Datum: 07.06.16 12:15
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Maestro, Magistrat und Mathematiker. Roman von Tendai Huchu

Peter Hammer Verlag

Einer Schicht, die 72 Stunden dauert, verdankt Maestro seinen Namen. Es ist seine Arbeitskollegin Tatjana, die ihn den Tesco-Maestro nennt. Die Schilder der Tesco Supermärkte gehören zu Edinburgh wie die vielen Zuwanderer, die in der Stadt ein neues Leben beginnen wollen.

Magistrat ist einer dieser hoffnungsvollen Arbeitssuchenden. In seiner Heimat Zimbabwe war er ein angesehener Richter. Aus dem angesehenen Mann wurde ein nicht gern gesehener und er übersiedelte mit Frau und Tochter in die Universitätsstadt Edinburgh.

Einzig und allein seines Studiums wegen lebt auch Farai, der von allen nur der Mathematiker genannt wird, in dieser Stadt. Seine Familie in Zimbabwe kann die Beendigung seiner Dissertation kaum erwarten.

In seinem zweiten Roman „Maestro, Magistrat und Mathematiker“ thematisiert der Autor Tendai Huchu die vielfältigen Alltagshürden eines Lebens in der Immigration. Drei Lebensentwürfe werden in all ihren Facetten beschrieben. Formal wählt der Autor für jeden der drei Protagonisten einen eigenen Stil. Die eigenwilligen Stimmen der Figuren erklingen in einem großen Chor der Globalisierten, dissonant und delokalisiert.

Die drei Männer kommen ursprünglich alle aus Zimbabwe, sie kennen einander nicht und nur ein einziges Mal werden sie alle gemeinsam in einem Raum sein. Gern würde ich jetzt „zufällig“ schreiben, weil dann auch die Leichtigkeit des Erzählens dieses Autors einfließen könnte. Aber Tendai Huchu überlässt nichts dem Zufall. Sein Roman ist eine Komposition, die Noten hängen nicht irgendwie zwischen den Zeilen, sie sind perfekt verteilt und klingen lange nach.

Wie im richtigen Leben stellt sich mitunter ein fahler Geschmack ein, die Protagonisten verlieren sich Kapitel um Kapitel  in ihrer Alltagsbewältigung. Maestro wandert schlaflos und schließlich obdachlos durch Edinburgh. Magistrat findet als Pflegehelfer Arbeit und entdeckt, dass seine Tochter bereits erwachsen ist. Mathematiker gerät durch sein Interesse an einem bestimmten angolanischen Ökonomen in dubiose Kreise. An jeder Ecke lauert und lungert die heimliche Hauptfigur, ein lang ansässiger Landsmann, der eine Arbeitsvermittlung betreibt und der mit einer „Bewegung für demokratischen Wandel“ einen Umbruch in der Heimat herbeiführen will. Alfonso Pfukuto wird nur einmal und von einer Person als gefährlich eingestuft. Es ist Farai, der Student, der in ihm einen ehemaligen Wachmann seiner Familie erkennt und sich an kriminelle Machenschaften erinnert.

Die Währung, in der die Zuwanderer zahlen, heißt Erinnerung. Wie hoch die Zinsen sind, erfahren die Lesenden Seite um Seite.

Tendai Huchu hat einen bemerkenswerten Roman über Menschen geschrieben, die sich auf den Weg in ein anderes Land machen, weil sie meinen, es kann ihnen nichts mehr geschehen. Und dann geschieht doch noch unendlich vieles, auf das niemand vorbereitet ist.

Auf einer Party, auf der Farai eingeladen ist, begegnet er einem Schriftsteller, Tendai Huchu ist sein Name.

 

Maestro, Magistrat und Mathematiker. Roman von Tendai Huchu. Aus dem Englischen von Jutta Himmelreich. Peter Hammer Verlag GmbH. Wuppertal 2016, ISBN: 978-3-7795-0535-8 

www.peter-hammer-verlag.de







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