Datum: 21.01.09 22:01
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Armand Mattelart: Kultur und Globalisierung.Marktmacht gegen Vielfalt

Buchcover

Der international renommierte Kommunikationswissenschafter Armand Mattelart erläutert in seinem Essay „Kultur und Globalisierung“ die Hintergründe und die Konstruktion einer globalen Kultur, deren Mechanismen vom Markt bestimmt werden. So betrachtet, verwundert es nicht, dass die Welthandelsorganisation (WTO) die Kultur zu ihrem Zuständigkeitsbereich erklärt und in der Rubrik Dienstleistungen einordnet. Kultur als Ware auf einem globalen Markt.

Ist Kultur die Summe aller materiellen und ideellen Werte, die der Mensch schafft oder doch das künstlerische Schaffen? Wurden die in der Aufklärung verkündeten universellen Werte nicht schon längst von einem universellen Markt der Waren überholt. Armand Mattelart versucht die Transformation von kulturellen Werten hin zu globalen Waren über einen Zeitraum von 200 Jahren zu beleuchten. Wie schwierig dieses Unterfangen ist, zeigen die zahlreichen aneinander gereihten Zitate von namhaften Wissenschaftern und Autoren. Die Frage, ob sich diese Diskussion auf eine westliche Elite beschränkt oder besser, von ihr bestimmt wird, liegt nahe. 

Gegenwärtig wird keine öffentliche Diskussion um kulturelle Werte oder Werke ohne Begriffe wie Kulturindustrie, Kulturmanagement oder Kulturnetzwerke  auskommen. In der Politik neigt man dazu die viel zitierte „kulturelle Vielfalt“ immer dann zu bemühen, wenn mangelhafte, politische Ansätze zu jeweils aktuellen, gesellschaftlichen Problemen vorliegen. Gleichzeitig wird kulturelle Vielfalt als Grundlage der Demokratie gehandelt. 

Anhand der staatlichen Kontrolle über die Bildproduktion der Filmindustrie, zeigt Mattelart wie fragil die Positionen von kultureller Vielfalt und Mainstream-Kultur sind. Zahlreiche Nationen reklamieren in internationalen Filmverwertungsverträgen Ausnahmeklauseln hinein, um die Darstellung des so genannten „Way of life“ nicht nur dem Marktstärksten zu überlassen.

Durch das Denken in globalen Zusammenhängen entstehen auch neue Formen des Widerstands gegen die herrschende Ordnung. Der indische Anthropologe Arjun Appadurai vertritt die These, dass durch die Migrationsbewegungen eine neue Ethnolandschaft entsteht, die sich nicht auf staatliche Zugehörigkeit beschränken lässt, sondern eine Art „transnationaler Vorstellungsgemeinschaft“ bildet.

Dieser Essay animiert zum Nachdenken, um mit Hannah Arendt zu sprechen, zum „Denken ohne Geländer“.

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Armand Mattelart „Kultur und Globalisierung. Marktmacht gegen Vielfalt“

Rotpunktverlag, Zürich 2006, 161 Seiten,  ISBN 13: 978-3-85869-328-0

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