Datum: 09.03.10 09:56
Kategorie: Kommentare, Deutschland-Gesellschaft

Von: THomas Usleber

Ein Angolaner mit deutschem Pass

 

In der Frankfurter Neuen Presse vom 9. März 2010 bin ich in einem Artikel auf die folgende Formulierung gestoßen:

„B. (43), Angolaner mit deutschem Pass, verheiratet, drei Kinder, …“

Als dunkelhäutiger Deutscher konnte ich nicht umhin, länger an diesem Satz zu verweilen und ihn einer kleinen weltanschaulichen Betrachtung zu unterziehen.

Zunächst erschien es mir sehr naheliegend, dass die Grundaussage darin besteht, dass B. kein Deutscher ist.

Würde das jedoch in aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, würden sowohl vom Autor als auch von Leserinnen und Lesern folgende Gegenargumente aufgebracht werden:

1. Nein, mit „Angolaner“ ist lediglich die ethnische Herkunft gemeint, mit dem „deutschen Pass“ dagegen die Nationalitätt.

Kann es sich so verhalten? Selbstverständlich nicht, denn die Bezeichnung „Angolaner“ bezieht sich nicht auf eine ethnische Gruppe. Es gibt kein Volk der Angolaner. In Angola leben unterschiedliche Volksgruppen zusammen.

Demnach kann sich der Terminus „Angolaner“ nur auf die Staatsangehörigkeit beziehen. Wer aber eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit bezieht, ist der Definition nach ein Ausländer. B. wäre demnach ein Ausländer mit einem deutschen Pass.

(Die Frage, wie ein Ausländer einen deutschen Pass besitzen kann, bleibt ungeklärt…)

2. Nein, die Formulierung „Angolaner mit deutschem Pass“ soll ausdrücken, dass Herr B. zwei Staatsangehörigkeiten besitzt. Man hätte genauso gut schreiben können: „Deutscher mit angolanischem Pass“.

Nein, hätte man nicht. Denn erstens ist die Vorstellung von einem Deutschen mit angolanischem Pass die von einem hellhäutigen Menschen und die von einem Angolaner mit deutschem Pass die von einem dunkelhäutigen, einem Schwarzen.

Zweitens weiß weder der Autor noch der Leser, ob Herr B. tatsächlich parallel einen angolanischen Pass besitzt. Es ist sogar angesichts des in dieser Hinsicht sehr strengen deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes eher unwahrscheinlich.

Und drittens war das auf keinen Fall das, was der Autor ausdrücken wollte, denn sonst hätte er geschrieben: „B., welcher die deutsche und die angolanische Staatsangehörigkeit besitzt“ oder etwas Ähnliches.

Bleibt also nur noch die dritte Ausrede:

3. Nein, mit „Angolaner“ ist die Herkunft, das Geburtsland des Herrn B. gemeint, mit „deutscher Pass“ dagegen die Nationalität.

Wenn das so wäre, dann müsste ja jeder Mensch, der in Deutschland geboren wird, ein Deutscher sein. Egal, ob seine Eltern Marokkaner, Türken, Polen sind oder sogar aus unterschiedlichen Ländern kommen. Ist das so? Wenn wir ehrlich sind: nein.

In Deutschland wird noch immer nach dem Blutsrecht gedacht – auch wenn das Gesetz in dieser Hinsicht in letzter Zeit offener geworden ist.

Es kann getrost unterstellt werden: Mit dem Ausdruck „Angolaner“ spielt der Autor nicht auf das Land als Geburtsland an.

Es stellt sich also die Frage: Wenn der Autor weder ein Volk, noch eine Staatsangehörigkeit noch das Geburtsland im Sinne hatte, welchen Sinn hatte dann der Ausdruck „Angolaner“ überhaupt?

Die Antwort ist einfach und bringt uns zum Anfang zurück. Der Autor wollte schlicht und einfach ausdrücken, dass Herr B. kein Deutscher ist. Er hat sich gar keine Gedanken über den Ausdruck „Angolaner“ gemacht.

Und damit wird auch deutlich, dass ein deutscher Pass zwar eine gesetzliche Bedeutung hat, aber deshalb noch lange nicht alltagstauglich ist.

Menschen werden nach ihrer äußeren Erscheinung einsortiert. Ob sie richtig einsortiert werden, welche Pässe sie besitzen oder nicht besitzen, welchen ethnischen Gruppen sie angehören oder nicht angehören spielt dabei keine Rolle.

Vor Kurzem wurde im Rahmen eines Gesprächs zum Integrationskonzept der Stadt Frankfurt am Main von einem Teilnehmer eine ähnlich interessante Formulierung benutzt: „Die ethnische Gruppe der Deutschen“ – als Gegensatz zu der Gruppe der Migranten. Auf meine Gegenfragen: „Sind Deutsche eine ethnische Gruppe? Und wenn ja, gehöre ich zu dann zu ihnen oder zu den Migranten?“ habe ich keine Antwort erhalten.

 







Kommentare
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Gottlieb Gott aus Tübingen

Montag, 15-03-10 14:44

http://www.duudle.net

Wenn da so stimmen würde, würde Obama heissen ein Kenianer mit amerikanischem Pass. Und Podolski, Pole mit deutschem Pass. Vielleicht würde die Bundeskanzlerin heissen ... mit deutschem Pass
Nur weiter so liebe echte Deutsche

 
 
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