Datum: 13.11.16 08:43
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Mehr Feminismus! „Ein Manifest und vier Stories“ von Chimamanda Ngozi Adichie

Fischer Verlage

Als die Autorin zum ersten Mal das Wort „Feministin“ hört, ist sie vierzehn Jahre. Ihr bester Freund nennt sie in einem Streit so. Sie beschließt, das Wort im Wörterbuch nachzuschlagen, denn am Tonfall erkennt sie instinktiv, dass es keineswegs ein Kompliment ist.

Viele Jahre später, als ihr erster Roman „Blauer Hibiskus“ erscheint, legt ihr ein nigerianischer Journalist nahe, sich niemals Feministin zu nennen. Das wäre nicht gut für ihre Karriere. Doch zu diesem Zeitpunkt ist Chimamanda Ngozi Adichie bereits eine Autorin, die Rollenzuschreibungen und Fremddefinitionen mit einer gewissen Ironie begegnen kann. Es mangelt nicht an Ratschlägen und Verhaltensregeln, wenn eine Frau das Wort ergreift und sich selbst als „glückliche afrikanische Feministin“ definiert.

Im Jahr 2012 ist die Autorin Gast bei der jährlich stattfindenden Konferenz der Non-Profit Organisation TED. Diese TED&Euston Konferenz hat kein geringeres Thema als Afrika und die Gäste haben jeweils 18 Minuten an Redezeit zur Verfügung. Diese Rede bildete den Ausgangspunkt für das vorliegende Manifest. Die so genannte gläserne Decke ist Realität, auch wenn mittlerweile die eine oder andere Frau im Vorstand eines Unternehmens zu finden ist.

Welche Vorurteile es zu überwinden gilt und in welchen Stereotypen selbst Managerinnen gefangen sind, schildert Chimamanda Ngozi Adichie so spannend, als wäre der Feminismus eine Geschichte von Liebe und Verrat. Fortgeschrieben wird das Manifest zum Feminismus in  vier Kurzgeschichten. Vordergründig sind es harmlose Geschichten, die Protagonistinnen Frauen und Mädchen, die ihren Alltag bewältigen. Aber Chimamanda Ngozi Adichie erzählt auch von der Freiheit, die Stärke und Widerstand mit sich bringen.  

Die Diskussion zu den Geschlechterrollen erfordert Aufrichtigkeit und Mut. Chimamanda Ngozi Adichie scheut sich nicht, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen. Bei ihrer ersten Schreibwerkstatt an einer US-Universität machte sie sich keine Sorgen um die Vermittlung der Inhalte. Sie überlegte fieberhaft, was sie anziehen solle. Kleid oder Hose.

Erst wenn sich diese Frage keine Frau mehr stellen muss, gibt es Hoffnung. Wofür sich die Autorin entschieden hat, lässt sich in diesem bemerkenswerten Buch nachlesen.

 

Chimamanda Ngozi Adichie. Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories. Aus dem nigerianischen Englisch von Anette Grube. 2016 FISCHER Taschenbuch. ISBN: 978-3-596-03676-9

http://www.fischerverlage.de/







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