Datum: 21.05.15 09:49
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Black Star Nairobi. Roman von Mukoma wa Ngugi

Transit Buchverlag Berlin

Ein junger Mann in feinem Anzug hängt im Ngong Wald an einem Baum. Die beiden Ermittler, Ishmael Forfana und Detective Odhiambo, sind sich einig, der Tote mit dem schiefen Lächeln bedeutet Unheil. An nächsten Tag wird auf das Norfolk Hotel in Nairobi ein Bombenanschlag verübt. 

Der Anschlag auf das Norfolk Hotel im Jahr 2007 ist der Auftakt zu einer rasanten Erzählung, die die politische Elite Kenias als auch die so genannte Weltpolitik mit distanzierter Ironie beschreibt. In Kenia sind Parlamentswahlen und in den USA gibt Barack Obama seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen bekannt. Der reale Hintergrund dient dem Autor als Kulisse. Seine fiktionalen Charaktere sind so vielfältig wie die Metropole Nairobi.

Mukoma wa Ngugi gelingt es mühelos, jede seiner Figuren respektvoll und einzigartig zu zeichnen.  An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass Mukoma wa Ngugi einen berühmten Vater hat, den Schriftsteller Ngugi wa Thiong´o, der seit einigen Jahren regelmäßig als Geheimtipp für den Nobelpreis gehandelt wird. „Black Star Nairobi“ ist das zweite Buch von Mukoma wa Ngugi und es hält, was es verspricht. Die besondere Agentur für Ermittlungen, „Black Star“, begleitet uns durch ein besonderes Buch. 

Odhiambo und Ishmael erkennen schnell, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem Toten aus dem Ngong Wald gibt. Die Gefahr, in der sie sich befinden, unterschätzen sie. Vier weiße Männer überfallen sie. Odhiambos Frau wird getötet. Die Suche nach dem Mörder führt die beiden Freunde über Mexiko City bis in die USA und wieder zurück nach Kenia. Mit jedem neuen Ort, den sie betreten, wird die Handlung komplexer. In einem perfiden Zusammenspiel von Macht, Korruption und Größenwahn lassen sich die Akteure nicht so einfach aushebeln. Odhiambo und Ishmael können ein wenig am Image der Eliten kratzen und zumindest einer fällt in die Grube, die er sich selbst gegraben hat. 

Die vielen Figuren, die in diesen Roman lebendig werden, erfordern ein aufmerksames Lesen. Mit einem Toten als Entrée scheint die Bestimmung des Genres einfach zu sein. Doch Mukoma wa Ngugi hat mit „Black Star Nairobi“ mehr als einen Krimi geschrieben. In seiner global gedachten Welt lässt sich keine Frage eindeutig beantworten. Differenzierte und widersprüchliche Antworten sind die Essenz dieses Buches. Die Souveränität des Autors im Umgang mit seinen Charakteren, lassen am Ende auf eine Welt hoffen, in der Gerechtigkeit nicht nur eine philosophische Abhandlung ist.

 

Black Star Nairobi. Roman von Mukoma wa Ngugi, aus dem amerikanischen Englisch von Rainer Nitsche und Niko Fróba. Transit Verlag 2015, ISBN: 978-3-887473143

www.transit-verlag.de







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