Datum: 30.08.15 19:28
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Der Afrika-Boom. Von Andreas und Frank Sieren

Carl Hanser Verlag München

Aliko Dangote heißt der reichste Mann Afrikas. Sein Vermögen wird auf 21.6 Milliarden US-Dollart geschätzt. Er besitzt einen Konzern, der unter anderem der größte Zementhersteller Afrikas ist. Mitte der 1970iger Jahre begann sein Aufstieg. Heute hält er unter anderem Anteile an einem Mobilfunkkonzern und an Ölfeldern. Aliko Dangote ist Nigerianer und lebt somit in einem der Länder Afrikas, die mittlerweile als Wachstumsmarkt betrachtet werden.

Der Kontinent, der im Bewusstsein vieler als Kontinent der Katastrophen verortet ist, wird von den beiden Autoren Andreas und Frank Sieren aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Der Untertitel ihres Buches „Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts“ umfasst prägnant den Inhalt des gut recherchierten Sachbuchs.

Afrikas Bevölkerung ist jung. Das Interesse an Bildung groß. Die Voraussetzung für das Gelingen einer Bildungsbiographie schafft vor allem der Mittelstand. Mittlerweile hat sich das gesellschaftliche Bild gewandelt. Noch vor zehn Jahren wurden die wenigen Reichen – wie etwa der erwähnte Aliko Dangote – einer unermesslich großen Anzahl an von Armut betroffenen Menschen gegenüber gestellt. Der Mittelstand war in einigen wenigen Ländern rudimentär vorhanden. Nun umfasst die Mittelschicht etwa 300 Millionen Menschen. Damit ist nicht nur das Konsum-Volumen gestiegen, auch der Anteil an Kindern und Jugendlichen wächst, denen ihre Eltern eine bessere Ausbildung als sie sie selbst hatten, ermöglichen.

Die Investoren in Afrika bewegen sich auf einem Terrain, das ihnen Gegengeschäfte garantiert. Der Kontinent verfügt über begehrte Rohstoffe. China, Indien, aber auch Brasilien investieren seit vielen Jahren erfolgreich in unterschiedliche Projekte. Afrika ist ein ernstzunehmender Handelspartner, mit dem auf Augenhöhe kommuniziert wird.

Anhand von Stadtentwicklungsprojekten zeigen die Autoren, wohin sich der Kontinent bewegen kann. Ein chinesischer Unternehmer baut auf den Hügeln vor Johannesburg eine Stadt für etwa 100 000 Menschen. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass hier moderne Urbanität eingebettet in die afrikanische Landschaft gelebt werden soll. So soll eine neue Form der Lebensqualität entstehen.

Auch in Accra/Ghana wird derzeit ein großes Infrastrukturprojekt abgewickelt. Hier entsteht die so genannte HOPE-City steht für: Home, Office, People, Environment. Hier soll das höchste Gebäude Afrikas entstehen, ein 270 Meter hoher Turm. 30 Prozent dieses Projekts werden von ghanaischen Unternehmen finanziert, der Rest durch Streuinvestitionen. Die zahlreichen Beispiele der Autoren zeigen einen prosperierenden Kontinent.

Den europäischen Staaten werden Versäumnisse und Ressentiments in Bezug auf Investitionen am afrikanischen Kontinent zugeschrieben. Als eklatantes Beispiel nennen die beiden Autoren den EU-Afrika-Gipfel im Jahr 2014. Hier wurden zwar militärische Abkommen ausgehandelt, aber kaum nachhaltige wirtschaftliche Verbindlichkeiten getroffen.

Die Probleme Afrikas -  wie etwa keine ausreichende Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung, Arbeitslosigkeit, Bildungsdefizite, Piraterie und nicht zuletzt die für eine florierende Wirtschaft wichtige Energieversorgung - werden von den Autoren zwar erwähnt, aber die Lösungen werden gefunden werden. Tendenzen dafür erkennen die Autoren bei der Bewältigung der Ebola-Krise.

Hier scheint es, wird im Positiven genauso übertrieben, wie wir es von der laufenden negativen Berichterstattung kennen. Ein wenig trübt dieser Turbo-Optimismus das Leseerlebnis.

Unumstritten ist dieses Buch eine außerordentliche Sammlung des wirtschaftlichen Aufbruchs in Afrika. Das Verdienst der Autoren ist es, diese Perspektive sichtbar gemacht zu haben. 

Der Afrika-Boom. Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts. Andreas Sieren / Frank Sieren. Carl Hanser Verlag 2015, ISBN: 978-3-446-44306-8 







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