Datum: 02.04.16 14:07
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Der Ort, an dem die Reise endet. Roman von Yvonne Adhiambo Owuor

www.dumont-buchverlag.de

Burma heißt der Sehnsuchtsort eines jungen Mannes im Norden Kenias. Für diese Reise ist er bereit alles zu tun. Doch als er auf eine ungewöhnliche Frau trifft, vergisst er, wohin er eigentlich wollte. Ein Sohn und eine Tochter werden geboren. Kenia wird unabhängig.  Wortkarg, angepasst an dieses trockene Land, bahnt sich Ndipo Oganda seinen Weg durch die Wirrnisse, die das Leben für ihn bereithält.

Für ihren Debütroman „Der Ort, an dem die Reise endet“, hat die Autorin Yvonne Adhiambo Owuor den Jomo Kenyatta Prize erhalten.  Der Preis, benannt nach dem ersten Präsidenten Kenias, könnte nicht treffender zuerkannt sein. Der Autorin ist das seltene Kunststück gelungen, ein poetisches Buch über grausame politische Rituale zu schreiben. Kenias wechselvolle Geschichte von der britischen Kronkolonie bis zu den verhängnisvollen Wahlen von 2007 wird mit der Geschichte zweier Familien verwoben.

Yvonne Adhiambo Owuor lehrt uns, was Sprache kann, wenn jemand die Sprache beherrscht. Macht und Ohnmacht sind in diesem Roman die poetischen Parameter des Erzählens. Worte, feinsinnig und gewaltig, immer richtig gewählt bestimmen von Beginn an dieses ostafrikanische Epos. Wie in jedem großen Roman geht es um die Liebe und um den Tod.

Eröffnet wird die Erzählung mit dem Tod von Odidi Oganda in den Straßen von Nairobi. An seiner Seite ein Polizist, der dem Vater Ndipo Oganda vor vielen Jahren bei einem Verhör die Finger gebrochen hat. Als Ndipo mit seiner Tochter Ajany in Nairobi eintrifft und den Leichnam nach Hause holt, landet Isaiah Bolton in der Metropole. Auch er ist auf der Suche nach dem ehemaligen Zuhause seines Vaters, den er nie kennen gelernt hat. Der Ort, an dem sich alle Protagonisten treffen, heißt Wuoth Ogik. Es ist der Ort, an dem die Reise endet. Hugh Bolton, ein britischer Abenteurer errichtete das Haus, in dem die Familie Oganda lebt. Sein Sohn Isaiah hat ein Buch und ein Bild einer Schwangeren als Anhaltspunkt für die Existenz seines Vaters. Die einzige Person, die ihn eingeladen hat und mit ihm reden wollte, war Odidi Oganda, gestorben in Nairobi vor den Wahlen von 2007. Hugh Bolton gilt offiziell als vermisst. Sein Polizeiakt wurde niemals geschlossen, der Ermittler Ali Dida Hada wird auch so viele Jahre später nicht gern mit seinem ersten ungelösten Fall konfrontiert.

Nach allen Regeln der Suspense-Literatur führt die Autorin Figuren ein, lässt die Lesenden teilhaben an einer kleinen Geschichte dieser und einer kleinen Geschichte jener Figur, die am Ende ein großes Ganzes ergeben.  

Ndipo Oganda, Hugh Bolton und Ali Didi Hada verbindet die Liebe zu einer Frau, Akai Lokorijam. Jedes Geheimnis dieses Buches hat bei ihr seinen Anfang und sein Ende. Diese Figur verbindet die reale mit der spirituellen Welt. Denn Akai hat sich verabschiedet in eine Welt des Wahns und Traums. Der Zugang zu dieser Welt ist verschlossen.

Es ist Ajany, die unbeachtete Tochter, die Odidis Leben rekonstruiert und es Stein für Stein zusammenbaut. Ganz so wie Yvonne Adhiambo Owuor ein Haus aus Worten gebaut hat, am Ende bewegen wir uns von Raum zu Raum, um festzustellen, der Ort, an dem es noch ein Geheimnis gibt, ist überall. Und Ndipo Oganda macht sich endlich auf seine Reise nach Myanmar, insgeheim nennt er es Burma.

Der Ort, an dem die Reise endet. Roman von Yvonne Adhiambo Owuor. Aus dem Englischen von Simone Jakob. DuMont Buchverlag, Köln, 2016. ISBN: 978-3-8321-9820-6







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