Datum: 23.11.10 08:18
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Schwarze Schwestern von Chika Unigwe

Eine Stadt in Europa. Die Einkaufsstraßen glitzern, jedes Geschäft eine Verheißung von Glück und im Winter vergisst man, dass der Rauch vor dem Mund von der Kälte und nicht vom Staunen kommt. Und Belgien liegt praktisch gleich neben London.

Eine der Protagonistinnen in Chika Unigwes Roman „Schwarze Schwestern“ stellt sich zwei nebeneinander liegende Türen vor, auf einer steht London, auf einer Belgien.

Wider besseres Wissen erhoffen sich vier junge Frauen aus Lagos ein erstrebenswertes Leben in Europa. Sisi, Ama, Efe und Joyce teilen sich eine Wohnung, ihre Schminkutensilien und hin und wieder Arbeitskleidung. Für Vertraulichkeiten ist kein Platz. Jede hütet ihre Geheimnisse.

Viele Berichte, Sachbücher und Artikel erscheinen zum Thema Zwangsprostitution und Frauenhandel. Nur wenige AutorInnen schreiben über diese Frauen, die Europa so schnell vergisst und offenbar so dringend braucht.

Die in Nigeria geborene Autorin Chika Unigwe hat Literaturwissenschaften studiert und lebt gegenwärtig in Belgien. Zahlreiche Interviews und Milieustudien sind dem Buch vorangegangen. Die ausführliche Recherche spiegelt sich in der Darstellung der Charaktere. Mit Empathie und in respektvoller Distanz schreibt sich Chika Unigwe in die Welt der versteckten Gassen, vergessenen Träume und alltäglichen Abhängigkeiten. „Fata Morgana“ ist der Titel des Romans im flämischen Original.

Die Lebensentwürfe der vier Protagonistinnen haben nicht nur die Hoffnung auf ein besseres Leben gemeinsam. Alle begegnen sie demselben Mann, der sie nach Europa „vermittelt“. Jede der Frauen entwickelt ihre eigenen Strategien, um die Zwangssexarbeit zu bewältigen.

Der Mord an einer der Frauen demonstriert nicht nur die unendliche Gewaltspirale, der die Sexarbeiterinnen ausgesetzt sind. Die Erkenntnis, dass Efe, Ama und Joyce nichts von Sisi wissen, verändert die Beziehung der drei Frauen.

„Schwarze Schwestern“ ist Fiktion, betont Chika Unigwe in ihren Interviews. Fiktion, die eindrücklich schildert, wie sich Sexarbeiterinnen ihre Würde und Selbstachtung erobern.

 

Lesung Chika Unigwe

Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Wien, Urban-Loritz-Platz 2a

Di, 23.11.2010, 19.00 Uhr

EXIT und Hauptbücherei präsentieren

Chika Unigwe liest aus Schwarze Schwestern (Tropen Verlag, aus dem Flämischen übers. v. Ira Wilhelm)
Moderation und Gespräch: Joana Adesuwa Reiterer (EXIT)

 







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