Datum: 22.05.13 20:19
Kategorie: Deutschland-Gesellschaft, Kids & Jugend-Bildung

Von: Dr. Pierrette Herzberger-Fofana

Gerald Asamoah, als Pate von Schule ohne Rassismus

Foto: Dr. P. Herzberger Fofana

 Das Ohm-Gymnasium ist die sechste Schule in Erlangen, die am 20.3.2013 den  Titel „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ erhielt. 

 

Schule ohne Rassismus“ ist ein Projekt von und für Schülerinnen und Schüler. Es bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden.

Zur Zeit gehören bereits mehr als 1000 Schulen in Deutschland dieser Initiative an.             

Im Schuljahr 2012/2013 wurde auch das Ohm-Gymnasium eine „Schule ohne Rassismus“. Hierzu haben 90, 9% der Schüler und 70,7% der Lehrer ihr Einverständnis durch Unterschrift bekundet.

Am 20.März wurde während der „Erlanger Woche gegen Rassismus“ das Ohm-Gymnasium offiziell den Titel durch den Regionalkkoordinator Bayern verliehen. Als prominenter Pate diese Initiative gegen Rassismus ist  Gerald Asamoah, ehemaliger Nationalspieler und derzeit Spieler bei SpVgg Greuther Fürth, der zur Überreichung der Plakette und Urkunde in das Ohm-Gymnasium gekommen war.

Mit der Verleihung des Titels verpflichtet sich die Schule, längerfristig und nachhaltig Diskriminierungen zu überwinden und mindestens einmal pro Jahr ein Projekt zu diesem Thema durchzuführen.  

Dazu ist auch in jeder Klasse zwei Schüler als Anti-Diskriminierungsbeauftragten gewählt worden, in denen das Anliegen besonders wichtig ist und die sich in ihrer Klasse dafür engagieren.  Mit diesem Projekt hoffen wir unserem Bildungsauftrag, zu dem zentral der Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung gehört, noch besser gerecht werden zu können 

Die Veranstaltung am Abend dieses Tages stand unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Erlangen, Dr. Balleis, der auch anwesend war sowie die Bürgermeisterin, Frau Aßmus, Vorsitzende des Schulausschusses im Stadtrat. Zahlreiche Vertreter der Stadt, des Ausländer- und Integrationsbeirats, den großen Teil der Eltern und Schülerschaft  nahmen an der Feier teil. 

Schon als Asamoah durch den proppenvollen Raum eintrat, wurde er mit großem Beifall und Standing Ovations begrüßt. Sofort wurde er von begeisterten GymnasiastInnen umringt, die Fotos mit ihren Handys machen wollten. Meisterhaft ließ der prominente Gast den Ansturm der Schüler/innenn vor allem Jungs; eindrucksvoll über sich ergehen. In ihrer Begrüßungsrede knüpfte die Schulleiterin, Frau Fuchs an die langjährige  Tradition der Toleranz, die die Hugenottenstadt und ihr Motto „offen aus Tradition“ kennzeichnet. Schüler aus allen fünf Kontinenten und über 100 Nationen  besuchen diese höhere Schule. Darum ist in dieser Schule kein Platz für Rassismus und religiöse Intoleranz.

Die Schlülersprecherin, Maike Fuchs zitierte den Dichter Theodor Fontane:

Bloßes Ignorieren ist noch keine Toleranz“ und wies auf die Verpflichtung hin, die Schüler ab jetzt eingehen.

Tigist Mamo und Pratitshta Mukoo, Schülerinnen mit ausländischen  Wurzeln berichteten über ihre persönliche Erfahrung und waren alle der einhelligen Meinung, dass:

Es ist toll, dass so viele junge Menschen den Mut haben, sich gegen Rassismus zu   wenden. Die Vertreterin des Elternbeirats Frau Wunderlich unterstützte das Engagement der Schüler und freut sich über ihren Entschluss.  Der Kampf gegen jegliche Diskriminierung erforderte mehr als eine Debatte über das Streichen von diskriminierenden Begriffen in Kinderbüchern, mahnte der Vorsitzende des Ausländer- und Integrationsbeirats, Khalil Bagdad. Die Überreichung der Plakette und Urkunde übernahm der Regionaldirektor, Bertram Höfer, der auch seine Unterstützung zusagte.

Die Initiative dieses Projekts stammt aus Feder der Autorin dieser Zeilen. Selbst Lehrerin am Ohm –Gymnasium, die Gerald Asamoah einlud und ihn mehrfach in Fürth am Stadium besuchte. 

