Datum: 26.09.16 15:20
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Kubas Hähne krähen um Mitternacht. Roman von Tierno Monénembo

Peter Hammer Verlag 2016

Ignacio Rodrigez Aponte hat das Glück, dass er vieles sieht und nichts wirklich bemerkt, eine Eigenschaft, die ihm im spätkommunistischen Kuba zu einer guten Einkommensquelle verhilft. Er ist Fremdenführer in Havanna. Rum, Salsa und die Frauen zählen zu seiner Angebotspalette. Als Tierno Alfredo Diallovogui mit einer Maschine aus Paris in Havanna landet, wird er von Ignacio sofort mit sämtlichen wichtigen Sehenswürdigkeiten vertraut gemacht.

Viele Monate später wird Ignacio einen langen Brief verfassen, adressiert an Tierno, geboren auf Kuba, aufgewachsen in Guinea, Besitzer eines Feinkostgeschäfts in Paris und Tourist auf Kuba, ausgewiesen nach Frankreich.

Der Autor Tierno Monénembo wurde als Tierno Diallo 1947 in Guinea geboren, flüchtete als junger Mann in den Senegal, studierte in Abidjan (Cote d´Ivoire) und Frankreich, hat einen Abschluss in Biochemie und veröffentlicht seit mehr als dreißig Jahren Romane und Erzählungen. Im Jahr 2008 war er „Writer in Residence“ auf Kuba. Vielleicht ist ihm die eine oder andere Geschichte, die sich im Roman findet, bei Rum, Salsa und mitternächtlichem Hahnenschrei erzählt worden.

So wie die Geschichte von Alfonso Valdemada y Langeron, der mit einer Sondergenehmigung von Fidel Castro einen Zoo betreibt und der Großvater des Helden ist. Der eigentliche Grund für Tiernos Besuch auf Kuba ist die Suche nach seiner Mutter. Ein Foto eines Grabsteins von Juliana Valdemada y Langeron, die Melodie eines Liedes und der Name eines Dorfes sind die Ausgangspunkte für die Reise in die Vergangenheit. Die zahlreichen Figuren, die den Protagonisten Tierno auf seiner kurzen kubanischen Reise begleiten, sind mit seinem Leben verwoben, so wie die Geschichte Westafrikas mit der Kubas.

Wir begegnen dem wohlhabenden Roberto, der Zimmer an Touristen vermietet und einmal im Monat einen Besuch in der Irrenanstalt von Mazarro macht; dem Lebenskünstler Poet, der in jeder Lebenslage einen Vierzeiler des Dichters Omar Khayyam zitieren kann; El Menor und seinen Zwillingen, Tayana und Taijumi; Dona Ildaline, deren rotes Kleid Unglück bringt. Und alle sind verbunden durch ein Lied aus Oriente, „Yo soy el punto cubano“ von Celina Gonzalez. Die Melodie erkennt Tierno sofort, es ist das Lied, das seine Mutter immer gesummt hat. Den genauen Grund für seine Ausweisung aus Kuba erfährt Tierno nicht. Die Unruhe, die seine Fragen und das Lied auslösen, wird erst verständlich, nachdem Ignacio sich hinsetzt und diesen langen Brief verfasst. Es ist die Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts, die Geschichte seiner Mutter Juliana und seines Vaters, Samba Diallovogui, Musiker aus Conackry.  

In diesem Roman gibt es keine Zufälle, es fügt sich Ereignis an Ereignis und Puzzlestück zu Puzzlestück. Dass der Protagonist denselben Vornamen wie der Autor hat, verortet die Geschichte in der Realität. Die historischen Komponenten vom Sklavenhandel bis zur gegenwärtigen Migration bilden die große Klammer dieses Buches. Die Neuordnung Europas durch den Fall der Mauer und die Auswirkungen auf die letzte realsozialistische Nation werden mit angemessenem Pathos beschrieben.

Das Genre des Briefromans wird dieser mehrstimmigen Komposition nicht gerecht. Tierno Monénembo hat ein Epos verfasst, das von der Oratur bis zum modernen Roman, von jambischen Rhythmen bis zu Elementen des Thrillers reicht. Als Biochemiker weiß er, Rum ist stärker als Wasser und Salsa eine Währung der Liebe. „Yo soy el punto cubano...“

 

Kubas Hähne krähen um Mitternacht. Roman von Tierno Monénembo. Aus dem Französischen von Gudrun und Otto Honke. Peter Hammer Verlag GmbH., Wuppertal 2016, ISBN: 978-3-7795-0550-1

 

www.peter-hammer-verlag.de

 







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