Datum: 03.12.08 16:31
Kategorie: Frauen-Porträt

Von: Sylvia Serbin

Königinnen Afrikas - Peter Hammer Verlag verkauft eine Fälschung auf Deutsch

Fälschung

Original auf Französisch

Sylvia Serbin - Autorin (c) bewnet.eu

"Königinnen Afrikas"

"Eine Fälschung meines Buches verkauft sich im deutschsprachigen Raum. Ich rate vom Kauf ab"


Dieses Werk, in dem 22 Frauen, die die Geschichte Afrikas und der schwarzen Diaspora seit der Antike bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt haben, porträtiert sind, erleidet offenbar ein merkwürdiges Schicksal.

Anstelle der erwarteten deutschen Übersetzung dieses Buches ist eine Fälschung desselben Buches auf dem Markt erschienen. Das habe ich zufällig im Internet entdeckt. Unter dem Titel "Königinnen Afrikas" wurde dieses Buch beim Peter Hammer Verlag veröffentlicht. Dieser Verlag ist mir völlig unbekannt, weil er mit Sépia, meinem französischen Herausgeber, direkt verhandelt hat.

Was ich entdeckt habe, nachdem ich endlich den Text dieses Werkes zur Kenntnis bekommen habe, war verblüffend. Mit der Einleitung angefangen waren ganze Zeilen des Originaltextes gestrichen und mehrere Texte unter den Bildern verändert. Meine Ideen sind deshalb völlig verfälscht. Der deutsche Herausgeber hat sich nicht nur das Recht genommen meinen Text, sondern auch die Beschreibung der Bilder und die Bibliographie zu verändern, wo mir völlig unbekannte Quellen eingefügt wurden. Was den Stil betrifft, ist er einfach nur kläglich! Während ich eine bestimmte Qualität des Schreibens bevorzuge, verwendet der deutsche Herausgeber eine kindliche, oft verwirrende, mit Unwahrheiten und grotesken Neuinterpretationen gespickte Sprache, ohne Respekt vor meiner wissenschaftlichen Methode zu zeigen. Kurz gesagt, hat man meinen Namen benutzt, um ein dubioses, für meine Reputation als Autorin und Historikerin schädliches Produkt auf den Markt zu bringen.

Daten, Tatsachen, Namen von Personen wurden geändert. Hypothesen und verdrehte Behauptungen haben diese zeitaufwendige Arbeit einer historischen Synthese, die auf langen Forschungsjahren basiert und die bedeutende finanzielle Anstrengungen von mir verlangt haben, zunichte gemacht. Als ob man meine Arbeit diskreditieren wollte.

Ein Beispiel: Im Text über Nandi, die Mutter des Zulukönigs Shaka, der im 19. Jahrhundert herrschte und die von ihrem Sohn getötet wurde, fehlen in der deutschen Version mehrere  Absätze. In diesen habe ich die Verzweiflung der Völker, die durch die niederländisch-britische Expansion von ihren Ländern beraubt wurden, sowie die Erzählung über die Ermordung von Nandi geschildert. Stattdessen haben sie diesen Satz hinzugefügt: „Shaka hat Nandi nicht getötet. Sie ist an der Ruhr gestorben. Im Augenblick ihres Todes, befand sich Shaka, wie es schriftlichen Quellen belegen, bei der Elefantenjagd in Begleitung eines Engländers“.

Ein anderes Beispiel: In meinem Text über Nefertiti ist der ganze historische Teil über das alten Ägypten gestrichen worden, um einer lächerlichen Beschreibung folgender Art Platz zu machen: „Nefertiti, die ein Pferd führt, bietet ihre Lippen Akhenaton für einen Kuss an. Auf diesen Bildern trägt die Königin lange oder durchsichtige Kleider, die ihr Körper und ihre außerordentliche Schönheit zur Geltung bringen. Die Lebenslust, Sinnlichkeit und Gefühle, die durch diese Bilder sprechen, machen es möglich zu erahnen, einerseits, die Wirklichkeit des Lebens zu dieser Zeit in Amarna und, andererseits, die Ehrung und Lob des Gottes Aton für sein Schöpfungswerk unter dem Sonnenstrahl wo alles liegt“.
 
    Oder noch diese verblüffende Beschriftung unter dem Foto eines Hockers: „Sessel auf eine Luba/Kongo Figurine gestellt… Afrikanische politische Oberhäupter hatten den Brauch, Sklaven zu benützen, um auf sie wie auf einem Sessel zu sitzen, was an den Empfang der Königin Zingha beim portugiesischen Gouverneur von Angola erinnert“.

Das ist das, was man aus meinem Buch gemacht hat, und so ist es mit allen Bildunterschriften passiert.

Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es möglich ist auf eine so grobe Weise den Inhalt eines Buches, ohne Einverständnis der Autorin, so zu entstellen und seinen Geist und seine Form so umzukleiden.

