Datum: 17.07.10 16:08
Kategorie: Kultur-Literatur, Frauen-Porträt

Von: Lisa Ndokwu

Buch: Ellen Johnson-Sirleaf - Die erste Präsidentin Afrikas erzählt

Am 16. Januar 2006 ist ganz Liberia auf den Beinen. Die erste gewählte Präsidentin des Kontinents, Ellen Johnson Sirleaf, wird in Monrovia vereidigt. „Niemand hätte erwartet, dass ich Präsidentin würde“, schreibt Ellen Johnson Sirleaf in ihrer 2009 erschienen Biographie „Mein Leben für Liberia“. 

Einer Familienüberlieferung zufolge, gab es eine Person, die ihr Großes prophezeite. Bei ihrer Geburt 1938, besuchte ein weiser, alter Mann die Familie und prophezeite der kleinen Ellen, dass sie einmal ganz nach oben kommen werde. Immer dann, wenn Ellen Johnson Sirleafs Leben aus den Fugen geriet, wurde diese Geschichte mit Gelächter in der Familie erzählt. 

Kurz nach ihrem High-School-Abschluss heiratete sie und bekam innerhalb weniger Jahre vier Kinder. In dieser Zeit traf sie eine Entscheidung, die eigentlich nur die Familienfinanzen aufbessern sollten. Sie nahm eine Stelle als Buchhalterin an und entdeckte ihre besondere Begabung im Umgang mit Zahlen. „Es sind oft die kleinen Entscheidungen, die ein Leben verändern.“ Ihre Studien der Wirtschaftswissenschaften in den USA sind auf diese kleine Entscheidung zurückzuführen, die Ellen Johnson Sirleafs Leidenschaft wurde, und sie unter anderem an die Spitze des Finanzministeriums Liberias führte. 

Die erste Präsidentin Afrikas hat ihre Karriere nicht unbedingt so geplant, wie es in den zahlreichen Karrierenachschlagwerken steht. Sie hat ihre Chancen und ihr Potential optimal genutzt, auch wenn sie dafür schwerwiegende Entscheidungen treffen musste. Während ihrer Studienjahre in den USA bleiben ihre vier Kinder in der Obhut der Familie in Liberia. Die schonungslose Offenheit der Beschreibung dieser Trennung von ihren Kindern  lassen die LeserInnen tief in die Persönlichkeit dieser außergewöhnlichen Frau blicken. 

Zielstrebigkeit, Unerschrockenheit, ein hohes Maß an sozialer Intelligenz und der Mut immer wieder von neuem zu beginnen, sind die Ingredienzien des Lebensweges der Präsidentin von Liberia. Wie eng sie sich mit dieser Nation verbunden fühlt, wird in ihren im Buch zitierten Reden sichtbar. Ihre politischen Visionen sind geprägt vom Kampf gegen Armut und soziale Ungerechtigkeiten.  

 „Die komplexe Dynamik des politischen Systems in Liberia“ holte sie mehrmals ein. Während ihrer Jahre im Exil, ihren Tätigkeiten bei der Citibank, der Equator Bank und den Vereinten Nationen hielt sie den Blick auf ein von Bürgerkriegen und Leid geprägtes Liberia gerichtet. 

Sie nutzte die erste Gelegenheit, um in ihre Heimat zurückzukehren, um schließlich 2005 für das Amt der Präsidentin zu kandidieren. In der Bevölkerung war das Wahlplakat, auf dem Ellen Johnson Sirleaf  mit einer zur Faust erhobenen Hand zu sehen war, am beliebtesten. 1986 wurde sie unter der Regierung Doe verhaftet und hielt bei ihrer Entlassung aus dem Gefängnis eine Rede, bei der sie in dieser Pose fotografiert wurde. 

Heute finden sich keine Schreckensmeldungen über Liberia in den Medien, Ellen Johnson Sirleaf arbeitet an ihrem Projekt. Sie ist international gut vernetzt und ihre Verbündeten sind Frauen. Munah Sieh, die erste Polizeichefin des Kontinents, Julia Duncan-Cassell, die Gouverneurin von Grand Bassa oder Mary Broh, die Bürgermeisterin von Monrovia. Nicht zu vergessen die vielen Frauen, die „Ma Ellen“ gewählt haben und ihre Hoffnung auf sie setzen. 

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Ellen Johnson Sirleaf: Mein Leben für Liberia. Die erste Präsidentin Afrikas erzählt.

S. Fischer Verlage, Krüger 2009, ISBN 978-3-8105-1940-5







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