Kategorie: Kultur-Literatur

Buch Cover
"In Afrika gibt es keine Straßen"
Wo Afrika drauf steht, ist nicht unbedingt Afrika drin. Der Bilderband „Afrika – Ansichten eines Kontinents“ zeigt ein einseitiges und stereotypes Bild des Kontinents.
Für den Bilderband „Afrika – Ansichten eines Kontinents“ bereiste Stefan Schütz 21 Länder Afrikas. Er legte 60. 000 km zurück, um schließlich doch nur ein einziges Bild vom afrikanischen Kontinent zu zeigen. Ein Bild - das einzige Bild, das in den Köpfen vieler Europäer vorhanden ist. Nämlich jenes eines rückständigen, armen Kontinents ohne Infrastruktur, aber mit atemberaubend schönen Landschaften. Nach dem man diesen Band mit zweifellos bewundernswerten Bildern genossen hat, ist einem zwar die Schönheit des Kontinents wieder lebhaft vor Augen geführt, doch es gibt so vieles was man nach der Betrachtung dieser Bildersammlung über den afrikanischen Kontinent nicht weiß. Wer noch nie in Afrika war und es mit diesem Buch zu kennenlernen versucht, ist leider zum Scheitern verurteilt.
Der Band zeigt viel Wunderschönes. Wunderschöne Landschaften, Tiere und Orte. Auch zeigt er das harte Leben von afrikanischen Bauern und Bäuerinnen. Doch damit endet das Spektrum im Großen und Ganzen auch schon. Es ist bedauerlicherweise ein einseitiges Bild von Afrika, dass Stefan Schütz in diesem Buch präsentiert.
Er hat die Chance verpasst den Kontinent jenseits von atemberaubenden Stränden, Kamelen und Mangobäumen zu zeigen. Afrika, so wie es ist, in all seinen Facetten, seiner Vielseitigkeit und seinen Widersprüchen bleibt dem Betrachter verborgen. Vermittelt wird das Bild eines rückständigen Kontinents, das neben einer schönen Natur nichts anzubieten hat. Die Reiseroute – von Marokko bis Südafrika – wird im Buch angegeben, aber trotzdem stellt sich die Frage: Wo war der Fotograf? Was hat er während seiner langen Reise durch Afrika gesehen? Auch welchen Straßen ist er gereist? Wo hat er gegessen, geschlafen, eingekauft? Wer Afrika ein wenig kennt, kann seine Reise nicht nachvollziehen. In dem Afrika, das er zeichnet gibt es kaum Städte, Straßen, kaum Autos. Dieser Kontinent ist fast frei von Asphalt. Er wird von Naturvölkern bewohnt, die größtenteils im Staub auf Stein, Boden oder Hockern sitzen. Dieser Kontinent hat bis auf wenige Ausnahmen keine Hochhäuser hervorgebracht. Die einzigen Hochhäuser, die man in dem Buch zu sehen bekommt befinden sich in Nordafrika. Was das vornehmlich europäische Bild von Afrika bekräftigt, dass südlich von Nordafrika bzw. nördlich von Südafrika nichts stattfindet.
„Wir dürfen hinein, aber die anderen dürfen nicht so ohne Weiteres heraus. Diese Freiheit verpflichtet, sie dankbar anzunehmen und zurückzugeben in Bildern, die so wahrhaftig sind, wie es eben möglich ist.“ Diese Worte finden sich in der Einleitung des Buches. Sie berühren, umso enttäuschender ist es, dass es leere Worte geblieben sind. Denn das wahrhaftige Afrika ist in diesem Buch leider nicht zu finden.
--------
Stefan Schütz (Fotograf), AFRIKA Ansichten eines Kontinents Seiten: 320, Format: 305 x 305 mm Cover: Hardcover mit Schutzumschlag Sprache: Deutsch Preis: 29,95 Euro ISBN: 978-3-8331-5356-3 |