All dies verblüfft mich umso mehr, weil ich von dieser Handlung völlig abseits gehalten wurde. Eigentlich habe ich mich im August 2006 mit einem eingeschriebenen Brief an meinen Verlag gewendet, um deutlich zu machen, dass ich darauf bestehe, die Übereinstimmung der Übersetzung mit der Originalversion vor der Veröffentlichung des Buches zu überprüfen. Es war eine Vorsichtsmaßnahme, die ich ergriff, nachdem ich eine Kopie einer auf Englisch geschriebenen e-mail des deutschen Verlags bekommen habe. In dieser e-mail teilt der Verlag Sépia seine Absicht mit, die Porträts der Widerstandskämpferinnen gegen den Sklavenhandel - es handelte sich, nämlich, von der Mulattin der Einsamkeit aus der Guadeloupe und der Amerikanerin Harriet Tubman – aus seiner Version zu streichen, unter dem Vorwand, dass „dies das deutsche Publikum nicht interessiere“. Er hat nicht einmal daran gedacht, die Autorin selbst zu kontaktieren! Selbstverständlich habe ich mich dem verwehrt, mit der Bemerkung, dass mein Buch einen Beitrag der Vergangenheit der schwarzen Völker und nicht ein dem Geschmack oder der Farbe dieses oder jenes Publikums anzupassendes Produkt ist.

Ende Oktober habe ich meinen Namen auf einer deutschen Internetseite entdeckt. Ebenso bin ich auf eine große Anzahl von online-Buchhandlungen im Internet gestoßen, die die Königinnen Afrikas (mit einem anderen Titelblatt) als Neuerscheinung für den 15. November ankündigten. Einige Tage später, bei einem Telefongespräch mit der Assistentin von Sépia, habe ich sie über das bevorstehende Erscheinen des Buches und über die Tatsache, dass dies ohne meine Zustimmung geschehen ist, informiert.

    Eine Woche später, am 13. November, d.h. zwei Tage vor dem Erscheinen des erwähnten Buches, bekam ich von Sepia einen Probeabdruck der Übersetzung. Ich konnte nur feststellen, dass zwei bedrohte Kapitel dennoch vorhanden waren ebenso wie ein Dutzend Bilder, die mit meinem Text nichts zu tun haben. Ich denke, dass Sepia sie autorisieren hätte sollen, weil sich während der ganzen Phase der Übersetzung niemand die Mühe gemacht hat mich zu kontaktieren. In Anbetracht der Schwierigkeiten mit meinem Herausgeber zu kommunizieren, war aber meine Priorität, eine Vorstellung von dem Text zu bekommen, bevor ich von ihm um eine Erklärung verlangen würde.

Da ich nicht Deutsch spreche und keine Mittel hatte, um mich an einen professionellen Übersetzer zu wenden, musste ich jemanden finden, der mir den Inhalt des Buches erklären konnte. Eine junge Studentin aus meiner Umgebung hat mir geholfen. Was sie aber gefunden hat, war vom originalen Text so unterschiedlich, dass sie fürchtete sich zu irren, weil sie die Sprache nicht völlig beherrscht. Inzwischen, etwa zehn Tage nachdem ich das Manuskript bekommen hatte, bekam ich den Anruf einer anderen Assistentin von Sépia, die mich fragte, ob ich den Text gelesen habe. Ich habe ihr gesagt, dass es mir nicht möglich war, ihn in so kurzer Zeit übersetzen zu lassen. Sie wollte wissen, ob ich etwas zu bemerken habe. Völlig überrascht habe ich ihr geantwortet, dass man mir diese Frage niemals gestellt hat und dass das Buch sich offensichtlich bereits auf dem Markt befindet. Sie hat mich dann gebeten, einen Brief zu schreiben und zu erklären, dass ich mit der Übersetzung einverstanden bin. Das habe ich abgelehnt mit der Begründung, dass ich kein Schreiben mit der Bitte um meiner Meinung bekommen habe.

Letzten Januar 2007 konnte ich dank eines Bekannten, der nach Deutschland gefahren ist, endlich das Buch besorgen. Übrigens hat mich Sepia über das Erscheinen des Buches noch immer nicht informiert. Ich vermute, dass ich darüber nie etwas erfahren hätte, wäre ich nicht auf diese Informationen im Internet gestoßen! Endlich habe ich eine zweisprachige deutsche Lehrerin, die bereit ist, mir bei der Übersetzung zu helfen, gefunden. Es war ein Schock für mich zu entdecken, dass meine Arbeit verfälscht wurde.

"Der Verkauf des Buches soll im deutschsprachigen Raum ausgesetzt werden"
(Sylvia Serbin, Bild unten)

Ich habe die Sache in den Hände eines Rechtsanwaltes gelegt und wir haben geklagt. Der Verkauf des Buches soll im deutschsprachigen Raum ausgesetzt werden. Der Titel selbst hat bereits viele Leser angezogen, wie ich später erfahren habe. Daher habe ich mich gegen meinen Verlag gestellt, damit er seinen Partner zum Stopp des Verkaufs zwingt, weil dem Vertrag nach, der uns für Königinnen Afrikas verbindet, Sépia „zur Kontrolle der Übertragung der Rechte und für die Garantie des moralischen Rechts des Autors verantwortlich ist“. Mehr noch,  der Vertrag - auf Englisch geschrieben, den er mit seinem deutschen Partner unterzeichnet hat - und deren Kopie ich erst nach mehreren Beschwerden bekommen habe, legt ganz eindeutlich fest, dass keine Änderung in der Übersetzung ohne Einverständnis des Autoren erfolgen kann.

