Datum: 16.01.10 15:27
Kategorie: Kultur-Film

Von: Filmstart.de/Carsten Baumgardt

Invictus: Der aktuellste Film von Clint Eastwood über Nelson Mandela

Nelson Rolihlahla Mandela gilt neben Martin Luther King und Malcolm X gemeinhin als bedeutendster Vertreter im weltweiten Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen. Diesem Mann, der 27 Jahre in politischer Gefangenschaft schmorte und als Präsident (1994 bis 1999) sein Land Südafrika weg von der Apartheid führte, ein Biographie-Drama zu gönnen, ist richtig - selbst wenn alles von amerikanischer Seite in Szene gesetzt wird. Und es ist der sicheren Hand und dem Können von Ausnahmeregisseur Clint Eastwood zu verdanken, dass sein Film nicht an dem gewählten Ansatz scheitert, sich dem Charakter Mandela über ein einzelnes Großereignis zu nähern. Als Aufhänger dienen Eastwood die Ausrichtung und der Gewinn der Rugby-WM im Jahr 1995, mit der der Friedensnobelpreisträger sein Volk über den Sport zusammenführen wollte. 

Von 1962 bis 1990 sitzt Nelson Mandela (Morgan Freeman) wegen politischer Aktivitäten in Südafrika im Gefängnis. Diese lange Zeit hinter Gittern haben ihn jedoch nicht verbittern lassen – ganz im Gegenteil: Mandela spricht am Tage seiner Entlassung im Stadion von Soweto vor 120.000 Zuschauern und wirbt für die Versöhnung der schwarzen und weißen Bevölkerung Südafrikas. 1994 wird er in freien Wahlen zum Präsident gewählt. Doch die Kluft zwischen den Schichten und Rassen des sich nur langsam verändernden Landes am Kap ist immer noch groß. Mandela greift zu einer politischen Raffinesse. Die schwarze Bewegung will die von ihnen verhassten Springboks, die Rugby-Nationalmannschaft und das nationale Symbol der Weißen, unbedingt zerstören. Doch Mandela sieht hier seine Chance. Er verhindert nicht nur die Demontage des Teams, in dessen Reihen nur ein einziger Schwarzer aufläuft, sondern bringt auch noch Teamkapitän Francois Pienaar (Matt Damon) hinter sich. Die Mannschaft soll während der Rugby-WM in Südafrika die Herzen des ganzen Landes erobern und Schwarz und Weiß vereinen. Der Kampf scheint so aussichtlos wie die Chancen der Springboks auf den WM-Titel. Mandela rückt immer näher an das Team heran und will so die Einigkeit trotz aller Vorbehalte erzwingen…

...Fazit: „Invictus“ ist der Name eines Gedichts, das Nelson Mandela während seiner 27-jährigen Haftzeit im Gefängnis immer wieder Trost und Hoffnung gespendet hat. Der Begriff bedeutet so viel wie „Der Unbesiegte“. Selbst wenn er nicht alle Ziele erreichte, ist Nelson Mandela tatsächlich einer, der sich nie unterkriegen ließ und derartig viel Güte zeigte, dass sie ein ganzes Land in eine neue Zeit führte. Das zeigt auch Clint Eastwood erstklassig inszeniertes Biographie-Drama, auch wenn es eher sportlich als gesellschaftlich und politisch auftrumpft. Die Schwächen und Auslassungen werden von einem großartigen Morgan Freeman und Eastwoods inszenatorisches Gespür überdeckt.

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