Datum: 24.02.16 21:23
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Malla Nunn. Tal des Schweigens

Ein totes Mädchen ruht friedlich im Gras. Unter ihrem Nacken liegt eine zusammengerollte Decke. Blüten bedecken ihren Körper. Sie heißt Amahle und ist die schönste Tochter von Chief Matebula.

Als Detective Sergeant Emmanuel Cooper und Constable Samuel Shabalala am Fundort eintreffen, ist die Familie des Mädchens bereits da und möchte den Leichnam mitnehmen.  Die beiden Ermittler wissen um die Rituale in der Provinz Natal. Aber sie sind aus Durban angereist, ein anonymer Anruf hat einen Mord gemeldet.

„Tal des Schweigens“ ist Malla Nunns dritter Krimi. Wobei über das Genre lässt sich diskutieren. Ebenso ist es ein historischer Roman über die südafrikanische Gesellschaft in den 1950iger Jahren. Die Apartheid mit all ihren Fratzen begegnet uns auf jeder Seite dieses bemerkenswerten Buches. Die vielen Schichten des Schweigens, auf die die beiden kongenialen Ermittler stoßen, sind in die idyllische Landschaft eingebettet. Amahle scheint ein Geschöpf dieser Idylle gewesen zu sein. Schön, gutherzig und eingebunden in die Strukturen des Dorfes wirkt der Mord an ihr wie ein Versehen.

Doch die Absicht wird spätestens nach dem Fund einer zweiten Leiche bestätigt. Ein junger Gärtner, ebenfalls beschäftigt bei der Familie, bei der Ahamhle gearbeitet hat, wird auf einem Felsplateau entdeckt. Einzig sein Interesse an Amahle scheint ihm das Leben gekostet zu haben.

Mutmaßungen zu Gegenwart, Vergangenheit und vermeintlicher Zukunft der Protagonisten bestimmen die Ermittlungsarbeit. Die zuständige Polizeidienststelle, die einzige Ärztin in der Provinz, Familie Reed auf ihrem Anwesen Little Flint, Amahles Mutter und ihre Schwester, der Clan von Chief Matebule und die vielen anderen handelnden Personen bilden einen Chor der Schweigenden. So verschwören sie sich auch gegeneinander und beinahe hätten Sergeant Cooper und Constable Shabalala nicht mehr aus dem Wald, in dem sie sich verirren, gefunden.

In dieser üppigen Vegetation streunt ein Junge umher. Gabriel ist der jüngste Sohn der Arbeitgeber von Amahle. Sie war es, die dieses Kind mit besonderen Bedürfnissen, zu trösten verstand. Gabriel wird zum Botschafter zwischen den Welten.  Die Wortschöpfungen, die die Autorin ihm zuschreibt, zählen zu den schönsten Stellen des Buches.

Er erzählt von Mr. Versicherungspolice, Mr. Busticket und der roten Königin. Mit diesen märchenhaften Figuren schafft die Autorin eine Atmosphäre aus Ignoranz, Neid und Missgunst, die Ingredienzien für die Kluft zwischen den Welten in Südafrika.

In diesem Tal versammelt sie die neue Gesellschaft Südafrikas, geteilt in Weiß und Schwarz. Ungesagtes und Unaussprechliches wird von Malla Nunn in Poesie verwandelt. Und gespannt warten wir auf den nächsten Anruf für Sergeant Cooper und Constable Shabalala.

Malla Nunn. Tal des Schweigens. Deutsch von Laudan & Szelinski. Ariadne Krimi. Argument Verlag 2015. ISBN 978-3-86754-207-4







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