Datum: 21.01.09 21:33
Kategorie: Kids & Jugend-Vorbilder

Von: Mathias Victorien Ntep - Frankfurt/Main

Anton Wilhelm AMO: Die schwarze Lichtgestalt der Aufklärung

Mathias Victorien Ntep

Er war ein Wunderkind. Er hat im 18. Jahrhundert demonstriert,  dass Brillanz nicht von der Hautfarbe abhängt. Dieser schwarze Junge aus Ghana wurde um 1700 in der Region des Golfes von Guinea geboren. Er wurde als Sklavenjunge nach Europa verschifft. Er arbeitete als Lakai in Deutschland.

Seine Dienstherren gewährten ihm die Möglichkeit, Schulen und Universitäten zu besuchen. Er besuchte die deutschen Universitäten Halle, Wittenberg und Jena. Er wurde berühmt. Er dozierte an den Universitäten von Halle und Jena. Als seine Gönner das Zeitliche segneten, begannen seine Widersacher, ihn durch den Dreck zu ziehen. Er fuhr mit einem holländischen Schiff  in seine Heimat am Golf von Guinea zurück -- nach Ghana in Afrika. Sein Andenken und seine Arbeiten gerieten in Vergessenheit, sodass sich niemand mehr an seine Brillanz und seinen Beitrag zum Zeitalter der Aufklärung in Europa erinnerte.

Sein Name ist Anton Wilhelm Amo Afer, aber er selbst unterzeichnete: "Anton Wilhelm Amo, von Guinea in Afrika, Magister/Meister und Privatdozent für Philosophie und Geisteswissenschaften". Guinea bedeutet hier die Region am Golf von Guinea. Diese intellektuelle schwarze Lichtgestalt sprach fließend Deutsch, Latein, Griechisch, Holländisch und Französisch. Er studierte Philosophie und Recht an der Universität Halle sowie Physiologie, Psychologie und Medizin an der Universität Wittenberg.

Sein Hauptwerk trägt den Titel: "Abhandlung über die Kunst, nüchtern und sorgfältig zu philosophieren." Obwohl seine Arbeiten mehr als 200 Jahre ignoriert waren, wurden sie durch die Universität Halle-Wittenberg im 20. Jahrhundert übersetzt und veröffentlicht -- angeblich auf Geheiß Kwame Nkrumahs,  einer anderen afrikanischen politischen und philosophischen Lichtgestalt des 20. Jahrhunderts.

Obwohl  Philosophen und Abiturienten in etlichen afrikanischen Ländern von Amo hören, sind sie nicht wirklich mit seinen Gedanken vertraut; sie wissen nicht ganz genau,  welchen Beitrag er zum Zeitalter der Aufklärung in Europa leistete. Sie wissen  hauptsächlich, dass er sich mit den Themen auseinandersetzte, die andere Philosophen dieses Zeitalters  unter die Lupe nahmen. Zudem sind sich einige Studenten und Gelehrte der Tatsache bewusst, dass Amo über die Rechte von „Mohren“ – sprich: schwarzen Menschen -- in Europa schrieb. Schwarze Menschen nannte man  damals „Mohren“.

Aber dieser Sachverhalt ändert sich bereits;  etwelche schwarze Gelehrte und Akademiker in Europa begannen vor ein paar Jahren, die Arbeiten Amos systematisch zu analysieren. Sogar ihr treuer Kolumnist unterzieht das Hauptwerk Amos,  seine „Abhandlung über die Kunst, nüchtern und sorgfältig zu philosophieren“,  der Analyse des philosophischen Diskurses – und nicht der Mediendiskursanalyse. 

Es ist Tatsache, dass Amo über das “Ding an sich” geschrieben hatte, ehe Kant sich mit dem Thema befasste. Es wird aber so getan, als sei Immanuel Kant – der das Licht der Welt erst im Jahre 1724 erblickte, ergo nach Amo -- derjenige, der diesen Begriff prägte, bildete und sich darüber eingehend ausließ. Kant wird das „Ding an sich“ in der Philosophie nicht zu Recht zugeschrieben. Kant hieß das „Ding an sich“ noumenon . Das „Ding an sich" bezieht sich auf die Quiddität des Dinges, die sich hinter der Erscheinung bzw. des Phänomens desselben verbirgt.

Im Übrigen kursiert sogar in wirtschaftswissenschaftlichen Kreisen die Hypothese, dass Kant den Begriff Adam Smiths des  "Unabhängigen Zuschauers" --  „impartial spectator“ – aufgriff, um seinen Begriff des „Kategorischen Imperativs" zu prägen und zu entwickeln.

Zusätzlich behandelte Amo die "Hermeneutik" als Kunst der Interpretation und der Übersetzung. Aber die meisten Wissenschaftler weltweit beziehen sich nie auf Amo, wenn sie über Hermeneutik schreiben. Sie erwähnen allerdings Schleiermacher, der sich nach Amo mit diesem Thema beschäftigte. 