Noch etwas: es war wieder einmal durch Zufall, dass ich im April 2005 bei einer Buchmesse von einem Deutschen, der in seinem Land für diesen Verlag arbeitet, erfahren habe, dass Sépia die Übersetzungsrechte für die Königinnen Afrikas in Deutschland gekauft hat. Ich habe lange Zeit darauf gewartet, um davon durch meinen Herausgeber informiert zu werden. Erst etwa ein Jahr später, als ich ihm einen Brief bezüglich der Autorenrechte und dem Verkauf des Buches geschickt habe und in dem ich ihm darauf hingewiesen habe, dass ich ebenfalls erst jetzt von einer mehrere Monaten alten Transaktion mit Deutschland erfahren habe, dass er mir endlich durch einen Retourbrief in Februar 2006 angekündigt hat, dass er gerade den Vorschlag eines deutschen Herausgebers bekommen hat (!) Das könnte vielleicht sein Zögern, mir die Kopie des Vertrages, von dem ich erst Ende Juli einen nicht datierten Exemplar, wo mein Name als Autor nirgendwo erscheint, bekommen habe, zu schicken. Selbstverständlich habe ich auch nicht die Hälfte (500 Euro?) des Akonto, das bei der Unterzeichnung des deutschen Vertrages an Sepia übergeben wurde und die mir gehören sollten, bekommen.

Ich hoffe, dass man nicht meint, dass es Autoren zweiter Klasse gibt, die nicht dasselbe Recht auf gleiche Schutz und gleiche Rechte haben wie die anderen.

Was mir Angst macht ist das Urteil vom 10. Mai d:J: durch das Gericht von Créteil - das nach dem Wohnort meines französischen Verlags zuständig ist. Eigentlich, obwohl dieses Gericht die Fälschung festgestellt hat, hat es Sépia von aller Verantwortung befreit, weil die Übersetzung nicht seine Sache ist. Außerdem hat es in seinem Urteil verkündet, dass es, in Unkenntnis der deutschen Gesetze, über einen Fall in diesem Land nicht entscheiden kann. Da Sépia meinem Ansuchen um die Auflösung des Vertrages Königinnen Afrikas und dessen seines deutschen Partners nicht Folge geleistet hat, bin ich gezwungen, diese Aktion die Handlung auf dem Boden verfolgen in der Hoffnung, dass sich jemand findet, der sich um solchen Treiben Sorge machen würde. Eigentlich hätte man erwarten sollen, dass mein Herausgeber sich darüber kümmern würde, die Vollständigkeit und Integrität des Werkes, das ihm vertraut war, zu bewahren, zum Beispiel durch Verlangen einer Entschädigung für seinen Partner. Leider, er versteckt sich hinter der Tatsache, dass mir ein Manuskript im November geschickt wurde und bleibt über das Datum der Veröffentlichung in Deutschland, das übrigens im Buch nicht erscheint, stumm. Meine Aktion aber ist nichts anderes als Folge der Entdeckung einer Fälschung! Kurz gesagt, es handelt sich um eine unverschämte Verachtung und Frechheit wobei die Registerkassa mehr Wert hat als das moralische Recht.

Soll man sich unbestraft seines geistigen Eigentums berauben lassen? Solche dubiosen Handlungen sind bei den Verlagshäusern bestimmt nicht geduldet, aber ich hoffe, dass man nicht annehmen kann, dass es Autoren zweiter Klasse gibt, die nicht das Recht auf denselben Schutz und dasselbe Gesetz haben wie die anderen. Was ich wünsche ist, dass man diesem moralischen und finanziellen Betrug, was die Fälschung meines Buches darstellt ein Ende setzt. Weil wie soll man ihre Motivation erklären, wenn man weiß, dass Sépia sich stets geweigert hat, sich für eine englische Herausgabe der Königinnen Afrikas zu interessieren, obwohl in Großbritannien und seitens der Afroamerikanischen Professoren die Übersetzung sehr erwünscht war? Diese Leute haben meinen Namen und den Titel meines Werkes für ihren Profit und für finstere Machenschaften benutzt. Man soll wissen, dass meine Königinnen Afrikas nichts mit den Albernheiten, die durch diese angebliche Übersetzung verbreitet und die seelenruhig weiter verkauft werden, zu tun haben, ungeachtet der Gefahr, deshalb ein qualifiziertes Leserpublikum im deutschsprachigem Raum von mir abzuwenden.


Übersetzt aus dem französischen von afrikanet.info

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Text zuerst am 22. Juli 2007 erschienen







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