Datum: 09.02.09 16:09
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Heli Higls Reisebericht: Hakuna Matata – 13 Gesichter Afrikas

Ein gelernter Österreicher beschließt nach privaten Veränderungen in seinem Leben eine Zäsur vorzunehmen. Er macht sich auf eine Reise. Das allein ist noch kein Buch. Aber eine Reise nach Afrika, das bereits auf dem Cover als „schwarzer“ Kontinent bezeichnet wird, ist offenbar Grund genug, das deutschsprachige Lesepublikum an den Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Der Reisende Heli Higl verleiht seiner Reise mit einem gewitzten Start als Autostopper inklusive Schild auf dem „Gibraltar“ steht, den abenteuerlichen Charakter, der im Untertitel suggeriert wird. Wenn schon Afrika - dann mit allen Attributen und Bildern, die sich im Kopf eines Westeuropäers angesammelt haben.

Er bereist im Zeitraum eines halben Jahres 13 Nationen Afrikas, fliegt von West- nach Ostafrika, um schließlich wieder im - wie er es nennt - „Good old Europe“ zu landen.

Die Lektüre gestaltet sich schwierig, denn als Lesende fühlt man sich in ein Roadmovie versetzt. Die nicht an europäischen Standards grenzenden Straßenverhältnisse, die Fahrstile der unterschiedlichen Taxi- oder Buschauffeure, die Körperumfänge von Mitreisenden werden ausreichend kommentiert. In den Ländern übliche Wartezeiten auf eine Mitfahrgelegenheit werden ausführlich beschrieben und die Frage, weshalb diese Reise verschriftlicht wurde, drängt sich zwangsweise auf. Eine hohe Anzahl an Bars und der dort üblichen Biersorten lernen wir ebenfalls kennen. Hin und wieder werden wir auf Kulturdenkmäler oder Museen verwiesen, die Reisende gelegentlich besuchen können, wenn sie nicht gerade durch den Genuss von Lebensmitteln oder Bier in einen körperlichen Ausnahmezustand versetzt werden. Die zahlreichen Reisebekanntschaften aus aller Welt werden im Buch ebenfalls vorgestellt. Die Bekanntschaften mit Menschen, die in Ghana, Burkina Faso, Tansania oder den anderen besuchten Nationen leben, beschränken sich auf Unterkünfte, Geldwechsler oder Bars. Wobei intime Bekenntnisse, weshalb der Reisende vor afrikanischen Frauen, die seiner Meinung nach Interesse an ihm bekunden, flüchtet, nicht fehlen. Die Aidsrate jeder bereisten Nation wird vorsorglich zitiert.

Die Frage, was oder wen wir sehen, wenn wir reisen, schwebt über den Buchstaben. Der Blickwinkel des Betrachters verstellt den Blick. Afrika zu bereisen, erfordert eventuell mehr, als ein Schild auf dem „Gibraltar“ steht und einen Reiseführer, der einen an die „wichtigsten“ Orte führt. „Der Fremde sieht nur, was er bereits kennt.“ Dieses Sprichwort aus Ghana beschreibt in seiner universellen Weisheit den Inhalt des Buches.

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Heli Higl, Hakuna Matata - 13 Gesichter Afrikas, Alleine durch den schwarzen Kontinent, Wagner Verlag GmbH 2007, 201 Seiten, ISBN: 978-3-86683-082-0,  € 14,90







Kommentare
Anzeige: 1 - 1 von 1.
 
Heli Higl aus Wien

Montag, 27-07-09 10:10

http://www.helihigl.net

Erst mal: Danke für die Kritik.
Der Vergleich mit einem Roadmovie gefällt mir sehr gut. Den sehe ich sehr positiv, da ich nicht Afrika erklären wollte und auch nich kann (wer kann diese komplexe Materie schon erklären - Ryszard Kapuscinski vielleicht, da er 40 Jahre dort war) sondern meine Reise erzählen - aus meinem Blickwinkel. Es steht auch nicht umsonst im Buchklappentext: "Sie werden nach dieser Lektüre mehr über Afrika wissen oder zumindest Heli Higl etwas kennen gelernt haben."
Es freut mich von einer Afrikanerin (Ghana?) einen Kommentar aus kultureller Sicht zu erhalten.
Heli Higl

 
 
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