei Persönlichkeitswahlen für Ämter wie den Oberbürgermeister oder Bundestagsabgeordnete in den letzten Jahren eine Niederlage nach der anderen kassiert hat. Fragen nach weiteren Ambitionen wehrt Sylvie Nantcha tapfer und ehrlich ab.

Sie will erst einmal anfangen, in den Themen zu arbeiten, die ihr liegen: Familie, Bildung und Integration. Die auch viel miteinander zu tun haben, wenn es um Menschen mit Migrationshintergrund geht. Sie weiß, wovon sie redet: "Ich habe am eigenen Leib erfahren, was Bildung und Sprache für eine Rolle bei der Integration spielen", sagt Sylvie Nantcha. Sie hat es geschafft, jetzt will sie anderen helfen, es auch zu schaffen. Deshalb baut sie zurzeit beruflich ein neues Projekt für berufsbezogene Sprachförderung auf. Und in der Politik will sie dazu beitragen, für die Integration bessere Rahmenbedingungen zu schaffen: "Es muss einen Dialog geben, von beiden Seiten." Man wird noch von ihr hören.

Sylvie Nantcha Online:

Webseite

Twitter

ARD Mediathek - TV Interview

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 Quelle: stuttgarter-zeitung.de







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