Datum: 21.09.12 06:38
Kategorie: Frauen-Aktiv

Von: Lisa Ndokwu

„Wir sind die Macht“ Autobiographie von Leymah R. Gbowee

Klett-Cotta

Als Leymah Gbowee 2011 gemeinsam mit Ellen Johnson Sirleaf und Tawakkul Karman den Friedensnobelpreis entgegennimmt, richtet die Friedensaktivistin ihre Rede an die Frauen der Welt.

Geboren wird Leymah als vierte von fünf Töchtern in Monrovia. Ihre Eltern legen auf die Ausbildung der Kinder großen Wert. Zum Abschluss der Highschool von Leymah und ihrer Schwester richten sie eine Party aus. Ende 1989 glaubt ein Großteil der Bevölkerung Liberias an eine Zukunft in Frieden. Leymah möchte Kinderärztin werden. Nur vier Monate später wird ihr Traum in den Trümmern eines vierzehn Jahre dauernden Bürgerkriegs für immer begraben sein.

Angst, die Bedrohung durch bewaffnete Soldaten und Rebellen und der tägliche Kampf um Lebensmittel bestimmen nun ihr Leben. Wer kann, verlässt das Land. Leymah findet sich in einem Flüchtlingslager in Ghana wieder. Obwohl ihre Mutter und ihre Schwester bei ihr sind, sehnt sich Leymah nach Monrovia. Ihre Rückkehr nach Liberia bereut die junge Frau sofort, das Zuhause, nach dem sie Sehnsucht hatte, gibt es nicht mehr.

Charles Taylor formiert in Liberia eine Armee von geraubten Kindern, die ihn „Papay“ nennen. Heute ist er der einzige ehemalige Staatschef Afrikas, der von einem internationalen Tribunal wegen Kriegsverbrechens verurteilt wurde.

Leymah Gbowee ist eine der Frauen, die unermüdlich für den Frieden in Liberia eintreten. In ihrer Autobiografie gelingt es ihr die historischen Fakten in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Alltag der Frauen zu bringen. Ihre einzigartige Geschichte erzählt sie in schonungsloser Offenheit.

Krieg, Gewalt und Traumata verändern eine ganze Nation. Leymah schlittert in eine Gewaltbeziehung. Als ihr nach sechs Jahren die Trennung von ihrem Ehemann gelingt, hat sie vier Kinder und keine Perspektiven. Leymah bedeutet „Was ist los mit mir?“ Dieser Name war von ihrer Mutter mit Wehmut gewählt worden. Wie viele Mütter wünschte sie sich einen männlichen Nachkommen. Und wie viele Töchter, die die Erwartungen ihrer Mütter nicht erfüllen, wird Leymah zwar kein Sohn, aber eine beeindruckende Persönlichkeit, die über sich hinaus wächst.

Mit Hilfe ihrer Schwester Geneva, die die Kindererziehung übernimmt, absolviert Leymah Gbowee eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin und ein Studium in den USA. Unter anderem arbeitet sie mit den ehemaligen Kindersoldaten aus der Armee von Charles Taylor.

Durch ihre Offenheit und ihre sozialen Kompetenzen schließt sie schnell Freundschaften. Die Organisation WIPNET, „Women in Peacebuilding Process“, wird auf sie aufmerksam und zu ihrem Lebensinhalt. In den von WIPNET organisierten Weiterbildungsseminaren werden Frauen in Westafrika in Deeskalation von Konflikten ausgebildet und bestärkt ihre Positionen in politischen Entscheidungsprozessen einzubringen. Leymah Gbowee wird zu der zentralen Figur dieser außergewöhnlichen Organisation.

Mit Mut und Entschlossenheit treten die Frauen an öffentlichen Orten auf. Schnell werden die Sitzstreiks und Gebete der Frauen für einen dauerhaften Frieden zu einer Institution in Liberia. „Die Frauen in Weiß“ formieren sich in allen Landesteilen Liberias und werden zu einer politischen Kraft, die weltweit Aufsehen erregt. Die Filmemacherinnen Abigail Disney und Gini Reticker lassen sich vom Widerstand der Frauen im weißen T-Shirt zu einer Dokumentation inspirieren. „Pray the Devil back to Hell“ wird auf den wichtigen Filmfestivals der Welt präsentiert und ausgezeichnet.

„Die Frauen in Weiß“ setzen einen Bewusstseinbildungsprozess in Gang, der letztendlich die ersten Wahlen nach dem Bürgerkrieg in Liberia mitentscheidet. Tausende Frauen lassen sich für die ersten freien Wahlen nach dem Bürgerkrieg registrieren. Ellen Johnson Sirleaf tritt ihre erste Amtszeit an.

Leymah Gbowee hält weiterhin ihre Seminare mit und für Frauen. Die Stimme einer Frau ist ihr bis heute im Gedächtnis: „Hör nicht auf, hör nicht auf!“

 

Leymah R. Gbowee, unter Mitarbeit von Carol Mithers „Wir sind die Macht“. Die bewegende Autobiographie der Friedensnobelpreisträgerin. Aus dem Amerikanischen von Susanne Held. Klett-Cotta 2012, ISBN: 978-3-608-94739-7

www.klett-cotta.de

 







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