Datum: 01.10.13 19:48
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Binyavanga Wainaina. Eines Tages werde ich über diesen Ort schreiben.

Verlag Das Wunderhorn GmbH

Als seine Großeltern mütterlicherseits ihre diamantene Hochzeit feiern, reist die auf der ganzen Welt lebende Familie des Autors in die Heimat seiner Mutter, nach Norduganda. Im Trubel der Feierlichkeiten und des Wiedersehens entscheidet Binyavanga Wainaina, dass er eines Tages über diesen Ort schreiben werde.

Entstanden ist ein Band mit Erinnerungen, der den Bogen von der behüteten Kindheit in Nairobi/Kenia, über das Studium und die ersten Berufserfahrungen in Südafrika bis zum Werden eines jungen Autors spannt, der sich seinen Platz in der zeitgenössischen afrikanischen Literaturszene erschreibt.

Mit der Kurzgeschichte Discovery Home gewinnt er 2002 den Caine Prize for African Writing. Danach gründet er die wichtigste Zeitschrift für neue afrikanische Literatur, Kwani.

Der Ort über den Binyavanga Wainaina schreibt, lässt sich topographisch nicht so einfach bestimmen. Zum einen schreibt der 1971 geborene Autor über seine Familie, zum anderen lässt er die politischen und historisch bedeutsamen Ereignisse in Kenia, Südafrika und Uganda in seine Erinnerungen sehr lebendig einfließen. Seine für Ostafrika nicht ungewöhnliche binationale Familienkonstellation - sein Vater ist Kenianer, seine Mutter aus Uganda - birgt viele Geschichten, die bei der Namensgebung der vier Kinder beginnen und letztendlich die Phantasie und Fabulierfreude des Autors begründen. Binyavanga ist der Name des Vaters der Mutter und sie gibt ihn im Sinn ihrer Tradition an ihren Zweitgeborenen weiter. Je nach politischer Situation in Kenia wird sein Name ein Problem oder eine Bereicherung sein.

Dieses Detail der Namensproblematik fließt lebhaft und in unterschiedlicher Form in die Erinnerungen ein. Woran erinnern wir uns und wie erzählen wir es? Binyavanga Wainaina hat sich entschieden, eine detaillierte und ausführliche Erzählvariante zu wählen. Die Lektüre wird zu einem Parcours, ein beeindruckendes Bild wird vom nächsten überlagert. Da sitzt der kleine Binyavanga unter einer Trockenhaube im Friseurgeschäft seiner Mutter und beschreibt die Kundinnen in all ihrer Vielfalt,  im nächsten Moment finden wir ihn als großen Bruder, der im Schatten seiner klugen Schwester steht. Literarische Fiktion der Erinnerungskultur wird kombiniert mit der Lust am Fabulieren. Diese Kombination ist allzu oft ein wenig zu langatmig geraten und hätte ein sorgfältiges Lektorat vertragen.

Die zahlreichen Dialoge und inneren Monologe können letztendlich als ein Tribute an die Erzähltradition des Autors Okot p`Bitek interpretiert werden. Der Ethnologe und Schriftsteller aus Uganda arbeitete eng mit Ngugi wa Thiongo zusammen, der im Buch und im Leben von Binyavanga Wainaina eine ebenso große Vorbildfunktion einnimmt wie viele andere afrikanische Autoren und Autorinnen, die in diesen Erinnerungen zitiert und erwähnt werden.

„Eines Tages werde ich über diesen Ort schreiben“, ist ein individueller Erinnerungsparcours   eines Autors, der entdeckt, er kann aus all den „Bildern seiner Vergangenheit, etwas Neues schaffen“.

Binyavanga Wainaina, Eines Tages werde ich über diesen Ort schreiben. Erinnerungen. Aus dem Englischen von Thomas Brückner. AFRIKAWUNDERHORN 2013

ISBN: 978-3-88423-427-3

www.wunderhorn.de

 

 

 







Kommentare

Keine Einträge

Kommentarformular

öster News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz
18. August
2019mehr
Sonntag

Suchen & Finden



Letzte Kommentare

Keine Einträge

designed and implemented by BILCOM