Datum: 17.06.12 18:24
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Namibia fürs Handgebäck

Ein Mann und eine Frau steigen aus einem Baum und sind überwältigt von der schönen Landschaft. Der Baum hat den verheißungsvollen Namen Omumborombonga. Einer Legende nach ist dieser Baum der Ursprung der Völker Namibias. Der Autor Meshak Asare hat die über Jahrhunderte mündlich überlieferte Geschichte aufgeschrieben.

Mit den Büchern fürs Handgepäck hat der Unionsverlag den anderen Reiseführer eingeführt. Geschichten, die die Reisenden begleiten und den Blickwinkel auf mehr als das zu Sehende lenken.

Neben dem Geschäft mit Diamanten ist der Tourismus die zweitwichtigste Einnahmequelle Namibias. Mit 300 Sonnentagen im Jahr, unvergleichlichen Landschaften und einer reichen Fauna wird das dünn besiedelte Land beworben. Die zahlreichen Naturschutzgebiete sind das Ziel der Touristen. Einmal einen Elefanten, ein Nashorn oder einen Löwen zu sehen, ist der Wunsch der Reisenden. Der Etosha-Nationalpark umfasst gegenwärtig ein Gebiet von 22000 Quadratkilometern. Neun Vegetationszonen und eine kluge Kombination aus Naturschutz und touristischer Nutzung ermöglichen den Erhalt dieser „Arche Noah“. Der Park bietet nicht nur ein einzigartiges Naturerlebnis, er ist ein historischer Zeuge der leidvollen Geschichte dieses Landes. Bereits 1907, Namibia war vor dem Ersten Weltkrieg deutsche Kolonie, wurde die dreifache Fläche des heutigen Nationalparks unter Naturschutz gestellt.

Die gern verschwiegene Geschichte der Deutschen in Namibia ist durch zahlreiche deutsche Ausdrücke in Windhoek immer noch gegenwärtig. Das grausame 20. Jahrhundert beginnt in Südwestafrika, das erste Volk, das zu Zwangsarbeit und einem Leben in so genannten Konzentrationslagern gezwungen wurde, waren die Herero.

Der Widerstand gegen die deutsche Kolonialverwaltung ist untrennbar mit den Namen Hendrik Witbooi verbunden, der in seiner Korrespondenz den deutschen Kanzler Bismarck aufforderte, ihm Waffen zu schicken, damit er seinen Angriff gebührend beantworten könne. Auszüge aus den gewitzten Briefen bilden die Einleitung zu einer beeindruckenden Geschichte von Peter Orner. Etwa 100 Jahre später macht sich eine Schulklasse auf den Weg in die Wüste, zu der Stelle, wo Hendrik Witbooi auf seiner Flucht Halt machte.

Mehr als 100 Jahre - bis 1990 - dauerte es, bis Namibia seine Unabhängigkeit erlangte. Während des Ersten Weltkriegs wird das Land Mandatsgebiet Südafrikas. Die Auswirkungen der Apartheidpolitik werden in den vorliegenden Kurzgeschichten mehrfach thematisiert.   

Vinnia Ndadi erzählt von der Organisation des ersten Streiks in einer Fischkonservenfabrik in Swakopmund. Ndadi war ein aktives Mitglied der SWAPO, der Befreiungsbewegung Namibias. Seine Lebenserinnerungen bildeten die Grundlage für das Buch „Kontraktarbeiter Klasse B“, das in den 1980iger Jahren die Lektüre in der Anti-Apartheid-Bewegung war.

Auch ein Österreicher machte sich auf den Weg nach Namibia. Der Botaniker Friedrich Welwitsch gab einer besonderen Pflanze seinen Namen – Welwitschia. Über die Wunderblume, die in der Wüste überleben kann, ranken sich ebenso viele Geschichten wie über Namibia.

Wer immer nach Namibia, dem Land der Tapferen, reist, sollte dieses Buch im Gebäck haben.

 

Namibia fürs Handgebäck, Herausgegeben von Hans-Ulrich Stauffer, Unionsverlag Zürich, 2012, ISBN: 978-3-293-20553-6

www.unionsverlag.com







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