Datum: 24.02.13 08:00
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Segu. Die Mauern aus Lehm. Roman von Maryse Condé

Schaulustige versammeln sich an den Ufern des Niger, um den Weißen zu sehen, der Einlass in die Stadt begehrt. Der Herrscher des Königreichs Bambara verwehrt ihm diesen Wunsch. Es ist das Jahr 1797. Der Weiße heißt Mungo Park, er wird später über seine Afrikareise ein Buch verfassen. Die Stadt, die er nie sehen wird, heißt Segu.

Segu, die Hauptstadt des Königreichs, die im heutigen Mali zwischen Timbuktu und Bamako liegt, ist der Schauplatz dieses außergewöhnlichen Romans. Vor beinahe dreißig Jahren hat die Autorin Maryse Condé der Geschichte des Königreichs Bambara einen poetischen und detailreichen Roman gewidmet. Nun ist das Buch wieder einem deutschsprachigen Lesepublikum zugänglich.

Segu ist Ende des 18. Jahrhunderts eine wohlhabende und prosperierende Stadt. Einige wenige Familien beeinflussen die Geschicke der Stadt und genießen das Vertrauen des Königs. Dusika Traoré ist das Oberhaupt einer Familie, die mit der Geschichte der Stadt Segu unmittelbar verbunden ist. Anhand des Schicksals von drei Generationen der Familie Traoré wird der Niedergang von Segu beschrieben.  

Die 1937 auf Guadeloupe geborene Maryse Condé promovierte in Literaturwissenschaften an der Sorbonne. Danach lebte und lehrte sie zwölf Jahre in Westafrika. Ihr Aufenthalt in Mali inspirierte sie die Epoche des 19. Jahrhunderts aus der Perspektive eines einst mächtigen afrikanischen Königreichs zu betrachten.

Die Zeiten des Umbruchs kündigen sich mit dem Erscheinen des Briten Mungo Park an. Der Patriarch Dusika Traoré sieht sich mit Intrigen, religiösen und ethnischen Konflikten konfrontiert. Das Vertrauen, das ihm der Mansa, der König der Bambara, entgegen gebracht hatte, schwindet. Sein ältester Sohn tritt zum Islam über und verlässt Segu. Sein familiäres Geflecht aus Frauen und Konkubinen gerät ins Wanken. Ein anderer Sohn wird Opfer des Sklavenhandels und landet letztendlich in Brasilien. Als im Jahr 1861 muslimische Eroberer in die Stadt Segu einziehen, ist das Familiengewebe Dusika Traorés zerfallen.

Maryse Condé entwirft in ihrem mehr als 600 Seiten umfassenden Roman ein Epos, das von Kriegen, religiösen Fanatikern, dem menschlichen Streben nach Macht, aber auch von den Menschen, die diesen Einflüssen ausgeliefert sind, handelt. „Segu ist auf Verrat gebaut“, schreibt die Autorin zu Beginn des Romans. Am Ende der Lektüre ist man versucht, den Satz „Segu ist überall“ hinzuzufügen.

 

Maryse Condé, Segu. Die Mauern aus Lehm. Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Unionsverlag 2012, ISBN: 978-3-293-20587-1

www.unionsverlag.com







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