Datum: 19.08.11 07:35
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani

„Junger, bestens ausgebildeter Chemiker sucht Vollzeitstelle.“ Ein Abschluss in Chemie sollte in einem Erdöl exportierenden Land ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Der junge Ingenieur Kingsley möchte arbeiten und eine Familie gründen. Seine Träume verlieren sich in mehr oder weniger höflichen Absagebriefen. Das Konzept „Bildung als Garantie für ein gutes Leben“ schwimmt ihm in der dünnen Suppe, die seine Mutter ihrer Familie serviert, geradezu davon.

Die nigerianische Autorin Adaobi Tricia Nwaubani zeichnet mit ihrem Roman „Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy“ ein realistisches Bild der Arbeitswelt in Nigeria.

Kingsely wächst mit seinen Geschwistern in einer liebevollen Familie auf, in der die Eltern den Wert der Bildung an ihre Kinder weitergeben. Zertifikate kann man nicht essen und so beschließt Kingsely, der nach dem Tod seines Vaters zum Familienoberhaupt wird, bei seinem Onkel Boniface zu arbeiten. Trotz seiner schulischen Defizite ist Boniface unermesslich reich geworden. Seinen florierenden Firmenkonstrukten verdankt er den Namen Cash Daddy.

Kingsley steigt mit seinen perfekten Umgangsformen schnell im Unternehmen auf. Er wird ein 419, wie in Nigeria die kleinen und großen Betrüger genannt werden. Im Paragraph 419 des Strafgesetzes wird der Vorschussbetrug abgehandelt.  Die E-Mails aus Nigeria, die Unsummen von Provisionen versprechen, sind mittlerweile legendär. Kingsley verdient sein Geld mit originellen Mails, die in der westlichen Welt zu seinem Erstaunen immer noch funktionieren. Sein Tagesablauf ist bestimmt von den Antworten, die er aus aller Welt erhält. Prozentuelle Beteiligungen an Kapital, das außer Landes geschaffen werden muss, lässt viele Menschen investieren und vorfinanzieren. Diese Investitionen werden von Cash Daddy gut angelegt und für eine geraume Zeit taucht Kingsley in dieses System ein.

Das rasante Erzähltempo der Autorin spiegelt die absurd anmutende Welt der wenigen Reichen, die von einer verarmten Mehrheit verachtet oder bewundert werden. „I do not come to you by chance“, wie der Roman im Original heißt, wurde mit dem Commonwealth Writers Prize 2010 für den besten afrikanischen Debüt-Roman ausgezeichnet.

Adaobi Nwaubani ist jung und ihr Blick auf die harte Alltagsrealität Nigerias ist voller Humor und Leidenschaft. Im Roman wird die in Nigeria übliche Kultur des Debattierens ausführlich dargestellt. Die Dialoge spiegeln die vielfältigen Stimmen der Gesellschaften Nigerias. Die sprachlichen Nuancen der unterschiedlichen Milieus sind von Karen Nölle genial übersetzt.

Am Ende bleibt die Frage, ob wir arbeiten, um zu leben oder leben, um zu arbeiten, wieder einmal offen. Adaobi Nwaubani arbeitet hoffentlich schon an ihrem nächsten Roman.

Der Deutsche Taschenbuch Verlag war so freundlich und hat 1 Exemplar des Buches zur Verlosung zur Verfügung gestellt, Email an redaktion(at)afrikanet.info.

Adaobi Tricia Naubani, Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2011. Übersetzung: Karen Nölle.ISBN: 978-3-423-24861-7

www.dtv.de

 







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