Datum: 03.03.10 20:08
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Afrikanet.info/Lisa Ndokwu

Wien: Alain Mabanckou liest heute aus seinem aktuellsten Buch "Black Bazar"

Alain Mabanckou (c)Hermance Triay

Buch Cover (c) Verlag Liebeskind

Anzüge vom Feinsten, die dazupassenden Schuhe und selbstverständlich der perfekte Krawattenknoten. So präsentiert sich ein passionierter Dressman auf den kongolesischen Parties in Paris. Lässig lehnt er in einer Ecke und betrachtet das andere Geschlecht. Er überprüft seine Theorie über den Zusammenhang von unterschiedlichen weiblichen Charakteren und der wiegenden B-Seite der anwesenden Frauen.

Im Leben jenseits der Anzüge arbeitet der Held von Alain Mabanckous Roman in einer Druckerei und schreibt sich auf einer alten Schreibmaschine seinen Liebeskummer von der Seele. Seine Frau ist mit seiner Tochter einem Bongospieler nach Brazzaville gefolgt. Aus dieser Stadt hat er sich vor vielen Jahren auf den Weg nach Paris gemacht und es ist klar, dass er nie wieder zurückkehren wird.

Alain Mabanckou lässt seinen Protagonisten fabulieren und philosophieren, über das Loch in der Sozialversicherung und den Kolonialismus, über die Situation der MigrantInnen, afrikanische Diktatoren, über die Liebe und den Tod. All das wird bei einem Bier und regen Gesprächen mit seinen Freunden in einer Bar im 1. Pariser Arrondissement diskutiert und verhandelt.

Humorvoll und mit dem distanzierten Charme der Ironie begleitet der Autor seinen Helden durch diesen Mikrokosmos der Gestrandeten und Heimgekehrten. In den grotesken Dialogen der Figuren schwingen die oralen Erzähltraditionen des Kontinents mit. Jede Figur erzählt die eigene Geschichte mit einem eigenen Timbre. Unverwechselbare Stimmen und Sichtweisen bilden den großen Chor der Zugewanderten, die in ihren Vierteln den Alltag mit viel Geschick und Improvisationstalent bewältigen. Die Lesenden begegnen dem sprichwörtlichen „Araber von der Ecke“, der einen Einkauf erst als erledigt betrachtet, wenn er seinen Monolog über die guten Taten eines bestimmten afrikanischen Diktators beendet hat. Oder „Monsieur Hippocrate“ von den Antillen, der sich als echten Franzosen sieht, und seine rassistischen Äußerungen vornehmlich im Müllraum predigt. Der Held tippt indessen auf Anraten eines befreundeten Schriftstellers auch im Park in seine Schreibmaschine und so gewinnen wir Einblick in tabuisiertes Terrain, wie das Vertriebssystem der verbotenen Bleichcremes.  

Alain Mabanckou gelingt es eine schmerzhafte Geschichte witzig zu erzählen. Vorurteile und Weisheiten sind oft nur durch die Interpunktion getrennt, vor allem sind sie auf keine Ethnie zu beschränken. Die zahlreichen Anspielungen auf Werke von renommierten AutorInnen, die versteckten Zitate und philosophischen Exkurse geben Einblick in das umfangreiche Wissen des Autors.

Getrübt wird das Lesevergnügen lediglich durch die Übersetzung. Die ironische Verwendung von „Negre“ im Original verliert sich in der deutschen Übersetzung ganz und gar durch die inflationäre Verwendung des N-Wortes. Für ein Buch, das in seinem Grundtenor die Vorurteile und die Möglichkeiten der Überwindung von Vorurteilen thematisiert, birgt dieser Umstand wiederum eine gewisse Ironie. Letztendlich bleibt die Frage, die sich der Protagonist stellt, vorläufig offen: “In welcher Welt leben wir eigentlich, wenn die Leute ständig die kleinen Gewissheiten zerstören, die unsere Vorurteile festigen?“ 

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Buchpräsentation in Wien in Kooperation mit dem Institut Francais Wien:

Lesung Alain Mabanckou

Einführung/Moderation/dtsche Lesung: Simon Inou

Mittwoch, 3. März, 19:00 Uhr

Hauptbücherei am Gürtel

Urban Loritz Platz 2a, 1070 Wien

Eintritt frei 

Alain Mabanckou, Black Bazar, aus dem Französischen von Andreas Münzner,

Verlag Liebeskind, München 2010, 272 Seiten, 20,40 €







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