Datum: 09.01.09 12:27
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Achille Mutombo-Mwana

Rezension: Gott befreit von Jean-Marc Ela

Jean Marc Éla

Ziel dieses Buches ist es, Wege aufzuzeigen, um den Glauben an den Gott Jesu Christi für Afrika relevant zu machen. Dies ist umso dringender, als die Paradigmen des Christentums westlicher Prägung sowohl im Norden als auch im Süden wirkungslos geworden sind. Der Verfasser verliert keine Zeit mit der Debatte um das Recht auf eine afrikanische Theologie. Mit der Denkfreiheit, die keinem Theologen geraubt werden sollte, fasst er mutig heiße Eisen an. Die Inkulturation, so seine Kritik, trauert Mythen und Riten nach, die den jüngeren Menschen fremd sind. Die Inkulturation wird der afrikanischen Moderne nicht gerecht. Der Gott, der Afrika etwas zu sagen hat, ist der Gott der Befreiung, der Gott des Magnifikats.

Daraus ergeben sich mehrere Themenfelder für die Theologie. Dem jahrhundertlangen afrikanischen Holocaust (Sklaverei, Kolonisierung und Neokolonisierung), der auch theologisch begründet wurde, muss ein Ende gesetzt werden. Die Sakralisierung des totalen Marktes durch die Globalisierungsverfechter ist nicht zum Vorteil Afrikas. Daher muss man dieser Diktatur des Geldes die Stirn bieten. Ein neues Missionsverständnis ist notwendig, wenn das dritte Millennium eine Zeit Afrikas werden soll. Es darf nicht die Aufgabe der Missionsinstitute sein, die Entstehung der Ortskirchen zu kontrollieren. Diese Ortskirchen sind keine Niederlassungen oder Außenstellen europäischer Kirchen. Der Austausch zwischen den Kirchen darf sich nicht auf den Transfer von Personal und Geldern beschränken.

Weniger umfangreich sind die Ausführungen des Verfassers über die ökologischen Fragen. Er thematisiert lediglich die Sünde wider die Schöpfung und betont, dass der Mensch Priester der Schöpfung sein soll. Aus der Tatsache, dass die heutige Welt viele Gesichter hat, das heißt, dass sie pluralistisch und polyzentrisch geworden ist, zieht Ela einige Schlussfolgerungen: Bei der Evangelisierung gehe es nicht mehr um die Zahl der Getauften, sondern um die Zeichen, die gesetzt werden sollen. Man müsse darauf verzichten, als Inhaber der Wahrheit aufzutreten. Jesus von Nazareth erschöpfe nicht den göttlichen Logos. Ausgehend von der communio-Ekklesiologie, die die Kirche als Familie ansieht, und von der konkreten Situation der Kirchen in Afrika, wo der Hunger vieler christlicher Gemeinschaften nach der Eucharistie und anderen Sakramenten nicht gestillt werden kann, plädiert der Verfasser für eine Entsakralisierung der Dienste und Ämter, die dem geweihten Klerus vorbehalten sind, und somit für die Übertragung größerer Verantwortungen auch sakramentaler Art auf die Laien.

In seinem ganzen Buch stützt der Verfasser seine Argumentation auf die Heilige Schrift, die Kirchenväter, das Zweite Vatikanische Konzil, die Afrikasynode usw. Er legt ein umfassendes theologisches Wissen an den Tag. Sicher wird mancher einige Aussagen Elas mit Fragezeichen versehen. Die Denkfreiheit, die er für sich beansprucht, gönnt er aber auch jedem anderen. Eines der Verdienste seines Buches ist aber, dass er Fragen angestoßen hat und Risiken eingegangen ist.
 
Rezension erschienen in: Nordamerika. Kirche und Mission, Jahrbuch Mission 2004 (Hamburg 2004) S. 243f.
 







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