Datum: 02.08.14 10:10
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Wenn der Mond stirbt. Kriminalroman von Richard Crompton

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Mollel geht mit seinem Sohn die Biashara Street in Nairobi entlang. Es ist kurz vor Weihnachten und viele Menschen sind auf der Suche nach Geschenken. Sein Sohn wünscht sich schon lange Zeit ein Fahrrad. Als strafversetzter Verkehrspolizist verdient Mollel wenig und obwohl er den Argumenten, die für ein Fahrrad sprechen einiges abgewinnen kann, weiß er um seine geringen finanziellen Mittel, um diesen Wunsch zu erfüllen.

Noch am selben Tag ändert sich sein ganzes Leben. Eine tote Massai wird in einem Abwasserkanal gefunden. Vieles deutet darauf hin, dass die junge Frau Prostituierte war. Dieser Fall wird Mollel, der ebenfalls Massai ist, übertragen. Er kehrt temporär in sein ursprüngliches Ressort, die Mordkommission zurück.

Mit Mollel hat der in Nairobi beheimatete Journalist Richard Crompton einen Kriminalisten erdacht, der alle Eigenschaften eines Serien-Kommissars hat. Neben seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, zelebriert er seine Rolle als Außenseiter und Alleinerzieher, legt keinen Wert auf seine äußere Erscheinung und widersetzt sich den Anweisungen seines Vorgesetzten, wenn es um die Lösung eines Falles geht. Gesundheitliche Probleme und zahlreiche  Geheimnisse ergänzen die Ausnahmeerscheinung „Kommissar Mollel“.

Die Stadt Nairobi ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt und bedeutet so viel wie „kühler Fluss“. Einer Überlieferung zufolge sollen die Massai den Ort so genannt haben. Die Verwurzelung der Menschen in der Mythologie, in der Religion und in all dem, was mit Traditionen umschrieben werden kann, thematisiert der Autor unspektakulär. Gelebte Diversität ist in einer Mega-City kein theoretisches Konstrukt, sondern Alltag.   

Die Handlung ist eingebettet in die Ereignisse rund um die Wahlen im Dezember 2007. Vermeintlicher Wahlbetrug und soziale Unruhen sind der Bevölkerung Kenias in schmerzhafter Erinnerung geblieben.

Das brennende Nairobi am Tag der Wahl ist für Mollel und seinen Kollegen Kiunga der Tag, an dem sich das Dickicht aus Korruption und Verrat aufklärt. Lucy, die junge ermordete Massai, hat nicht alle ihre Geheimnisse mit in den Tod genommen. Prostitution, Korruption in Politik und Gesellschaft sowie Prediger und Kirchengründer spannen ein enges Netz, in das Mollel und Kiunga geraten.

Die Hoffnung auf Vergebung suggeriert den Figuren die Kraft der Verzweifelten und am Ende ist der Mörder nicht der korrupte Geschäftsmann, mit dem Lucy eine Beziehung hatte, am Ende ist es der Mond, der alles weiß und zur Aufklärung des Falles seinen Teil beiträgt. Ganz so wie in der Sage der Massai, in der der Mond stirbt und der Tod in die Welt kommt.

Wenn der Mond stirbt. Kriminalroman von Richard Crompton. dtv premium 2014. Deutsch von Claudia Feldmann. ISBN: 978-3-423-26015-2

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