Datum: 01.12.08 20:35
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: simon INOU

Buchrezension: Afrika und die deutsche Sprache

Buchcover

Warum "Schwarzafrikaner" ein rassistisches Wort ist

 

Susan Arndt und Antje Hornstein haben im  UNRAST-Verlag ein sehr interessantes Buch herausgegeben. "Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk" heisst es. Dieses Buch ist ein Versuch, Worte, die im Zusammenhang mit Afrika und seiner Diaspora umstritten sind, in einem historischen sowie sozio-kulturellen germanophonen Kontext sehr kritisch zu betrachten und Vorschläge anzubieten, welche Wörter korrekt anzuwenden sind. 

Dieses Buch ist ein Projektidee und geht auf die Initiative schwarzer Studierender am Seminar für Afrikawissenschaften an der Humbolt-Universitaet in Berlin (S.8) zurück. Zentrales Anliegen dieses Buches, das auch als Nachschlagewerk dienen kann, ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Rassismus und Sprache eng miteinander verknüpft sind. Viele heute gebräuchliche Begriffe haben eine kolonialistisch geprägte, rassistisch wirkende Bedeutungsgeschichte, die auch heute noch zum Ausdruck kommt. 

Das Buch ist einfach umwerfend und auch wir in der Redaktion von Afrikanet haben bemerkt, dass wir manche Wörter benutzen, die rassistisch konotiert sind und ohne es zu wissen. Das Wort "Schwarzafrikane"r ist ein solches Wort.Dieser Begriff, laut dem Buch "...ist im Kontext von Rassismus und Kolonialismus entstanden.Der Begriff baute auf dem rassistischen Ansatz auf, Menschen in Rassen unterteilen und diese hierarchisieren zu können.Dabei wurde versucht, die Rassentheorie kulturtheoretisch zu untermauern. Frantz Fanon schrieb dazu: Man teilt Afrika in einen weissen und einen schwarzen Teil. Die Ersatzbezeichnungen: Afrika südlich oder nördlich der Sahara können diesen latenten Rassismus nicht verschleiern. Auf der einen Seite versichert man, dass das weiße Afrika die Tradition einer tausendjährigen Kultur habe, dass es mediterran sei und Europa fortsetzte, dass es an der abendländlischen Kultur teilhabe. Das schwarze Afrika bezeichnet man als eine träge, brutale, unzivilisierte - und wilde Gegend" ( S.204)

So sind 32 Woerter sehr scharf analysiert und in einem rassistischen kulturellen Kontext definiert. Wörter wie u.a. "Dritte Welt", "Dschungel", "Farbige", "Mischling", "Naturreligion", "Naturvölker", "Animismus", "Stamm", "Rasse", werden argumentativ detailliert und mit ihren rassistischen Konnotationen scharf analysiert. Die AutorInnen setzen sich sehr couragiert mit dem Duden sowie Brockhaus und Langenscheidt - Definitionen von Schwarzen einander und zeigen, wie unreflektiert diese Verlage Rassismus unbewusst verbreiten und dazu beitragen, Rassismus zu erzeugen. Das Produkt dieses Rassismus wird auch an schwarze Menschen, die hier aufwachsen, wiedergegeben und diese produzieren in der Folge ein  Zerrbild ihrer selbst.Bei dieser Arbeit waren, wie die Herausgeberinnen schreiben, "Publikationen von schwarzen deutschen Frauen ein wichtiger Meilenstein" (S.66). 

Das Buch ist systematisch aufgebaut. Für jedes Wort, das analysiert wird, sind bis zu acht Punkte, die dem Leser helfen sollen, den Begriff in seiner Gesamtheit zu verstehen. Das Wort wird zuerst historisch analysiert und auf die  Aktualität bezogen betrachtet um Erklärungsmunster zu zeigen. Dann wird auf die Verwendungsgeschichte des Worte sowie den Begriffsinhalt, Redezuwendungen näher eingangen. Zum Schluss gibt es einen Analogietest, in dem die einfache Frage "Wäre eine Übertragung auf den deutschen/europäischen  bzw. weißen Kontext möglich?" gestellt wird und alternative Begriffe vorgeschlagen werden.

Ein interessantes Kapitel nennt sich "Manifestationen von Rassismus in Texten ohne rassistische Begrifflichkeiten". Dieser Kapitel ist für medienorientierte Personen, die sich mit Afrika befassen, sehr wichtig. Mit einer ungeheueren analytischen Formulierungskraft versuchen die Herausgeberinnen, unterbewusste Rassismen, die in Texten (Sogar von sehr kritischen Zeitungen) lauern und die für die Zeitungskonsumenten "normal" scheinen, bewusst zu machen. Über Afrika zu schreiben, zu reden und Afrika bildlich darzustellen ist nicht so einfach, wie viele glauben. Afrika ist nicht der schwarze Kontinent sondern ein Kontinent. Ein anderes Kapitel heisst "Ich habe es doch nicht so gemeint." Rassistisches Sprechen und weisse Strategien der Verweigerung. 

Die HerausgeberInnen bemerken "Werden Weiße darauf aufmerksam gemacht, dass sie gerade einen kolonialistisch geprägten und/oder rassistischen Begriff verwendet haben, so formulieren sie in der Regel Widerstand, der oft aggressiv geäussert wird". ( S.25). Hier wird gezeigt wie manche mit Kritik umgehen, dass sie rassistische Worter benutzen oder benutzt haben. Weiße argumentieren fast immer mit ihrer Geschichte (Ich habe das Wort nicht erfunden) oder deuten auf die nicht Wichtigkeit der Sprache hin (Wörter sind eh nicht so wichtig!). So bemerken Susan Arndt und Antje Hornsteidt, dass die Sprache in diesem Fall "zu einem neutralen Medium stilisiert wird, als würde sie einfach nur Information transportieren und die Wirklichkeit beschreiben sowie "unschuldig" sein". Unschuldig werden Sie nicht, wenn Sie einen Schwarzen als Farbige benennen. Schwarze Menschen sind keine Farbigen.Wir sind einfach schwarz.....

Dieses Buch ist der erfolgreicher Versuch, auf mehrere Fragen Afrika , schwarze Menschen, und ihre Darstellungen im Sprachgebrauch sowie in Bildern betreffend, zu antworten. Da noch viele Menschen im deutschsprachigen Raum manchmal unbewusst Begrifflichkeiten benutzen, die rassistisch konnotiert sind, wäre  es empfehlenswert, dieses Buch für alle Schulen, Redaktionen, Verlage sowie im Entwicklungspolitischen Bereich dringend anzuschaffen. So können wir der nächsten Generationen von Kindern und Jugendlichen die täglichen Dosen Rassismus, die in den Worten stecken, gar nicht erst zur Gewohnheit werden lassen.  ... "I have a Dream ...."

Über das Buch: 

Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.)

Afrika und die deutsche Sprache

Ein kritisches Nachschlagewerk

 

Unter Mitarbeit von:

Marlene Bauer, Andriana Boussalas, 

Katharine Machnik und Kathrin Petrow

 

ISBN-10: 3-89771-424-8

ISBN-13: 978-3897714243

Ausstattung: br., 266 Seiten

 

Verlag: Öffnet externen Link in neuem FensterUNRAST VERLAG

 

Preis: 16.00 Euro 

 

 







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