Datum: 19.01.14 19:36
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Damals, jetzt und überhaupt. Roman von Jamaica Kincaid

Unionsverlag

„Die Dinge ändern sich“, mit diesem Satz verlässt Mr. Sweet Mrs. Sweet. Die Sweeties sind eine Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder, wie sie uns überall begegnen können. Ein Haus, ein Garten, ein Auto und jede Menge geheime Gedanken, die jeder für sich in seinem Kopf herumträgt und im Kreis denkt.

Jamaica Kincaid hat mit ihrem Roman „Damals, jetzt und überhaupt“ die Liebe zwischen Mann und Frau in ein sprachliches Surrogat verwandelt, das der Hoffnung keinen Platz lässt. Und dennoch, die Autorin setzt auf ihre unvergleichliche Poesie, Wort um Wort werden Luftschlösser gebaut und abgetragen, Welten und Gegenwelten entstehen, niemand sagt die Wahrheit und jeder erwartet sie immer und überall, damals und jetzt.

Mr. und Mrs. Sweet verkörpern die Ehe des 21. Jahrhunderts, sie begegnen sich in der Fremde und bleiben einander ein Leben lang fremd. Vorsichtig tasten sie sich aneinander heran, entdecken das Fremde als liebenswert und fallen nach einiger Zeit in eine tiefe Leere.

Mrs. Sweet steigt eingehüllt in einen dichten schwarzen Zopf und einen Kranz von Gewürzen von einem Bananendampfer, der eigentlich keine Menschen transportiert. Neu England ist das ersehnte Paradies.

Mr. Sweet stammt aus New York, dem einengenden Großbürgertum entkommen, fasziniert ihn die kleinbürgerliche Idylle eines Hauses in Neu England vorerst. Als Komponist ist und bleibt er immer etwas Besonderes.

Das Besondere dieser Beziehung wird zelebriert, die Namen der Kinder Heracles und Persephone persiflieren die Ansprüche an die eigene Existenz und die Erwartungshaltung an die Nachkommen.

Die Bitternis über die Veränderungen des jeweils Anderen, die kleinen und großen Lügen, die höfliche Distanz und der innere Groll sind die Themen, um die die Autorin die Protagonisten kreisen lässt. Das Stilmittel der Wiederholung, das Jamaica Kincaid mit viel Geschick auch schon in ihren vorhergehenden Romanen eingesetzt hat, unterstreicht die Abgründe und die Ausweglosigkeit.

Große Monologe der handelnden Personen werden aneinander montiert und folgen einzig und allein dem Konzept der Unvereinbarkeit von Liebe und Liebe, die Liebe zwischen den Eheleuten und deren Liebe zu ihren Kindern wird seziert und verworfen.

Jamaica Kincaid hat einen Roman über die Liebe in Zeiten der Migration geschrieben, diese ewige Suche umfasst eine Zeitspanne, die die Antike bis zur Gegenwart erfasst, und ein kleines Fenster in die Zukunft öffnet -  damals, jetzt und überhaupt.

Jamaica Kincaid. Damals, jetzt und überhaupt. Roman. Aus dem Englischen von Brigitte Heinrich, Unionsverlag 2013, ISBN: 978-3-293-00462-7

www.unionsverlag.com

 







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