Datum: 29.04.09 20:25
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Buch: Auf dem Strom von Hermann Schulz

Buchcover (c) Carlsen Verlag

 

Hermann Schulz „Auf dem Strom“ 

Kigoma/Tansania: Während einer Militärparade der Briten klettert ein Mann auf eine Fahnenstange und entfernt die britische Fahne. Das Gelächter der ZuschauerInnen gilt nicht der Aktion dieses Mannes, sondern der offensichtlichen Hilflosigkeit der Briten. Um eine übermäßige Bestrafung des Mannes zu verhindern, ruft der lokale König den deutschen Missionar Friedrich Ganse zu Hilfe.

Das Tansania der 1930iger Jahre war geprägt vom britischen Protektorat. Das diffizile System von Unterdrückung und Machtdemonstration in den britischen Kolonien wurde durch das Einsetzen von lokalen „Chiefs“ unterstützt, deren reeller Einfluss nicht vorhanden war. „In dieser ganz normalen Stadt in Afrika“ beginnt das Schicksal von Friedrich Ganse aus den Fugen zu geraten. Bei seiner Rückkehr in das Dorf, in dem er seiner missionarischen Tätigkeit nachgeht, ist seine Frau tot und seine Tochter leidet an einer Infektionskrankheit. Der schnellste Weg in das Hospital führt über den Fluss. Ganse macht sich auf die mehrtägige Reise. In den Nächten sucht er Schutz in den Fischerdörfern. Überall wird er freundlich empfangen und seine anfänglichen Vorbehalte gegen die Naturmediziner, die seine Tochter mit Kräutern behandeln, schwinden.

Hermann Schulz lässt dem Protagonisten Zeit, seine Sicht auf Tansania zu ändern. Zahlreiche Begegnungen spiegeln die Geschichte des Landes. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Tansania eine deutsche Kolonie. Historische und fiktive Erzählstränge ergeben ein Kaleidoskop der multiethnischen Gesellschaft Tansanias. Die im Buch erwähnte binationale Partnerschaft eines deutschen Geologen entspringt der Geschichte des Geologen Egon Friedrich Kirschstein, der im Jahr 1907 durch eine Expedition des Herzogs zu Mecklenburg nach Tansania kam und eine Schwarze heiratete. Der indische Händler, der Friedrich Ganse und seine Tochter am Ende ihrer Reise beherbergt, kann als Synonym für die jahrhundertealten Handelsbeziehungen zwischen Ostafrika und Indien gelesen werden.

Der Autor versteht es die unterschiedlichen Denkweisen und Perspektiven seiner ProtagonistInnen zu einem großen Ganzen zu verweben. Die präzise, auf das Wesentliche beschränkte Erzählweise wird von beeindruckenden Illustrationen von Wolf Erlbruch begleitet.

Eine für Jugendliche und Erwachsene gleichsam spannende Lektüre, frei von Ressentiments.  

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Deutscher Jugendliteraturpreis 2003, Sonderpreis Illustration 

Hermann Schulz: Auf dem Strom. Roman. Carlsen 2005. Gebunden, 136 Seiten,

ISBN: 978-3-551-58150-1







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