Datum: 09.05.18 10:50
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Toni Morrison Die Herkunft der Anderen.

Rowohlt Verlag

Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1836 war der Ausgangspunkt für  „Menschenkind“. Eine Sklavin tötet ihr Kind, damit es nicht ebenso leiden muss wie sie. Diese Geschichte wird in der Fiktion von Toni Morrison zu einem Roman, in dem Macht, Ohnmacht, die Frage nach der Souveränität von Individuen und die Konstruktion des Fremden verhandelt werden.

Der schmale Band „Die Herkunft der Anderen“ ist eine Sammlung von sechs Vorträgen, die Toni Morrison im Frühjahr 2016 an der Harvard Universität gehalten hat. Der Untertitel „Über Rasse, Rassismus und Literatur“ verortet die „Anderen“.

Wie sehr Hautpigmente das Leben bestimmen und begrenzen können, lässt sich in der globalen Gegenwart beobachten. Und obwohl die Autorin keine Zweifel daran lässt, dass der weiße Rassismus unüberwindbar ist, ist dieser Band „eine willkommene Hilfe zum Verständnis“. Dieses Zitat aus dem Vorwort des Autors Ta-Nehisi Coates umschreibt die differenzierte und in vielen Passagen personifizierte Herangehensweise der Autorin.  Die Verwobenheit von Geschichte und Narrativität hat Kontinuität. Ihre Rede zur Verleihung des Nobelpreises 1993 beginnt mit den Worten: „Once upon a time .,,“ und endet mit „..these things we have done together.“ 

Ausgewählte Protagonisten von Hemingway über Faulkner bis zu Flannery O`Connor analysiert Toni Morrison. Der fiktive Fokus auf der Konstruktion der Andersartigkeit lässt sich in das realpolitische Streben nach Ansehen und Status transformieren. Erst die Erfindung der Anderen ermöglicht die Illusion der Macht. Den „Hautfarbenfetischismus“ beurteilt die Autorin als „Echo der Sklaverei“. Vor dem Hintergrund der langen Geschichte der Sklaverei sind wirkmächtige Bilder entstanden. Die Entmenschlichung und Ausgrenzung ist jederzeit abrufbar. Erst die Abwesenheit von Menschlichkeit und Mitgefühl ermöglicht Rassismus und das Konzept der Rasse. In all ihren Romanen hat Toni Morrison diesen fatalen Zusammenhang thematisiert

Geschichtlichkeit und Literaturwissenschaft sind voller Spiegelbilder, die es zu reflektieren gilt. Eigenständig denken und gedacht werden sind die Pole, die das Bewusstsein der Menschen beständig formen und fordern. Einfache Erklärungen, die gegenwärtig von politischen Würdenträgern weltweit gern und oft kund getan werden, erscheinen angesichts der wortmächtigen Poesie des Denkens schal und hohl. Mit diesem Buch hat Toni Morrison sich in die Zukunft der Menschlichkeit eingeschrieben.

 

Toni Morrison. Die Herkunft der Anderen. Über Rasse, Rassismus und Literatur. Mit einem Vorwort von Ta-Nehisi Coates. Aus dem Englischen von Thomas Piltz. Rowohlt Verlag 2018, ISBN: 978-3-408-04343-2

 







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