Datum: 11.03.12 18:03
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

„The Last Journey of Marcus Omofuma“ von Emmanuel Obinali Chukwujekwu

Sichtbar fremd zu sein, bedeutet in Österreich einen täglichen Parcour zwischen offenem Rassismus und einer stummen Feindseligkeit zu überstehen.

Schwarze Menschen werden zudem zunehmend kriminalisiert. Es bedarf keiner schweren Vergehen. Allein die Tatsache in Österreich um Asyl anzusuchen, macht Personen aus dem afrikanischen Kontinent verdächtig. Ein abgelehnter Ayslbescheid bedeutet einen Gefängnisaufenthalt und die so genannte „Rückführung“ in das Heimatland.

Marcus Omofuma erstickte am 1. Mai 1999 in einem Flugzeug, das ihn in seine Heimat Nigeria bringen sollte. Er war einer von vielen, einer, der aus seinem Heimatland geflohen ist, um ein Leben ohne Verfolgung zu führen. Der Traum war zu Ende, als er wie ein Paket zusammengeschnürt in einem Flugzeug saß und einen qualvollen Tod starb.

Emmanuel Obinali Chukwujekwu ist Marcus Omofuma im Gefängnis begegnet. In der in Österreich als Schubhaft bezeichneten - letzten Station von AsylwerberInnen. Er hat in Erinnerung an Marcus Omofuma einen Bericht aus Erlebnissen und Erfahrungen über einen Gefängnisaufenthalt in Wien verfasst.

In seinem Buch rekonstruiert er in einer Synthese aus Fiktion und Realität die Gespräche und Befindlichkeiten der Menschen, die 40 mal 40 Quadratmeter zur Verfügung haben.

Es gelingt dem Autor die Veränderung der unterschiedlichen Charaktere von Menschen in Haft aufzuzeigen.

Marcus Omofuma war ein Mensch der Debatte. Das ist nicht verwunderlich. Nirgendwo sonst wird die Kunst der Debatte so zelebriert, wie in Nigeria. Diskussionen und Debatten bestimmen den Alltag. Und diese Kultur des Debattierens über Gott und die Welt hat Marcus Omofuma in einer Gefängniszelle in Wien weitergeführt, ganz so, wie er es in seiner Heimat gelernt hat.

Die Gespräche und Gebete mit den anderen Inhaftierten haben dem Gefängnisalltag eine andere Qualität verliehen. Wie eng die Hoffnung und die Verzweiflung verknüpft sind, wird in diesem Buch eindringlich geschildert.

Dieser Bericht ist vor allem ein Zeitdokument über die verborgenen Auswirkungen von restriktiver Gesetzgebung auf das Leben von Menschen.

 

Buchpräsentation:

11. März 2012, ACC, Siebenbrunnenfeldgasse 24, 1050 Wien

 

The Last Journey of Marcus Omofuma, Emmanuel Obinali Chukwujekwu, iUniverse 2011, ISBN: 978-1-4620-4618-8

 







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