Kategorie: Frauen-Porträt

Amely James Koh Bela
Die freischaffende Redenschreiberin wurde 1963 in Kamerun geboren. Obwohl sie seit 1986 in Paris lebt, fühlt sie sich auch noch als Kamerunerin.
Was ist das Beste an Kamerun?
In Kamerun findet sich ganz Afrika in einem Land. Es gibt so verschiedene Menschen, Religionen und Landschaften. Traditionelle Rituale wie gemeinsam zu singen oder zu angeln sind für mich großartig. Wenn ich an meine Kindheit denke, erinnere ich mich an Puppen aus Kräutern und den riesigen Kautschukbaum, der höher als unser Haus war. Aber das Schönste bleiben ewig die Märchenstunden bei meinen Großeltern.
Was mögen Sie an Europa?
Die Freiheit, die Möglichkeit, all das im Leben machen und lernen zu können, was man selbst möchte. Ich schätze die Ausbildungspflicht für Kinder und dass die Rechte der Kinder respektiert werden. Wenn man will, kann man in Europa alles erreichen.
Was kann Europa von Kamerun lernen ?
Europa kann von Afrika lernen, wie man mit der Natur kommuniziert, aber auch den Respekt gegenüber anderen. Vor allem den Alten in einer Gesellschaft gegenüber. Sie sind die Zeugen der Zeit und können ihre Erfahrung an die Jugend weitergeben, die in einer materialistischen Welt aufwächst. Immer wenn ein Alter stirbt, ist es, als ob eine Bibliothek brennt.
Was an Kamerun macht Sie stolz?
Die Frauen auf dem Land. Sie versorgen mit den Früchten ihrer Felder die Märkte des Landes. Ich bewundere sie für ihre Willenskraft - egal, ob arm oder reich. Sie sind treu, erziehen die Kinder, sind die Stütze der Familie und doch immer noch nicht gleichberechtigt. Sie bleiben die Ehefrauen und Mütter. Für mich sind sie Vorbilder dafür, Toleranz zu begreifen - so wie meine Mutter.
Interview: Jana Schulze
Quelle: Frankfurter Rundschau Online



