Datum: 01.12.08 11:39
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Sichtbar Anders: Ein couragiertes Buch zur Ermächtigung binationaler Paare

Buchcover

 

Anders als die Anderen?

Immer noch ist in Kinderbuchregalen von Buchhandlungen dieses Lied im Sortiment diverser Liederbücher, in dem zehn Menschen seriell in den Tod geschickt werden. Ja, Sie kennen es bestimmt. Es wird auch an manchen Schulen gern gesungen.

Für binationale Kinder, bei denen ein Elternteil aus dem afrikanischen Kontinent kommt, ist dieses Lied ein Affront. Wie gehen Sie damit um? Welche Strategien entwickeln Eltern und Kinder, um mit dem täglichen Parcours zwischen den Kulturen und den Alltagsrealitäten einer weißen Mehrheitsgesellschaft zurande zu kommen?

Eva Massingue vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V., hat Soziogramme afrodeutscher Kinder und Jugendlicher gesammelt.

Das im deutschen Sprachraum verwendete N-Wort ist auch im 21. Jahrhundert noch nicht aus dem Wortschatz verschwunden. Fragen, wie eine Mutter zu diesem Kind komme, oder woher ein Jugendlicher so gut deutsch spreche, zeigen auf, dass der politische Handlungsspielraum im Umgang mit interkulturellen Unterschieden bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. So werden im Buch auch zahlreiche private Initiativen, Vereine und Selbsthilfegruppen vorgestellt, die Raum für Gespräche über binationale Partnerschaften und Kinder bieten.

Sichtbar anders sein, heißt nicht nur den Konfrontationen mit rassistischer Gesinnung stand zu halten, es ist die Chance in zwei Kulturen groß zu werden und Perspektiven jenseits des Gartenzauns zu entwickeln.

So sind die Erzählungen und Statements der Jugendlichen geprägt von den vielfältigen Möglichkeiten des Andersseins. Sich problemlos in mehreren Sprachen verständigen zu können oder das Wissen über eine afrikanische Nation betrachten alle als positiv. Die sechzehnjährige Deborah bringt es auf den Punkt: „Ich bin wie alle anderen hier, weil ich in diesem Land lebe, aufgewachsen bin und genauso Deutsch spreche wie alle anderen. Aber andererseits spreche ich noch eine zweite Sprache, weiß noch über ein anderes Land Bescheid und lebe auch noch in Kontakt mit einer anderen Kultur.“

Ein interdisziplinärer Dialog zwischen den Kulturen bietet vor allem für die jeweilige Mehrheitsgesellschaft Chancen. Ein anderer Blickwinkel kann auch Lehrenden Neues eröffnen. So hat ein Sechsjähriger bei seinem Einschulungstest beim Betrachten eines Bildes von Eiskugeln seiner zukünftigen Lehrerin glaubhaft versichern können, es handle sich um Foufou, eine westafrikanische Speise, die vor dem Verzehr zu kleinen Kugeln geformt wird.

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Eva Massingue, Sichtbar anders – aus dem Leben afrodeutscher Kinder und Jugendlicher. 
Herausgegeben vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf .e. V. 
Brandes & Apsel, 2005, 176 S., Paperback, € 12,90/sFr 22,70, ISBN 3-86099-821-8

 

 

 

 







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