„Als Pate bin ich Teil dieser Schule „ 

Der prominente Fußballer freute sich sichtlich von dem begeisterten Empfang der Schüler/innen und die Schüler waren außer Rand und Band. Sie begrüßten ihn in seiner Muttersprache, Twi und hießen ihn willkommen und sagten „AKWABA“ Der Fußballer war angenehm überrascht, aber auch erfreut.

Asamoah erzählte über seine Kindheit, als er als zwölfjähriger aus Ghana in das  „Traumland-und Wunderland Deutschland“ kam.  Er sprach auch über die Erfahrung von seinem 6- jährigen Kind, der z.Z. mit seiner Identität  konfrontiert wird; denn er wächst in einer Umgebung, geprägt von der weißen Mehrheitsgesellschaft. Er stellt die folgende Frage seines Vaters „Warum bin ich schwarz?“

 Asamoah selbst wurde mit dem Rassismus eher auf dem Spielplatz  als in der Schule konfrontiert und teilweise machte er schlimme Erfahrungen mit Fans:

„Wenn man von Tausenden bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wird, wie nach der WM 2006 bei einem Spiel in Rostock, dann tut das sehr weh. 

sagte der ehemalige Nationalspieler.

Er war von der Haltung seiner Mitspieler wie Michael Ballack, Bastian Schweinsteger oder Philipp Lahm ziemlich enttäuscht. Ihr Schweigen verletzte ihn, denn diese Spieler hätten viel bewirken können, wenn sie ein Machtwort gesprochen und Stellung bezogen hätten.  Denn sie genießen die Bewunderung der Fans. Ihre Haltung erinnert an das Zitat von Martin Luther King: 

Am Ende verletzt mehr das Schweigen Deiner Freunde als die Beschimpfung Deiner Feinde.“ 

Gerald Asamoah beantwortete die zahlreichen Fragen der Zuschauer, insbesondere der Jungs, die sich über das Weitergehen seiner Karriere  erkundigten. Alle anwesenden Teilnehmer dieser Preisverleihung erhielten eine Autogramm-Karte. Geduldig, bewältigte Asamoah meisterhaft den Ansturm der Schüler und Schülerinnen, Eltern und Gäste. Er unterschrieb Stundenlang die Karten und ging auf die Wünsche der Schüler/innen ein, die Fotos mit ihm machen oder seine Signatur auf dem Arm, privaten Karten, Büchern, oder Mäppchen haben wollten.

Die Buchhandlung Rupprecht war mit einem Büchertisch vertreten, so dass zahlreiche Teilnehmer/innen noch das Buch erwerben konnten. In seiner Biographie  Dieser Weg wird kein leichter sein. Mein Leben und ich fasste Gerald Asamoah die wichtigen Etappen seines Lebens zusammen:

Ich möchte erzählen von meiner Kindheit in Ghana, meiner Karriere als Fußballer, von den Anfeindungen, denen ich ausgesetzt war, nur weil ich schwarz bin, von meiner Krankheit und meinem Glauben an Gott. Ich denke, dass ich etwas weitergeben kann-in der Hoffnung, dass man versteht, dass Dinge, die passieren, nie umsonst sind und im Zweifelsfall einfach weggelacht werden können. Denn ohne ein Lachen wäre mein Leben nicht denkbar.“

Asamoah versicherte dem Ohm-Gymnasium sein Vertrauen und Bereitschaft: 

Als Pate bin ich Teil dieser Schule„ und versprach „Ich bin immer da, wenn ich euch helfen kann.

Mit den Schülern und Schülerinnen der Klasse 9b/9d wurde  eine Ausstellung  „Sportler in einer Welt“ konzipiert. Sie fokussiert auf die Diskriminierung, die viele Fußballer mit ausländischen Wurzeln in Europa erleben. Nach ihren Recherchen stießen sie  auf allerlei Formen von Rassismus von Buh rufen, Affen Geschrei bis zum Mord.

Die Ausstellung ist noch am Eingang des BistrΩhm zu sehen.

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von der Bigband Swing'Ωhm der Schule, eine Eigenproduktion des Theaterstücks der Q11 spielte Szenen aus einem türkischen Café. Eine Gruppe der Anti-Diskriminierungsbeauftragten präsentierte einen Tanz, den sie unter der Regie von Prathi und Mareike dafür eigens einstudiert hatten. Die Trommelgruppe des Frauenzentrums gab dieser Feier eine kleine afrikanische Note.

Es war ein unvergessliches Ereignis für die gesamte Schulfamilie des Ohm-Gymnasiums Erlangen.                                              

DANKE GERALD!







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