Der Mann aus der Region des Golfes von Guinea dachte, dass der Mensch seine Weltanschauung und seine Werte durch die Interaktion mit seiner Umwelt konstruiert: das ist der Kerngedanke, der  dem Kognitivismus, dem Konstruktivismus und dem Sozio-Konstruktivismus zugrunde liegt. Der Kognitivismus, der Konstruktivismus und der Sozio-Konstruktivismus werden derzeit Jean William Fritz Piaget  in der Pädagogik und in der Erziehungspsychologie zugeschrieben. Piaget starb aber im letzten Jahrhundert, im 20. Jahrhundert, wogegen Amo im 18. Jahrhundert wirkte und seine Seele im selben Jahrhundert aushauchte.

Amo wird oft als Denker der  " Aufklärungsschule " von Christian Wolff zugeordnet. Wolff setzte während des Zeitalters der Aufklärung die Tradition der Scholastik fort. Die Scholastik oder die Philosophie des Mittelalters war bemüht, die Wahrheit der Vernunft mit der des Glaubens zu verbinden und die beiden in Einklang zu bringen. Die Scholastiker waren Theologen, die Philosophie betrieben, um ihren Glauben besser zu verstehen. Die heutigen Universitäten gehen unmittelbar auf die „mittelalterlichen Schulen“ der Scholastiker zurück.

Und das Durcheinander der zeitgenössischen philosophischen Richtungen rührt daher, dass die Grundsätze und die Methoden der Scholastik und der  klassischen  Philosophie – sprich: sokratischen Philosophie -- nicht ausgesprochen  im Mittelpunkt  der heutigen etablierten philosophischen Arbeiten und Übungen stehen.

Wie jede/jeder Gelehrte, die/der mit der geistigen Redlichkeit und Ehrlichkeit durchdrungen ist,  heute konstatieren kann, wurden  das Leben und die Arbeiten von Amo immer versteckt, verscharrt, vertuscht und heruntergespielt, sodass sich niemand der Tatsache bewusst werden konnte, dass er einen signifikanten Beitrag zum Zeitalter der Aufklärung geleistet hat und dass der „Intelligenzquotient“ und die Brillanz  nichts mit der  Hautfarbe zu tun haben.

Jeder brillante Schwarze, der durch seine Persönlichkeit, sein Potential, sein Talent, seine Tätigkeit und seine Wirkung  die Vermutung von Darwin verfälscht/entkräftet, die Einteilung/Einstufung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, erstellt von Ernst Haeckel – der Wissenschaftler, der das Wort "Ökologie" prägte und der ein eifriger Bewunderer von Darwin und der direkte Anreger schlechthin der Rassentheorie des NSDAP war  und bleibt--, jeder brillante Schwarze, der klipp und klar, deutlich, logisch, wissenschaftlich und kohärent dieses Geschwätz entlarvt, zieht sich die Verfolgung  durch/ von Rassisten zu,  welche eine panische Angst vor der  Gleichheit zwischen und unter Menschen haben, weil sie ihre eigene Unfähigkeit unter den Teppich kehren und von derselben ablenken wollen.

Es ist erwähnenswert, dass der deutsche Wissenschaftler Ernst Haeckel schwarzen Menschen einen Rang über den der  Affen verlieh; deshalb bezeichneten Hitler und viele Rassisten rund um den Globus schwarze Menschen als "Halbaffen".

Hervorragende und kompetente schwarze Gelehrte, die die Vorherrschaft von Europäern beanstandeten/anfechten und für Gleichheit eintreten, wurden bzw. werden  oft geächtet. Deren Schriften wurden bzw. werden des Öfteren boykottiert und deren Gedanken wurden bzw. werden zeitweise gestohlen. Zur selben Zeit wurden bzw. werden schwarze Nieten regelmäßig mit einbezogen, sodass sie in die Annahme über Menschen, Rassen und Hautfarben  von Haeckel passten/passen und diese bestätigten/bekräftigen. Cheikh Anta Diop erlebte diese Verbannung in Frankreich. Anton Wilhelm Amo ging durch dieselbe raue Situation in Deutschland,  nachdem seine deutschen Gönner hingeschieden waren.

Die Wahl von Barack Hussein Obama durch die amerikanische Bevölkerung ins „Weiße Haus“ hat gerade ein für alle Mal diese „taktischen“ Maschen und die schnöden und unverschämten Lügen gegenüber Schwarzen widerlegt.

Also: sollte jemand einem wehmütigen Rassisten begegnen, sollte man diesen wegen dessen Geisteskrankheit bemitleiden und demselben sofort einen guten Psychiater empfehlen. Dies würde dem professionellen Seelenklempner auch die Möglichkeit bieten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, indem er zeigt, wes Geistes Kind er ist. 







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