Datum: 22.12.08 23:44
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Afrikanet.info

Buchrezension: Out of Africa –Into New Worlds, Afrika und ihre Diaspora

Werner Zips (Hg.), Afrikanische Diaspora: Out of Africa –Into New Worlds, Afrika und ihre Diaspora. Band I

Seit mehreren Jahrzehnten wird der Begriff Diaspora für Afrikaner, die in aller Welt verstreut sind, verbreitet und akzeptiert. Der von Manfred Kremser und Werner Zips herausgegebene Sammelband „Afrikanische Diaspora: Out of Africa – Into New Worlds“ ist einer der ersten deutschsprachigen Bücher, das versucht, einen Überblick über diese Diaspora zu geben.

Was der Begriff Diaspora bedeutet, wird in Elke Mayerhofers Beitrag klar, der sich dem Terminus und den Realitäten der Afrikanischen Diaspora nähert. Das Wort Diaspora leitet sich von diaspeirein- der griechischen Bezeichnung für verstreuen -- ab und wird seit Mitte der 50er und Anfang der 60er Jahre auch für außerhalb Afrikas angesiedelte Gemeinschaften von Menschen afrikanischer Herkunft verwendet. Doch egal, wie lange diese Menschen bereits außerhalb Afrikas leben, bleibt der Kontinent doch eine spirituelle Heimat und die Basis, aus der Werte für die Identität bezogen werden können.  

Eine systematische globale Betrachtung von Diasporagemeinschaften findet sich in dem Band nicht, denn es werden in erster Linie Gesellschaften der westlichen Hemisphäre (Haiti, Jamaika, Surinam oder auch Brasilien und die USA) behandelt, wobei besonders die Beiträge, die Widerstandskulturen behandeln, lesenswert sind. Klaus Minihuber untersucht beispielsweise die Quilombos, Ansammlungen von Menschen, die sich ihrer Versklavung durch Flucht entzogen und versuchten, eine autonome Gesellschaft inmitten der Sklavenhaltergesellschaft zu führen. Letztlich finden sich aber auch in diesem Gebiet Forschungslücken, denn über die Situation der schwarzen Bevölkerung Ecuadors, die die Mehrheit der Fußballnationalmannschaft stellt oder der Afro-Bolivianer, die eine wichtige Rolle in der Verhandlung der neuen bolivianischen Verfassung anstreben, findet sich in diesem Buch nichts.  

Auch hätte man sich von einem Buch, das in Europa erscheint, nicht erwartet, dass es die Präsenz afrikanischer Menschen auf dem eigenen Kontinent quasi ausklammert. Ausser einem literarischen Abriss über Österreich vom preisgekroenten Schriftsteller Chibo Onyeji, der unter anderem auch den Fall Omofuma zum Thema hat, erfährt man aber nichts, und so werden Afrikaner wieder auf ferne Länder auf der anderen Seite von Weltmeeren reduziert.  

Wie in anderen Werken des Herausgebers ist auch hier die Verwendung von schwer verständlichen Jargon ein fast unueberwindbares Hindernis für die Lesbarkeit des Buches und wird wohl dazu führen, dass sich die Zielsetzung des Herausgebers, nämlich „einen Adressatenkreis zu erreichen, der akademisch interessierte transzendiert“, wohl eher nicht erfüllen wird.  


Mehr Infos: LIT VERLAG







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