Datum: 09.08.18 20:59
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Das Lachen des Geckos. Roman von José Eduardo Agualusa

Wahrscheinlich war es kein Zufall, dass Felix Ventura in einer Kiste mit Büchern von Eca de Queirós gefunden wurde. Ein Findelkind auf mehreren Ausgaben des Romans Reliquie, der Ende des 19. Jhdts einen kleinen Skandal ausgelöst hat. Der Autor war des Plagiats beschuldigt worden.

Vielleicht war aber auch alles ganz anders. Das Kind jedenfalls hat die Zeichen früh erkannt und sich durch die Bücherstapel des Antiquariats seines Adoptivvaters Fausto Bendito Ventura gelesen. Auf seiner Visitenkarte steht Genealoge. Manche seiner Kunden kommen nachts ins Haus. Felix Ventura hat die seltene Gabe, Vorfahren in die Familiengeschichte einzuflechten. Vorfahren die man zwar nie gekannt, die einem aber schnell vertraut werden. Wie ein zweite Haut.

Macht, Erinnerung, Vergessen, Täuschung und nicht zuletzt die Farbe der Haut thematisiert der angolanische Schriftsteller José Eduardo Agualusa in seinem mit dem Independant Foreign Fiction Prize ausgezeichneten Roman. Er lässt einen Gecko erzählen. Diese Perspektive ermöglicht den Blick von oben. Der Gecko bevorzugt Positionen, in denen er nicht unmittelbar mit dem Bewohner des Hauses zu tun hat. Dennoch entwickelt sich zwischen dem Gecko und Felix Ventura eine ungewöhnliche Freundschaft. Ein wenig liegt es auch an der Haut. Felix Ventura ist ein Mensch mit Albinismus. Der Gecko kommt gern nachts aus den sicheren Ritzen, die ihn am Tag vor der Hitze schützen. Er ist ein guter Zuhörer. Felix Ventura kann mit ihm über alles sprechen. Seine Liebschaften, seine große Liebe Ângela Lúcia, seinen interessantesten Kunden, Jose Buchmann, dem er ein komplett neues Leben erfunden hat und die vielen großen und kleinen Ereignisse, die in einer Stadt wie Luanda die Runde machen. Der Gecko liegt da, lauscht und hin und wieder, wenn die Geschichte allzu bunt wird, lacht er.

Ângela Lúcia verändert alles. Sie interessiert sich für das Licht, fängt es in ihren Fotografien ein, reist um die Welt und landet im Haus von Felix Ventura. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt als Jose Buchmann, der Mann mit dem neuen Namen und dem neuen Leben, seine erfundenen Verwandten sucht. Von Zeit zu Zeit besucht er Felix Ventura, um ihn teilhaben zu lassen an seinen neuesten Erinnerungen. In einem früheren Leben war auch er ein Fotograf.

Der Umstand, dass zwei Fotografen zur selben Zeit im Haus von Felix Ventura ein und aus gehen, beschäftigt auch den Gecko. Er träumt sich zurück in eine Zeit, als er noch ein Mensch war und die Figuren aus seinem Geckoleben bilden die Versatzstücke zwischen Traum und Wirklichkeit. „Das Lachen des Geckos“ ist ein Buch voller Poesie und politischer Anspielungen. Die Geschichte Angolas nach der Unabhängigkeit bildet den Subtext dieses Romans.

Geschickt verwebt José Eduardo Agualusa Licht und Schatten. Angola ist ein herausforderndes Land, nicht nur für Fotografen. Landschaften, Häuser und Menschen bewegen sich in einem glänzenden oder diffusen Licht und werfen ihre Schatten. Manchmal taucht die Vergangenheit unvermittelt auf, ganz so als würde sie aus einem Kanal kriechen. Ja, Sie ahnen es schon, es kriecht jemand aus dem Kanal und der Traum des Geckos bringt Gewissheit. Die Erinnerungen unserer Freunde werden zu unseren eigenen. Am Ende lauert irgendwo der Tod und schnappt zu, wie ein Skorpion.

Es heißt, wenn man Glück hat, kommt man als Gecko auf die Welt. Aber vielleicht ist meine Erinnerung auch trügerisch. Lesen Sie nach!

Das Lachen des Geckos. Roman von José Eduardo Agualusa. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. Unionsverlag 2018, ISBN: 978-9-299-20805-6

 

 

 

 







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